„Was ist das für 'ne Scheißwelt?“

Mini-Serie „Culpa - Niemand ist ohne Schuld“ macht die Beichte zum Thriller

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Stipe Erceg übernimmt in der Mini-Serie „Culpa - Niemand ist ohne Schuld“ die Hauptrolle eines Priesters, der Verbrechen verhindert.

Stipe Erceg gibt in der düsteren Mini-Serie „Culpa - Niemand ist ohne Schuld“ auf 13th Street den Beichtvater und Ermittler zugleich.

Die deutsche Serie, sie ist auf dem Vormarsch, heißt es seit einiger Zeit allerorten. Und tatsächlich mehren sich die Anzeichen für ein verspätetes Aufrücken hiesiger Produktionen in Richtung internationaler Qualität. Neben großen Playern wie Netflix („Dark“), Amazon („You Are Wanted“) und ARD/Sky („Babylon Berlin“, „Das Boot“), so die überraschende Erkenntnis, mischen auch kleinere Sender und Nischenproduktionen erfolgreich mit - zuletzt etwa TNT mit „4 Blocks“. Mit der ambitionierten Mini-Serie „Culpa - Niemand ist ohne Schuld“ des NBCUniversal-Ablegers 13th Street (ab 12. Juli, immer mittwochs, 20.13 Uhr) tritt das nächste überzeugende Pay-TV-Projekt auf den Plan: Mit Stipe Erceg als Beichtvater und Verbrechensaufklärer in Personalunion widmet sich der düstere vierteilige Thriller in herausragender deutscher Besetzung großen Fragen um Schuld, Sünde und Verantwortung.

„Jedes Verbrechen ist eine Sünde, aber nicht jede Sünde ein Verbrechen“: Der am Beginn der Serie „Culpa“ stehende Ausspruch gibt die Richtung des Crime-Thriller-Drama-Hybriden vor. Stipe Erceg, seines Zeichens auch im echten Leben gläubiger Katholik, verkörpert in dem „Krimi der etwas anderen Art“ einen außergewöhnlichen Priester. In jeder Episode wird dem namenlosen Beichtvater ein geplantes oder gerade stattfindendes Verbrechen gestanden. Da ihm das Beichtgeheimnis das Einschalten der Polizei verbietet, versucht der markante Pfarrer die Taten auf seine Weise zu verhindern.

Für den 42-jährigen Hauptdarsteller Erceg eine Traumrolle, wie er im Gespräch verrät: „Ich könnte jetzt eigentlich bis an mein Lebensende 'Culpa'-Priester bleiben. Das wäre doch geil! In so eine Priester-Rolle hineinzuwachsen, darin älter zu werden.“ Ob die Serie verlängert wird, hängt nicht nur an den Quoten und Online-Abrufen - sondern in Zeiten der Streamingdienste vermehrt auch an Zuschauerwünschen und weichen Kriterien wie einem möglichen „Kultfaktor“ der von Regisseur Jano Ben Chaabaneauf („Circus Halligalli“) realisierten Serie.

Das Potenzial dafür besitzt die erste Eigenproduktion des Bezahlsenders 13th Street, der unter anderem über Sky abrufbar ist, durchaus: In einer Art Kammerspiel finden die meisten Szenen der von NBCUniversal produzierten Serie im Beichtstuhl der berühmten Zionskirche in Berlin statt, wo auch die Premiere gefeiert wurde. Dialoglastig, düster und spannend geht es um tiefste menschliche Abgründe und die Frage danach, warum und wie Menschen sich nicht nur einer Sünde, sondern eines Verbrechens schuldig machen. In diesem Sinne versammelt „Culpa“ - vor allem aufgrund der extraordinären Leistung seiner Darsteller - in jeder Folge ebenso verstörende wie aufschlussreiche psychologische Studien.

So übernimmt in der ersten Folge etwa „Tatort“-Gesicht Barbara Philipp die Rolle einer Psychopathin, die sich vom Priester Absolution für den Mord an einer Frau erhofft, die sie und ihr Mann - verkörpert von Dirk Mertens - im Keller gefangen halten. Eine brillante Annäherung an die völlig gestörte Abhängigkeitsbeziehung eines Paares. „Unsere Figuren sind ja keine einfachen Charaktere, sondern echt sick - das kann man nicht anders sagen“, so Philipp im Gespräch. Dass die Szene zufällig am Tag von Donald Trumps Wahl gedreht wurde, habe sich daher sogar eingefügt: „Das war alles sick und passte perfekt zu unserem Szenario: 'Was ist das für 'ne Scheißwelt?“.

Eine Scheißwelt, aus der auch die Kirche nicht ausgeschlossen ist, wie Philipp persönlich zu berichten weiß: „Ich war als Kind öfter beichten. Wir saßen da aber dem Pfarrer Vis-a-vis gegenüber, ohne dieses Trennungsgitter was man sonst kennt. Und dieser Pfarrer - das war echt ein altes Schwein -, hielt uns am Kopf und Oberschenkel fest in der Klammer und hat dabei gern verfängliche Fragen gestellt - ob man sich schon mal nackt vorm Spiegel betrachtet hat, etwa.“

Der Beichvater als ambivalente, schwierige Figur - darauf zielt die Serie ebenfalls, auch wenn der Priester in „Culpa“ vornehmlich als vertrauenswürdige Instanz auftritt - auch in weltlicher Sicht: So spielt etwa Schauspieler Ludwig Trepte in einer Episode einen BND-Mitarbeiter, der den Priester auf einen bevorstehenden Auftragsmord hinweist. Der Kirchenmann als Ermittler in Sachen Mord - diesen Widerspruch zelebriert die Produktion ebenso wie das überkommene Konzept der Beichte: „Von außen mag man von der Schuld befreit werden“, gibt Dirk Mertens im Gespräch zu bedenken. „Aber nur weil man gebeichtet hat, heißt es ja nicht, dass man frei von Schuld ist.“

tsch

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