30 Jahre stern TV

Nachgeholtes Jubiläum der „Wundertüte“

Blicken gemeinsam auf die Höhepunkte und einige kuriose Pannen bei 30 Jahren mit dem RTL-Magazin zurück: Günther Jauch (links) und Steffen Hallaschka.
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Blicken gemeinsam auf die Höhepunkte und einige kuriose Pannen bei 30 Jahren mit dem RTL-Magazin zurück: Günther Jauch (links) und Steffen Hallaschka.

Ursprünglich hätte die Sondersendung bereits Ende März steigen sollen, dann machte Corona Steffen Hallaschka und Günther Jauch einen Strich durch die Rechnung. Nun wird der runde Geburtstag des RTL-Magazins, das am 4. April 1990 erstmals auf Sendung ging, ordentlich gefeiert.

Es war der Hamburger Verleger und Zeitschriften-Macher Henri Nannen, der einst den Begriff von der „Wundertüte“ ins Spiel brachte. Damit wollte er die bunte Themenfülle, von hoher Politik bis hin zu gesellschaftlichen Aufregerthemen, von Kultur bis Sport, von Klatsch bis Tratsch, umreißen, die den Charakter der von ihm gegründeten Illustrierten „Stern“ ausmachen sollte. Kein Wunder, dass sich auch der TV-Ableger des Magazin, „stern TV“, der erstmalig am 4. April 1990 auf Sendung ging, dieser weit gefassten Devise verschrieb. Am Mittwoch, 2. September, 20.15 Uhr, feiert RTL Jubiläum.

Inzwischen zählt die Sendung zu den wichtigsten Vorzeigeformaten von RTL. In der Vier-Stunden-Jubiläumssendung blicken der einstige „stern TV“-Moderator Günther Jauch und sein aktueller Nachfolger Steffen Hallaschaka jetzt auf die größten Erfolge, die bewegendsten Momente und peinliche Pannen zurück. Eigentlich hätte die Vier-Stunden-Ausgabe zum Jubiläum bereits deutlich näher am ehemaligen Stichtag laufen sollen. Doch in der Hochzeit der Corona-Unsicherheit Ende März strich RTL diesen Plan damals kurzfristig. Nun haben die Verantwortlichen Luft und gute Laune zum Feiern.

Und tatsächlich macht „stern TV“, das RTL gut zu Gesicht steht, regelmäßig große Freude - nicht nur in publizistischer, sondern auch in wirtschaftlicher Hinsicht: Mit Zuschauerzahlen von anfänglich regelmäßig rund drei Millionen Zuschauern - die Zahl hat sich mittlerweile bei rund zweieinhalb Millionen Fans eingependelt - fällt es RTL nicht schwer, stolz auf das Magazin zu sein. Mit tollen Gästen und ��berraschenden Studiosituationen, vor allem aber mit vielen preisgekrönten Filmbeiträgen von Autoren und Reportern, sorgt die Mittwochabendsendung immer wieder für Schlagzeilen.

Vom Fremdköper zum Lieblingsformat

Dennoch dauerte es lange, bis sich der Sender offiziell zu dem Erfolgsformat bekannte: Ohne dass die Zuschauer das mitbekamen, lief „stern TV“ im Programm lange als eine Art Fremdkörper, zu dessen Ausstrahlung der große Privatsender aufgrund der sogenannten Drittanbieter-Regelung verpflichtet war. Diese Auflage für Privatsender soll die Meinungsfreiheit und -vielfalt in der deutschen Fernsehlandschaft garantieren. So kam auch etwa das „Spiegel TV Magazin“ zustande. Deswegen war bis 2018 „stern TV“ eine Fremdproduktion, erst seit dieser Zeit lässt RTL das Magazin in eigenem Auftrag produzieren. Und das von einem alten Bekannten: Günther Jauch, der bis 2011 Moderator das von ihm seit 4. April 1990 geführten Magazins war, ist über seine TV-Firma i&u TV Macher der Sendung.

Jauch, der nun vor allem über seine Shows wie den Klassiker „Wer wird Millionär?“ weiterhin zu den wichtigsten RTL-Sendergesichtern zählt, darf natürlich auch in der extralangen Jubiläumsausgabe nicht fehlen. Zusammen mit Steffen Hallaschka blickt er auf 1.400 Sendungen mit rund 10.700 Studiogästen, die auf den berühmten roten „stern TV“-Sesseln Platz nahmen, zurück.

Er bringt in einem aktuellen RTL-Interview den Erfolg des Magazins auf eine griffige Formel. „Wir wollten etwas völlig Neues im deutschen Fernsehen machen: Eine Mischung aus Information und Unterhaltung“, blickt Günther Jauch zurück. „Wir wollten keinerlei Berührungsängste gegenüber Politik, Show, Komik oder Lebenshilfe haben. Das wollten wir in einer Art Wundertüte präsentieren, die es damals noch nicht gab. Früher wurden Sendungen noch in bestimmte Schubladen gesteckt: Das ist eine Informationssendung, das ist eine Dokumentation und das ist eine Unterhaltungssendung. Dass daraus eine Schnittmenge entstehen konnte, war neu.“

Stars in Hülle und Fülle - und ein erschöpfter Zehnkämpfer

Highlights der Historie waren etwa frühe Auftritte von Angela Merkel sowie Gerhard Schröder - lange bevor diese dann ins Kanzleramt einzogen. 1992 sorgte der damalige russische Präsident Michail Gorbatschow für eine kleine Sensation. Er war spontan einer Einladung in die Sendung gefolgt und sprach bei „stern TV“ über seine großen Themen Perestroika und Glasnost.

Natürlich kann „stern TV“ mit vielen internationalen Stargästen protzen, die den Weg ins Sendestudio in Hürth bei Köln gefunden hatten - darunter Celine Dion, Sylvester Stallone, David Copperfield, Claudia Schiffer oder Sting sowie Sporthelden wie Steffi Graf, Michael Schumacher, Henry Maske, Dirk Nowitzki, Franz Beckenbauer, Philipp Lahm oder Toni Kroos.

Fester Bestandteil der Reihe sind allerdings auch legendäre Gänsehaut- und Tränendrüsen-Momente, etwa wenn jeweils vor Weihnachten von den sogenannten „Beutelsbacher-Fünflingen“ berichtet wird. „stern TV“ hat das Leben der Mehrlingskinder vom Kreißsaal bis hin auf die Universität verfolgt. Die im November 2018 von Lorena Acker und Torsten Kalina geborenen Vierlinge haben ebenfalls schon deutsche TV-Geschichte geschrieben. Von ihnen wird in der Geburtstagssendung noch zu hören sein, heißt es beim Sender.

Und dann dürfen natürlich auch Schmunzelpassagen nicht fehlen: Etwa die peinliche Panne, als Zehnkämpfer Frank Busemann nach seinem WM-Erfolg es lange nicht wie angekündigt ins Studio schaffte. Zunächst hielt ihn ein Stau, dann eine Autopanne auf. Erst kurz vor dem „Nachtjournal“ tauchte er dann doch noch bei Günther Jauch auf dem Sofa auf. Ziemlich abgehetzt, aber tapfer ausdauernd, selbstverständlich.

„Wir machen vom Kindergeburtstag bis zur politischen Debatte eigentlich alles in der Sendung“, betont Steffen Hallaschka, der „stern TV“ seit mittlerweile zehn Jahren moderiert. Die Sendung habe „sich natürlich dadurch verändert, dass sich die Welt außen herum verändert hat“, so der 48-Jährige. „Als 'stern TV' in den Neunzigern losging, hat das Internet noch gar keine Rolle gespielt in Deutschland. Bewegtbild im Netz, YouTube, das sind alles Dinge, die kamen mit den Jahren. Dadurch hat sich die ganze Medienlandschaft beschleunigt. Was wir heute merken: Es reicht nicht mehr, am Mittwochabend den Menschen in der Sendung zu haben, der am Freitag die Schlagzeilen beeinflusst hat. Der ist dann nämlich im Netz und in allen anderen Medien schon rauf und runter gelaufen. Das bedeutet, wir konzentrieren uns heute mehr auf selbstgesetzte Themen, ganz stark auf Reportage - mehr als auf Köpfe.“

teleschau

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