„Natürlich tragen wir Verantwortung“

Natalia Belitski im Porträt

Die gebürtige Russin Natalia Belitzki kam mit sieben Jahren nach Deutschland. Den beruflichen Erfolg als Schauspielerin, zum Beispiel in „Vaterfreuden“ oder „Letzte Spur Berlin“, genießt die 35-Jährige. Dennoch meidet die sie große Medienaufmerksamkeit: „Mich zieht es nicht unbedingt auf den roten Teppich“, sagt sie im Interview.
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Die gebürtige Russin Natalia Belitzki kam mit sieben Jahren nach Deutschland. Den beruflichen Erfolg als Schauspielerin, zum Beispiel in „Vaterfreuden“ oder „Letzte Spur Berlin“, genießt die 35-Jährige. Dennoch meidet die sie große Medienaufmerksamkeit: „Mich zieht es nicht unbedingt auf den roten Teppich“, sagt sie im Interview.

Natalia Belitski spricht über „Stumme Schreie“, einen erschreckend realen Film über Kindesmisshandlung, und erklärt ihre gesellschaftliche Verantwortung als Schauspielerin.

Natalia Belitski sitzt in einem sterilen Konferenzraum eines Hamburger Hotels, eine Tasse mit dampfendem Kaffee in den Händen, ein höfliches Lächeln auf den Lippen. Es ist Interviewzeit. Die 35-Jährige wirbt für ihren neuen Film „Stumme Schreie“ (Montag, 18. November, 20.15 Uhr, ZDF). Harter Stoff, und die Gespräche, die sie an diesem Tag führt, sind entsprechend ernst. Es geht um das oft vergessene, teils unter den Tisch gekehrte Thema Kindesmisshandlung.

Belitski spielt die junge Ärztin Jana Friedrich, die einen Job im renommierten Berliner Institut für Rechtsmedizin bekommt. Was Friedrich dort erleben muss, geht unter die Haut. Gleich mit mehreren Fällen verletzter und misshandelter Kinder bekommt sie es zu tun. Einer davon ist besonders schwer zu ertragen: Durch ein Schütteltrauma kommt ein Säugling zu Tode. Jana Friedrich muss erkennen, welch große Anstrengung es bedeutet, die Kinder aus den Klauen der Täter zu befreien, ebenso wie die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen. Letztlich nimmt sie die Arbeit so sehr ein, dass sie gesetzliche Vorschriften missachtet, um für Gerechtigkeit und Fürsorge zu kämpfen.

Dass „Stumme Schreie“ starker Tobak für so machen Fernsehzuschauer ist, leuchtet Natalia Belitski ein. Dennoch: Es sei wichtig, dass genau solch eine Geschichte, wie sie Regisseur Johannes Fabrick hier inszeniert hat, der breiten Masse gezeigt wird. Auch sieht sie sich als Schauspielerin und die Filmbranche im Ganzen in der Pflicht, ein Riesenproblem zu vermitteln, von dem in der Realität mehr als 200.000 Kinder in Deutschland betroffen sind - pro Jahr. „Natürlich tragen wir Verantwortung für unsere Themen und unser Tun, und wir versuchen immer, etwas gesellschaftlich Relevantes widerzuspiegeln“, betont Belitski. „Dieses Filmthema ist ein wichtiges, auch ein emotionalisierendes, ich bin froh, ein Teil dieses Projekts zu sein, und finde es wichtig, unser Publikum mit diesem Thema, in all seiner Schwere, zu konfrontieren.“

„Habe definitiv einen starken Willen“

Die Kinder, deren Rollen in „Stumme Schreie“ freilich nicht die einfachsten waren, hätten es „toll gemacht“ am Set, so Belitski, „und wir haben versucht, sie zwischendurch aus der Filmgeschichte herauszuholen und zu reden und zu lachen. Es war ein wirklich entspanntes, angenehmes Miteinander.“ Ihre eigene Rolle sei trotz des heiklen Themas nicht ihre bisher schwierigste gewesen, sagt sie. Die größte Herausforderung in „Stumme Schreie“ hätte für sie darin bestanden, dass „ich mich mit einem Thema, dass in unserer Gesellschaft selten fokussiert wird, auseinandersetzen musste“.

Die Rolle der Jana Friedrich bekam Natalia Belitski übrigens auch deshalb, weil Regisseur Fabrick sie bereits aus einer früheren „Tatort“-Inszenierung kannte und sie dort, wie er es sagt, als „kämpferisches Wesen“ kennengelernt habe. Kommt Belitski mit einer solchen Bezeichnung klar? „Ich habe definitiv einen starken Willen und eine ehrgeizige Seite in mir. Beides hat mir auf meinem Weg sehr geholfen. Ich investiere gern viel Energie und Kraft in Dinge, die ich erreichen möchte. Da würde ich dem kämpferischen Wesen zustimmen. Aber nicht im Sinne von Kampf gegen etwas. Bei der Arbeit bin ich sehr für ein starkes Miteinander.“

„Mich zieht es nicht auf den roten Teppich“

Geboren in Sankt Petersburg, der zweitgrößten Stadt Russlands, kam Natalia Belitski als Siebenjährige nach Deutschland. Ihr Vater, ein Physiker, sollte in Stuttgart zeitlich begrenzt arbeiten, doch die Familie blieb - und Belitski startete nach der Schule ihre Schauspielkarriere. Sie studierte in Leipzig an der Hochschule für Musik und Theater Felix Mendelssohn Bartholdy, wechselte daraufhin zunächst an ein Düsseldorfer, dann an ein Berliner Theater. Und zwischendurch nahm sie erste TV-Jobs an, war bereits 2009 im „Tatort“ zu sehen, nämlich in der erwähnten Fabrick-Inszenierung, und seitdem in zig Fernseh- und Kino-Produktionen, von der Schweighöfer-Komödie „Vaterfreuden“ über „Wilsberg“ und „Letzte Spur Berlin“ bis zu den Serien „Parfum“ und, erst kürzlich, „Frau Jordan stellt gleich“.

Den beruflichen Erfolg genießt Belitski, meidet aber eher das Spotlight abseits von Filmsets. „Mich zieht es nicht unbedingt auf den roten Teppich“, lässt sie wissen. „Ich bin auch kein Riesenfan von Small Talks. Aber: Ich weiß, dass all das Teil meines Berufs ist, zumindest in einem gewissen Maße, und deshalb schrecke ich davor auch nicht zurück.“ Das bewies sie vor einigen Monaten im Kai-Pflaume-Quiz „Klein gegen Groß“, wo sie überraschend an der Seite ihres Verlobten Jürgen Vogel, 51, erschien. Die beiden wurden im Januar Eltern einer Tochter - Belitskis erstes Kind, Vogels drittes.

Die Tatsache, dass sie mit einem Superstar des deutschen Filmgeschäfts liiert ist, ja dem wohl bekanntesten Zahnlückenträger des Landes, verringert das Interesse an ihrer Person abseits von Theaterbühnen und Filmdrehs logischerweise nicht. Womöglich wird man sie also demnächst also doch häufiger in Promi-TV-Formaten erleben, als sie sich einst erhofft hatte. Außer Frage dürfte jedoch stehen, dass die hochveranlagte Schauspielerin künftig in vielen weiteren herausfordernden und anspruchsvollen Film-Rollen zu sehen sein wird.

teleschau

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