„Tatort: Krank“

Naturheilkunde-Schocker: Das halten die Wiener „Tatort“-Stars von Alternativmedizin

Die Wiener Sonderermittler Eisner (Harald Krassnitzer) und Fellner (Adele Neuhauser) blicken mit großer Skepsis auf das Geschäft mit alternativer Medizin.
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Die Wiener Sonderermittler Eisner (Harald Krassnitzer) und Fellner (Adele Neuhauser) blicken mit großer Skepsis auf das Geschäft mit alternativer Medizin.

Die Wiener Sonderermittler üben Globulisierungskritik: Der „Tatort: Krank“ war ein skeptischer bis verschwörerischer Reizthemenkrimi über das harte Geschäft mit der sanften Naturheilkunde. Die beiden Stars des Films stehen der Alternativmedizin privat weit weniger ablehnend gegenüber.

Schlicht „Krank“ hat der ORF einen überraschend bibelfesten Themenkrimi überschrieben, in dem es nicht von ungefähr um einen „Glaubenskrieg“ ging zwischen Anhängern der Schulmedizin und jenen alternativer Heilmethoden. Der Kriminalfall war im „Tatort“ mit den Wiener Sonderermittlern Moritz Eisner (Harald Krassnitzer) und Bibi Fellner (Adele Neuhauser) nur eine dünne Folie für ein beachtlich tief ausgegrabenes Recherchestück nebst Verschwörungs-Trieben, die bis nach Südamerika reichten ...

Worum ging's?

Darum, eine kolumbianische Guerilla-Veteranin auf ihrem blutigen Rachefeldzug durch Wien zu stoppen. Maria Ana Moreno (Sabine Timoteo) meuchelte eine Reihe Menschen, die im Zusammenhang mit dem vermeidbaren Tod ihrer kleinen Tochter standen. Statt deren Allerwelts-Ohreninfekt mit schulmedizinischen Antibiotika zu therapieren, hatte es der Vater mit Kräutertinkturen probiert. Mit fatalen Folgen.

Worum ging es wirklich?

Um das harte Geschäft mit den vermeintlich sanften Heilmethoden. Eisner und Fellner deckten ein Komplott skrupelloser Pharma-Unternehmer auf. Die Lehre daraus: Geschäft ist Geschäft und ein Pharmakonzern das schlechthin Böse unter der Sonne, ganz egal, ob er mit Chemiekloppern oder Streukügelchen handelt.

Welche alternativmedizinischen Ansätze gibt es?

Eine ganze Reihe und damit weit mehr als die verbreitete, wenn auch umstrittene Homöopathie. Zur Alternativmedizin zählt etwa die Osteopathie, die Funktionsstörungen des Körpers als Bewegungsbeeinträchtigung identifizieren und beseitigen soll. Ferner die altindische Heilkunst Ayurveda sowie die Gabe von Schüßler-Salzen und Heilkräutern. Auch sogenannte „Hausmittel“ wie Wadenwickel bei Fieber zählen zu den alternativen Therapieverfahren.

Wie umstritten sind alternative Heilverfahren?

Ein strittiger Aspekt bei vielen dieser „sanften“ Therapiemethoden ist der fehlende wissenschaftliche Nachweis ihrer Wirksamkeit. Einen anderen Kritikpunkt thematisieren die „Tatort“-Ermittler im Filmdialog. Wie man „Humanenergetiker“ werde, fragt Fellner einmal kopfschüttelnd im Heilpraktikerhausflur. Eisner hat sich bei der Gewerbekammer erkundigt: „Indem man beschließt, es zu sein.“ Jeder könne auch ohne Qualifikationsnachweis seinen Gewerbeschein anmelden.

In Deutschland schwelt seit vielen Jahren eine Debatte insbesondere um die Homöopathie. Hintergrund: Das Naturheilverfahren, bei dem davon ausgegangen wird, dass verdünnte Natursubstanzen körpereigene Selbstheilungskräfte aktivieren können, ist trotz fehlender Wirksamkeitsbelege vom Gesetzgeber als „besondere Therapierichtung“ ausdrücklich zugelassen und wird von vielen Krankenkassen (teil-)erstattet. Bei den Parteimitgliedern der Grünen ist dieser „Glaubenskrieg“, wie er im „Tatort“ apostrophiert wird, jüngst ohne Schlichtung eskaliert - zwischen einem der Wissenschaft zugewandten Lager hier und anthroposophisch geprägten Mitgliedern dort.

Was denken die „Tatort“-Stars Krassnitzer und Neuhauser über Naturheilkunde?

Die beiden Stars des Wiener „Tatorts“ zeigen sich im Interview zum Film der Naturheilkunde aufgeschlossen, gleichwohl abwägend. Harald Krassnitzer (60) hatte jemanden im Bekanntenkreis, „der seine Krebserkrankung nur mit alternativen Mitteln heilen wollte und dabei an viele Scharlatane geraten ist“. Der Bekannte sei „wahrscheinlich lange vor der Zeit gestorben, die ihm die Schulmedizin noch hätte ermöglichen können“. Dennoch sei „nicht von der Hand zu weisen, dass es wirkungsvolle alternative Instrumente“ gebe. Er selbst nehme alternative Methoden in Anspruch, „weil ich gute Erfahrungen gemacht habe mit TCM, der Traditionellen Chinesischen Medizin. Doch ich koppele das immer mit einer Rückfrage bei einem klassischen Mediziner.“ Adele Neuhauser (61) gibt an, sie habe „unterschiedlichste und meist positive Erfahrungen mit Homöopathie gemacht. Vor allem habe ich mich bei Erkältungskrankheiten homöopathisch behandelt. Auch meinen Sohn, als er noch klein war.“

Wie geht es beim Wiener „Tatort“ weiter?

In diesem Jahr gar nicht mehr, dafür sind für 2021 schon drei neue Folgen aus der Donaumetropole fest eingeplant. Abgeschlossen sind die Dreharbeiten zur Episode „Unten“ (Arbeitstitel, Regie: Daniel Prochaska). Der Krimi über einen toten Obdachlosen ist der 25. Fall für Adele Neuhauser in ihrem zehnten Jahr als „Tatort“-Kommissarin. Sodann wird eine „Verschwörung“ (Arbeitstitel, Regie: Claudia Jüptner-Jonstorff) im österreichischen Innenministerium aufgedeckt - auch dies ist ein Jubiläumsfilm, nämlich Harald Krassnitzers 50. Einsatz als Moritz Eisner. Im September und Oktober wurde schließlich „Die Amme“ (Arbeitstitel, Regie: Christopher Schier) gedreht, hier geht es um den Mord an einer Prostituierten.

teleschau

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