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„Mulan“ zieht wieder in die Schlacht: So gut ist die Realverfilmung des Disney-Klassikers

"Mulan" ist das Realfilm-Remake des gleichnamigen Zeichentrickklassikers von Disney. In Deutschland kommt der Film nicht ins Kino, sondern zum hauseigenen Streamingdienst des Mäusekonzerns.
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„Mulan“ ist das Realfilm-Remake des gleichnamigen Zeichentrickklassikers von Disney. In Deutschland kommt der Film nicht ins Kino, sondern zum hauseigenen Streamingdienst des Mäusekonzerns.

Ohne Mushu, dafür erwachsener als das Original: Die Disney-Realverfilmung „Mulan“ ist ein veritabler Martial-Arts-Film geworden, der in Deutschland allerdings nicht in die Kinos kommt, sondern nur zu Disney+.

Ursprünglich sollte „Mulan“ bereits Ende März in den Kinos anlaufen. Doch wegen der weltweiten Corona-Pandemie wurde der Start verschoben - erst in China, dann weltweit. Dabei wäre „Mulan“ damals, auf dem Höhepunkt der weltweiten Pandemie, genau der richtige Film gewesen. Unter die Sorge und Angst mischten sich ja immer wieder auch rassistische Untertöne, etwa, als Donald Trump vom „China-Virus“ sprach, so als sei Corona eine chinesische Erfindung. „Mulan“ aber macht sich daran, Ost und West zu versöhnen, der Film verbindet eine alte chinesische Legende und den ganzen Reichtum fernöstlicher Kultur mit der Kraft Hollywoods. Nun erscheint der Film hierzulande nur beim Streamingdienst Disney+ (für einmalig 21,99 Euro extra), eine Kinoauswertung wurde kurzerhand gestrichen. Was wiederum sehr schade ist, denn „Mulan“ ist eine sehr bildgewaltige Angelegenheit geworden und viel zu gut für den heimischen Fernsehapparat.

„Mulan“ ist ein Realfilm-Remake des Disney-Zeichentrickklassikers von 1998 und hält sich bisweilen sehr eng an die Vorlage. Das geht so weit, dass einzelne Szenen und ganze Dialogzeilen identisch sind. Die neue Version von „Mulan“ nutzt ihr Setting, die chinesische Kaiserzeit, aber nicht mehr als reinen Hintergrund für eine Abenteuer- und Liebesgeschichte, wie es noch der Zeichentrickfilm tat; im Jahr 2020 nimmt „Mulan“ die chinesische Kultur ernst. Da gibt es etwa eine Szene, in der Mulan und ihr Vater über das Verhältnis von Kindern zu ihren Eltern sprechen, und auf dem Tisch zwischen ihnen liegt ein kleines Schmuckstück aus Jade, in das das Schriftzeichen für Kindespietät eingraviert ist. Ein Detail nur, aber eines, das zeigt, mit welcher Wertschätzung die Macher rund um Regisseurin Niki Caro ihr Thema behandeln.

Die Titelheldin ist zu Beginn des Films ein ungestümes Mädchen, ein Wildfang, der sich nicht an die strengen Regeln halten will, die die chinesische Gesellschaft vorgibt. Wann genau der Film spielt, ist offen, wahrscheinlich aber ein paar Hundert Jahre nach der Zeitenwende. Frauen haben hier nur einen Platz, und der ist an der Seite eines Mannes. Mulan jedoch spielt lieber mit den Jungs, als ihre späteren Pflichten zu erlernen, und als sie dann eine junge Frau ist, widersetzt sie sich mit aller Kraft den Versuchen ihrer Eltern (Tzi Ma, Rosalind Chao), sie zu verheiratet. Gespielt wird die erwachsene Mulan von Liu Yifei, ziemlich kühl und distanziert allerdings, so als befände sie sich hinter kugelsicherem Glas. Schon weit vor Kinostart war die Besetzung umstritten, hatte sich Liu, 1987 in Zentralchina geboren, doch kritisch zu den Demonstrationen in Hongkong geäußert. Im Netz wurden Boykottaufrufe laut.

Mit dem Schwert des Vaters

Was Liu aber kann, das zeigt sie in „Mulan“, ist kämpfen. Denn der Film ist - wer hätte das von Disney gedacht? - über weite Strecken ein waschechter Martial-Arts-Streifen. Die überirdische Bildgewalt von Genre-Vorbildern wie „Ein Hauch von Zen“ oder „Hero“ erreicht „Mulan“ zwar nie, großartig choreografiert sind die Kampfszenen aber dennoch. Und gekämpft wird hier viel. Als nämlich Barbaren aus dem Norden an den Grenzen des chinesischen Kaiserreichs auftauchen, machen die Herrscher mobil. Jede Familie muss einen Mann an die Front schicken. Da Mulans Vater gebrechlich ist und sie keine Brüder hat, verkleidet sich die junge Frau kurzerhand als Mann und verlässt ihr Heimatdorf. Unter männlichem Namen schließt sie sich der kaiserlichen Armee an, angetan mit der Rüstung ihres Vaters, in der Hand sein Schwert.

„Mulan“ basiert im Kern auf einer rund anderthalb Tausend Jahre alten chinesischen Legende und ist dennoch überraschend modern. Da geht es natürlich um die Rolle der Frau, die Neuverfilmung macht aber auch deutlich, wie queer der Stoff eigentlich ist. Da werden nicht nur Geschlechterrollen gewechselt, es liegt auch immer ein Hauch von Homoerotik in der Luft. Auch das eher ungewöhnlich für Disney. Trotz einiger brutaler Szenen ist „Mulan“ aber freilich immer perfekte, auf Hochglanz getrimmte Familienunterhaltung. Gesungen wird, anders als im Zeichentrickfilm nicht (was gut ist), und auch der einst von Otto gesprochene Mini-Drache Mushu wurde aus dem Film gestrichen.

Auch wenn Hauptdarstellerin Liu Yifei vielleicht nicht die beste Wahl war - alle anderen Rollen in „Mulan“ sind fantastisch besetzt. Regisseurin Niki Caro konnte das Who-is-Who des chinesischen Kinos vor der Kamera versammeln, etwa Gong Li als böse Hexe oder Donnie Yen als Mulans Kommandanten.

In China soll „Mulan“ übrigens, anders als in Deutschland und in den USA, ganz normal in die Kinos kommen. In dem Land öffnen die Kinos langsam wieder, das Pandemiegeschehen macht einen Kinostart scheinbar möglich. Rund 200 Millionen Dollar soll „Mulan“ gekostet haben, Geld, das wieder eingespielt werden will. Ob das angesichts der ungewöhnlichen Veöffentlichungspolitik von Disney gelingt, wird sich zeigen. Fest steht aber schon jetzt: 200 Millionen Dollar, teurer war bislang noch kein Film, bei dem eine Frau Regie geführt hat. Das passt zur feministischen Botschaft, die von diesem Film ausgeht.

teleschau

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