National Geographic bringt die bemerkenswerte Sinnsuche-Doku "Morgan Freeman's Story of God" nach Deutschland (ab Sonntag, 10. April, 21 Uhr)

Hat Morgan Freeman den lieben Gott getroffen?

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"Ich bin unsterblich - ich bin auf Facebook", sagt Morgan Freeman. Der Oscarpreisträger hat in seiner Dokureihe "Story of God" dann allerdings doch noch viel tiefer geschürft.

Gott ist in allem, worüber wir staunen, sagen schlaue Leute - aber geht's auch genauer? Hollywoodstar Morgan Freeman sucht in einer aufwendigen Dokureihe nach Antworten.

Die Fernsehmacher tun sich mithin schwer genug damit, die Realität abzubilden. Aber wann immer es darüber hinausgehen soll, wenn sich das Programm mit Fragen beschäftigt, die größer sind als alles Diesseitige, wird es richtig abstrus. Im besten Fall läuft so ein Versuch auf Sciencefiction hinaus, oft genug wird dem Publikum aber nur halbscharige TV-Mystik vorgesetzt in Form von Dokus, die mit viel Glück höchstens unfreiwillig komisch sind. Dass der National Geographic Channel nun mit einem tatsächlich ziemlich neuen Ansatz das eigentlich Unergründliche zu ergründen versucht, ist also per se bemerkenswert.

In der Dokureihe "Story of God" geht es um nicht weniger als ums Ganze: den Glauben, den Sinn des Lebens und des Sterbens. Wer ist Gott? Haben wir eine Seele? Gibt es ein Leben nach dem Tod? - Kleiner ging's wohl nicht, und naturgemäß liefert auch die aufwendige internationale Produktion mit Hollywoodstar Morgan Freeman (78) als Weltreisendem in Sachen Religionsergründung keine erschöpfenden Antworten. Aber man darf nach Ansicht attestieren: Selten hat eine TV-Sendung so tief geschürft und zum Nachdenken über die Kernfragen unseres Daseins angeregt wie diese sechsmal 45 Minuten.

Vor dem Start von "Morgan Freeman's Story of God" (ab 10. April, sonntags, 21 Uhr) stimmten die für National Geographic Verantwortlichen von FOX International Channels Germany mit einer erlesen besetzten Talkrunde in der Allerheiligen-Hofkirche in München auf das neue Programm ein. Auch wenn sich Oscarpreisträger Freeman am Donnerstagabend nur per Video-Grußbotschaft zu Wort meldete, sorgte das von Max Moor ("ttt - titel, thesen, temperamente") moderierte Gespräch nachhaltig für Eindruck. Man verbringt schließlich nicht alle Tage eine derart intensive Stunde mit Glaubensfragen, überhaupt: Wann spricht man außerhalb der eigenen vier Wände schon einmal über so etwas Persönliches wie den Tod und das Leben an sich. Man hat doch ganz andere Probleme, oder?

Womöglich tut man sich in der friedlichen und kommerzialisierten westlichen Gesellschaft einfach deshalb so schwer damit, weil wir in einer "Ausnahmesituation" leben, wie die Philosophin und Buchautorin Dr. Rebekka Reinhard ("Würde Platon Prada tragen?") konstatierte. In einem erstaunlich kurzweiligen Talk zwischen handfesten Nahtoderfahrungsberichten aus erster Hand und der eher metatheoretischen Hinterfragung von Gottesbeweisen machte sie den Verlust von Transzendenzerfahrungen als wesentlichen Faktor aus, der uns den Blick auf das Göttliche verstelle.

Was, wo, wie, wer ist nun aber dieses Göttliche? - Wenn man Menschen, die offen über ihren Glauben sprechen, genau zuhört, begreift man vor allem eines: Die Antworten, die sie für sich auf die großen Fragen finden, sind nicht in erster Linie eine Sache der Religionszugehörigkeit, sondern so individuell und unterschiedlich wie die menschliche Existenz. Das Interessante jedoch ist, dass man sich überall auf der Welt im Grunde die gleichen Fragen stellt. "Der gemeinsame Nenner ist, dass wir alle nach etwas suchen, das größer ist als wir selbst", bringt es Morgan Freeman auf den Punkt: "Wenn ich eines gelernt habe, dann ist es, dass wir leben." Mit "Story of God" unternimmt er als Host und Executive Producer die womöglich weiteste Ausholbewegung der Fernsehgeschichte, um die verschiedensten Ansätze aus allen Winkeln der Erde zu einer Art Mosaik des Lebenssinns zusammenzutragen.

Um den Kern der Wahrheit näher zu kommen, reiste Freeman in wenigen Monaten zusammengerechnet mehrfach um die Welt. "Ich habe fast 20 Städte in sieben verschiedenen Ländern besucht, um auf dieser sehr persönlichen Reise Antworten auf die großen Frage des Glaubens zu finden", erklärt er. "Ich rief in einer Moschee in Kairo die muslimische Gemeinde zum Gebet, ich habe einen buddhistischen Meditationskurs besucht, in der Päpstlichen Akademie der Wissenschaften mit einem der führenden Köpfe über Galileo diskutiert und in den Pyramiden Hieroglyphen über das Leben nach dem Tod entschlüsselt."

An einigen Plätzen habe er Antworten gefunden, aber "andere führten zu noch mehr Fragen". Ob nun unter Archäologen in Ägypten oder bei der lässigen Kaffeepause mit einem New Yorker Wissenschaftler im Central Park, ob unter Überlebenden des Hurricans Katrina, bei der Meditation mit Buddhisten oder einer Zeremonie mit Navajo-Indianern: Freeman ist in jedem Augenblick ganz bei sich. Unwiderstehlich sympathisch agiert der Hollywoodstar nicht etwa als Journalist oder gar Wissenschaftler, sondern er stellt seine gescheiten Fragen als Mensch. Er sucht die Nähe zu seinem Gegenüber, es geht ihm um die Essenz der Begegnung, den freien Gedankenaustausch. Es menschelt extrem - mit einer ziemlich unheimlichen Ausnahme: In der ersten Folge hat es der Schauspieler mit einem humanoiden Roboter zu tun.

Vor rund 150 geladenen Gästen in der Allerheiligen-Hofkirche in München wurde die erste Folge "Im Jenseits" als feierliche Deutschlandpremiere gezeigt. Eine kleine Befragung unter der anwesenden Prominenz gehört da zu den obligatorischen Pflichten eines Veranstalters. Unter anderem enthüllte Schauspielerin Mariella Ahrens, die sich erst vor neun Jahren zusammen mit Tochter Lucia taufen ließ, dabei ihre Vorliebe für mediale Sitzungen. "Ich habe unlängst eine Seelenrückführung mitgemacht, dabei kaum raus, dass ich ein russisches Bauernmädchen mit langen blonden Haaren im 18. Jahrhundert war. Ich finde es spannend, sich mit solchen Themen zu beschäftigen, ich glaube an Schicksal und an ein Leben nach dem Tod."

Etwas skeptischer zeigt sich ausgerechnet Berufs-Nonne Janina Hartwig, die trotz zehnjährigem TV-Nonnen-Dasein ("Um Himmels Willen") mit der Kirche nichts am Hut hat: "In der Hanna steckt zwar einiges von mir drin, aber zum katholischen Glauben bin ich wegen ihr nicht konvertiert. Als DDR-Kind wurde ich konfessionslos erzogen und bin bis heute Agnostikerin geblieben. Trotzdem glaube ich an gewisse übernatürliche Kräfte, die man sich nicht erklären kann."

Man wird sich wohl, salopp formuliert, noch sehr lange auf die Suche begeben müssen, um Antworten zu erhalten, die alle gleichermaßen zufriedenstellen. Manchmal braucht es zur großen Erkenntnis aber auch nur ein wenig eigene Logik. Der coole Mr. Freeman weiß jedenfalls schon mal eines ganz genau: "Ich bin unsterblich - ich bin auf Facebook."

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