Mordfall Walter Lübcke

„Möchte, dass der Terror zu ihnen kommt“: Reportage macht Vernehmungsvideos zum Mordfall Lübcke öffentlich

Ein Jahr nach dem Mord an Walter Lübcke steht der mutmaßliche Täter Stephan Ernst vor Gericht. Nun veröffentlicht das Reportageformat STRG_F Vernehmungsvideos auf YouTube.
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Ein Jahr nach dem Mord an Walter Lübcke steht der mutmaßliche Täter Stephan Ernst vor Gericht. Nun veröffentlicht das Reportageformat STRG_F Vernehmungsvideos auf YouTube.

Ein Jahr nach dem Mord an den Regierungspräsidenten Walter Lübcke stellt das Reportageformat STRG_F die Vernehmungsvideos des mutmaßlichen Täters auf YouTube zur Verfügung.

Im Juni vergangenen Jahres wurde der CDU-Politiker Walter Lübcke durch einen Kopfschuss getötet. Ein Jahr später, seit Anfang Juni, steht der Rechtsextremist und mutmaßliche Täter Stephan Ernst als Hauptangeklagter vor Gericht. Nun machte STRG_F, ein vom Norddeutschen Rundfunk produziertes Reportageformat für das Online-Medienangebot funk, die polizeilichen Vernehmungsvideos von Stephan Ernst für die Öffentlichkeit zugänglich.

Im Rahmen einer Themenwoche mit dem Schwerpunkt Extremismus stellt STRG_F Ausschnitte der Videos ab sofort auf YouTube zur Verfügung. 25 Minuten dauert der Beitrag mit dem Titel „Exklusiv: Die Vernehmungen des Stephan Ernst“, in dem die Kernsequenzen der Befragungen gezeigt und analysiert werden. In den Szenen schildert der mutmaßliche Täter seine Radikalisierung und beschreibt den genauen Tathergang. „Er hat meinen Schatten gesehen. Er wollte schauen und in dem Moment ist der Schuss gefallen“, so Ernst in der ersten Vernehmung. Zudem stellte er die Tat nach und erläuterte, warum er so handelte. Es fielen Sätze wie: „Wir müssen was dagegen tun“, und „Das Mindeste, was wir machen können, ist, dass wir uns bewaffnen.“ Am Tatabend selbst feierten in der Nähe Menschen auf einer Kirmes, erzählte der Täter: „Die feiern da, für die scheint die Welt in Ordnung“ ... - „Ich möchte, dass der Terror zu ihnen kommt.“

Lübcke war lange verbal angegriffen und bedroht worden

Wenige Wochen nach der Tat machte Ernst ein Geständnis, das er kurze Zeit später widerrief. Anfang 2020 legte er in einer erneuten Vernehmung ein zweites Geständnis ab, das sich allerdings von dem ersten unterschied und eine ganz neue Version des Tathergangs beschrieb. Beispielsweise erwähnte er den mutmaßlichen Komplizen Markus H. erst zu einem späteren Zeitpunkt. Wegen Verzögerungen beim Gericht infolge der Coronakrise steht das Urteil noch nicht fest, der Prozess ist weiterhin im Gange und sorgt beinahe täglich für Schlagzeilen. Neueste Entwicklung: Einer der beiden Verteidiger des Hauptangeklagten ist im Prozess um den Mord an Walter Lübcke entpflichtet worden.

Der Mord in der Nacht zum 2. Juni 2019 war das erste Verbrechen im Nachkriegs-Deutschland, bei dem Rechtsextremisten einen Politiker töteten. Neben dem rechtsextremen Tatverdächtigen Ernst steht auch sein mutmaßlicher Komplize Markus H. vor Gericht. Lübcke war längere Zeit vor seiner Ermordung aus rechten Kreisen auf schärfste verbal angegriffen und bedroht worden: Er zog den Hass der Rechten auf sich, weil er sich öffentlich für Flüchtlinge und eine offene Gesellschaft eingesetzt hatte.

teleschau

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