Virus breitet sich weiter aus - so planen die Sender

Nach „Fernsehgarten“-Absage: Deutsche TV-Sender reagieren auf die Corona-Krise

Drei Aufzeichnungen des „ZDF Fernsehgartens“ wurden wegen des Coronavirus bereits abgesagt. Trifft es neben der Sendung von Moderatorin Andrea Kiewel bald auch andere Formate?
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Drei Aufzeichnungen des „ZDF Fernsehgartens“ wurden wegen des Coronavirus bereits abgesagt. Trifft es neben der Sendung von Moderatorin Andrea Kiewel bald auch andere Formate?

Zahlreiche Großveranstaltungen in Deutschland wurden wegen der anhaltenden Verbreitung des Coronavirus bereits abgesagt, und allerorten bangen Kulturschaffende und andere Veranstalter um ihre Events. Aber wie gehen eigentlich die TV-Sender mit der Krankheit um?

Nun hat die Corona-Krise also auch die TV-Sender erfasst: Wie „Bild“ berichtet, hat das ZDF die geplante „Fernsehgarten on Tour“-Show abgesagt. Betroffen sind drei geplante Sendungen auf der Kanareninsel Fuerteventura, die den glamourösen Auftakt der Freiluftsaison bilden sollten. Die Shows seien „mit Blick auf die momentanen Einschränkungen durch das Coronavirus und die dadurch entstehenden logistischen Schwierigkeiten bei der Realisierung einer solchen Auslandsproduktion“ abgesagt worden, bestätigte am Mittwochnachmittag ein Sprecher des ZDF auf Nachfrage. Gleichzeitig räumte er ein, die Lage werde „täglich evaluiert“. Heißt im Umkehrschluss: Weitere Absagen von TV-Shows sind möglich. Vergangene Woche war bereits die ebenfalls beim ZDF eingeplante „Goldene Kamera“ gecancelt worden - die Gala soll nun nicht am 21. März stattfinden, sondern im November.

Die Auswirkungen der sich stetig erhöhenden Coronafälle spüren nun auch die Besucher des ZDF-Sendezentrums. Wie der Sender am Mittwochnachmittag verlauten ließ, werden Führungen in Mainz und im Berliner ZDF-Hauptstadtstudio eingestellt. Zudem werde es bei Sendungen, die normalerweise vor Publikum aufgezeichnet werden, vorläufig keine Zuschauer mehr geben. Betroffen ist unter anderem „das aktuelle sportstudio“ am Samstag, 14. März, sowie die Polit-Talkshow „maybrit illner“ und das „ZDF-Morgenmagazin“. Weiterhin entfällt die am 20. März geplante Sitzung des ZDF-Fernsehrates. „Schon der Entfall entsprechender An- und Abreisen kann in diesen Tagen ein sinnvoller präventiver Beitrag sein“, kommentierte die Vorsitzende des ZDF-Fernsehrats, Marlehn Thieme.

Auch bei den anderen TV-Sendern beschäftigt man sich mit der Frage nach dem richtigen Umgang mit der weiterhin rapiden Ausbreitung des Coronavirus. Christoph Körfer, Sendersprecher von ProSieben, betonte, man orientiere sich an den „Vorgaben der jeweiligen Gesundheitsministerien“. Mitarbeiter wie Zuschauer seien aufgerufen, hygienische Vorschriften zu erfüllen, Desinfektionsmittel stünden für Team und Zuschauer zu Verfügung. Ob die gerade erst gestartete Musikshow „The Masked Singer“ in ihrer regulären Durchführung gefährdet sei, ließ Körfer unbeantwortet. Nur so viel ließ er verlauten: „Natürlich produzieren wir aktuell keine Show mit mehr als 1.000 Zuschauern.“

RTL hält an Sendungen fest, RBB sagt alles ab

Bei der RTL-Mediengruppe geben ebenfalls die Handlungsempfehlungen der Bundes- und Landesregierung die Marschroute vor. Laut Sprecherin Anke Eickmeyer seien Live-Shows mit mehr als 1.000 Menschen vorerst nicht mehr realisierbar. Eine komplette Absage stehe aber derzeit nicht zur Debatte: „Wir werden die Anzahl der Zuschauer bei den entsprechenden Live-Shows auf unter 1.000 reduzieren. Bei den vier Liveshows von 'DSDS', die am 14. März starten, werden wir die Anzahl der Zuschauer auf 900 reduzieren.“

Eine klare Aussage tätigte Eickmeyer auch zum geplanten Musik-Live-Event „Die Passion“. Es soll am Mittwoch, 8. April, regulär stattfinden, „entweder mit einer Teilnehmerzahl unter 1.000 oder ohne Zuschauer“, so die RTL-Sprecherin. Ansonsten würden „allgemeine Maßnahmen des Infektionsschutzes wie Händehygiene, Abstand halten oder Husten- und Schnupfenhygiene“ befolgt, so Eickmeyer, die hinzufügte: „Wir appellieren an die Vernunft jedes Einzelnen, sollte er sich krank fühlen, zum Arzt zu gehen und zu Hause zu bleiben.“

Von Natur aus etwas komplizierter ist es hingegen bei der ARD mit ihren diversen Sendeanstalten, wie die Sprecherin Svenja Siegert herausstellte: „Es gibt keine einheitlichen Regelungen für alle in der ARD, auch nicht was Produktionen angeht.“ Gleichzeitig versicherte sie, dass ein „regelmäßiger Austausch zwischen den Landesrundfunkanstalten zum Thema Corona“ bestehe. Der rbb hat bereits reagiert und sämtliche Veranstaltungen mit Publikum bis Ende März abgesagt. Der reguläre Sendebetrieb solle hingegen aufrechterhalten werden, wie rbb-Verwaltungsdirektor Hagen Brandstäter betont: „Für uns steht an erster Stelle, unseren Programmbetrieb sicherzustellen und insbesondere unserem Informationsauftrag gerecht zu werden.“

Der NDR kündigte an, dass Sendungen, die auf dem NDR-Gelände produziert werden, bis auf Weiteres ohne Studiopublikum stattfinden. Dazu gehören die „NDR Talk Show“ und „extra 3“. Gleiches gelte für Auftragsproduktionen wie „Anne Will“ und „Gefragt, Gejagt“.

Task Force beim BR

Beim Bayerischen Rundfunk hieß es auf Anfrage, man habe eine Task Force einberufen, „die sich regelmäßig austauscht, die aktuellen Entwicklungen zum Thema Corona beobachtet und - ausgehend von den Einschätzungen des Robert-Koch-Instituts und der zuständigen Behörden - die präventiven Empfehlungen und Regelungen im Zusammenhang mit dem Coronavirus täglich anpasst.“

Feststeht, dass das traditionelle Starkbierfest auf dem Nockherberg in München, ein fester Bestandteil im BR-Programm, entfällt. Statt mit Starkbier beschäftigt sich das BR-Dritt in der Primetime nun ebenfalls mit dem Coronavirus. Um 20.15 Uhr läuft die Sondersendung „BR extra: Corona-Virus in Bayern - Was tun?“ mit Moderatorin Ursula Heller. Anschließend geht es doch noch um Hopfen und Malz: Von 21 Uhr bis 21.45 Uhr läuft „Unter unserem Himmel: Damals - rund ums Bier“. Nach dem folgenden „Rundschau Magazin“, kommt auch der Nockherberg zu seinem Recht. Um 22 Uhr wird „Bayern, Bier und Politik - Das Beste aus 70 Jahren Nockherberg“ gezeigt. Die Sendung soll die Fans des traditionellen „Derbleckens“ etwas entschädigen. Weitere Produktionen aus dem Bereich Unterhaltung sollen nach aktuellem Stand aber nicht verschoben oder abgesagt werden, heißt es seitens des BR.

teleschau

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