Erster Kuss, erste Kippe, erste Krise

Jetzt auf Blu-ray: „Morris aus Amerika“

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Im Heidelberger Schloss nickt nicht nur Morris (Markees Christmas) mit dem Beat.

Das Beste aus zwei Welten: „Morris aus Amerika“ erzählt eine wahrhaftige Geschichte übers Erwachsenwerden, die trotzdem leicht wie Soft-Eis schmeckt.

Andere Jungs kriegen Hausarrest für heimliches Rauchen oder Zuspätkommen. Morris (Markees Christmas) dagegen wird für schlechten Musikgeschmack bestraft. Vater Curtis (Craig Robinson), mit dem der 13-Jährige seine Leidenschaft für HipHop teilt, hat eine klare Meinung: Wenn ein Rapper nicht weiß, wovon er redet, sind seine Lyrics automatisch Schrott. Umso enttäuschter ist Curtis, als er seinen Teenager-Sohn über Sex mit zwei Frauen gleichzeitig rappen hört, nur weil sich das irgendwie gut anhört. Authentisch sein, selbst wenn's schwerfällt - das ist das große Thema in Chad Hartigans lässiger Coming-of-Age-Komödie „Morris aus Amerika“ (2015, nun fürs Heimkino erhältlich).

Während Morris seine derben Zeilen vor dem Kinderzimmer-Spiegel übt, ist sein echtes Leben im verschlafenen Heidelberg alles andere als ein Tupac-Song. Die deutschen Jungs nennen den Neuen aus den Staaten bloß „Big Mac“, und statt der langbeinigen Katrin (Lina Keller) knutscht er bloß sein Kopfkissen. Bei einer Talentshow schmettert Morris dem Publikum im Anschluss an ein Querflöten-Solo und eine Einrad-Performance seinen Rap über den fiktiven Dreier entgegen. Bei den Querflötisten und Einrad-Fahrern kommt das nicht so gut an, und der Junge fliegt hochkant raus.

Da trifft es sich gut, dass die taffe Katrin auch keinen Bock hat, dazuzugehören. Diese Haare! Diese Beine! Plötzlich verspürt Morris eine nie gekannte Motivation, sein Deutsch zu verbessern. Doch die Sache hat einen Haken: Katrin hat einen Freund, der nicht nur ein Motorrad fährt, sondern auch noch DJ ist. In jedem anderen 08/15-Jugendfilm würde Morris seine Angebetete am Ende von sich überzeugen. Doch so ein Film ist „Morris aus Amerika“ nicht. Auch auf den obligatorischen schusseligen Freund, der in keiner amerikanischen High-School-Klamotte fehlen darf, wurde angenehmer Weise verzichtet. Morris ist ein einsamer Junge und rückt dadurch nur noch näher an die Zuschauer heran.

Wenn im Heidelberger Schloss die Besucher, Statuen und Fensterbilder im Beat nicken oder der Springbrunnen genau im richtigen Takt Wasser speit, bekommt „Morris aus Amerika“ eine wunderbare Leichtigkeit. Demgegenüber steht der Geschichte der derbe Wortwitz ebensogut zu Gesicht. Durch eine außergewöhnlich gute Übersetzung kommt dieser auch in den untertitelten Szenen zum Tragen. Sogar bei den Schimpfwörtern war man kreativ, auch wenn die deutsche Sprache diesbezüglich einfach viel weniger hergibt als das Englische.

Erhältlich auf DVD, Blu-ray Disc und als Video-on-Demand.

tsch

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