Neu bei „Sing meinen Song“

„Paddy“ Kelly im Interview: „Überdosis Aufmerksamkeit hat mir nicht gut getan“

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Zurück im Rampenlicht: Michael Patrick Kelly, 39-jähriger Popstar mit Extrem-Biografie, singt und spricht in der neuen Staffel von „Sing meinen Song - Das Tauschkonzert“.

Teeniestars, die nach ihrer ersten Karriere mehr als ein halbes Jahrzehnt im Kloster leben, gibt es nicht allzu viele. Michael Patrick Kelly, ehemaliger Chef-Songwriter der Kelly Family und Depressions-Überwinder, hat viel zu erzählen.

Auch wenn die Wallemähne aus den 90-ern verschwunden ist, Michael Patrick Kelly, den man zu Teeniezeiten „Paddy“ nannte, besitzt auch heute noch einen unwiderstehlich sanften Charme. Früher war er Mädchen-Idol und musikalischer Kopf der Kelly Family („An Angel“). Dann legte der heute 39-Jährige eine biografische Kehrtwende hin. 2004 zog er sich in ein katholisches Kloster im französischen Burgund zurück. Dort studierte er Theologie und Philosophie. Auch mit Depressionen hatte der drittjüngste Spross des irisch-amerikanischen Kelly-Clans davor zu tun. Heute schreibt der Geläuterte wieder Songs. Am 16. Juni erscheint sein neues Album „iD“. Bereits ab 23. Mai (dienstags, 20.15 Uhr) ist Michael Patrick Kelly, der mit seiner Jugendliebe, einer belgischen Journalistin, verheiratet ist, in der vierten „Sing meinen Song“-Staffel auf VOX zu hören und sehen. Seine Songs und seine Biografie stehen in der Ausgabe vom 20. Juni im Mittelpunkt, gefolgt vom Porträtfilm „Die Michael-Patrick-Kelly-Story“ (22.05 Uhr).

nordbuzz: Du lebtest viele Jahre im Kloster und bist erst vor zwei Jahren ins Musikgeschäft zurückgekehrt. War es die richtige Entscheidung?

Michael Patrick Kelly: Es war die richtige Entscheidung, wieder Musik zu machen. Ich bin in einer singenden Familie groß geworden. Das ist, wie wenn man vom Zirkus kommt. Die Art, wie man aufgewachsen ist und lebte, bekommt man nicht mehr aus der eigenen Natur heraus.

nordbuzz: Wie beurteilest Du Deine frühe Karriere? Hat sie Dich glücklich oder unglücklich gemacht?

Michael Patrick Kelly: Das Singen und die Musik machten mich auf jeden Fall glücklich. Es fühlte sich alles natürlich und ganz normal an. Zuerst macht man das nach, was einem die Älteren vormachen. So wachsen wir doch alle auf. Der Riesenerfolg in den 90ern war dann natürlich etwas Krasses. Er hatte tolle Seiten. Ich musste nicht früh aufstehen und im Stau stehen, um zur Arbeit zu kommen (lacht). Ich bekam allerdings auch eine Überdosis Aufmerksamkeit. Die hat mir nicht gut getan. Ich begab mich auf die Suche nach mehr. Und „mehr“ hieß in diesem Falle nicht mehr Erfolg oder materielle Dinge.

„In mir steckt ein Mönch und eine Rampensau“

nordbuzz: Du gingst ins Kloster. Für wie lange?

Michael Patrick Kelly: Es waren sechs Jahre. Ich lebte wie ein Mönch. Am Ende dieser Zeit empfahlen mir die älteren Mitbrüder, dass ich - so gerne sie mich auch mochten - ins weltliche Leben zurückkehren soll. Mönch zu sein, bedeutet ein derart anderes Leben, dass man dazu berufen sein muss. Ich war es offenbar nicht. Heute bin ich den Mitbrüdern dankbar, dass sie es erkannt haben. Wenn es damals nach mir gegangen wäre, wäre ich wahrscheinlich geblieben.

nordbuzz: Weißt Du heute, was Dir zum Mönch fehlte?

Michael Patrick Kelly: Vielleicht war es das, was ich dort nicht hatte. Die Musik. Es gab noch einen anderen Mönchsanwärter bei uns, der früher Profi-Schwimmer war. Auch er wurde immer wieder krank. Schließlich ging er dreimal die Woche schwimmen, und es ging ihm besser. Bei mir war es die Musik, die fehlte.

nordbuzz: Machtest Du in den sechs Jahren Kloster tatsächlich keine Musik?

Michael Patrick Kelly: Sehr wenig. Es gab einen Musikraum im Kloster, da gab es auch Instrumente. Sonntagnachmittag hatte ich immer ein bis zwei Stunden Zeit.

nordbuzz: Wie fühlte sich das an, spürtest Du keine Entzugserscheinungen?

Michael Patrick Kelly: Bevor ich ins Kloster ging, hatte ich die Lust an der Musik verloren. Sie war damals nur noch Mittel zum Zweck. Der nächste Hit musste her, die Musikindustrie hat ihre Schemata. Der nächste radiotaugliche Song, dann ein Video und so weiter. Aber die Passion für die Musik blieb oft auf der Strecke.

nordbuzz: Nun bist Du ins Musikgeschäft zurückgekehrt. Als ein anderer?

Michael Patrick Kelly: In mir steckt ein Mönch und eine Rampensau. Die Rampensau hatte im Kloster keine Bühne. Heute lebe ich beides und bin ausgeglichener, als ich es lange Zeit war.

nordbuzz: Aber die Spiritualität des Musikers ist eine andere als die des Mönchs?

Michael Patrick Kelly: Die Spiritualität des Mönchs hat viel mit Disziplin und Ritualen zu tun. Der Lebensstil eines Künstlers folgt einer Inspiration, die nicht unbedingt auf Kommando kommt. Sie kann dich zu jeder Tages- und gerne auch Nachtzeit treffen. Das ist schon ein großer Unterschied.

„Auf Deutsch zu singen war schwer“

nordbuzz: Musstest Du lange überlegen, ob Du bei „Sing meinen Song“ mitmachst?

Michael Patrick Kelly: Nein, überhaupt nicht. Bei dieser Show gibt es kein „think twice“. Es ist die beste Musikshow im deutschen Fernsehen.

nordbuzz: Das heißt, Du wurdest in diesem Jahr gefragt?

Michael Patrick Kelly: Ja, ich hätte auch vor ein oder zwei Jahre schon mitgemacht. Aber die Zusammenstellung der Gruppe ist eine komplexe Geschichte. Jeder - die Macher, wir Musiker und der Zuschauer - will ja eine spannende Gruppe mit einer starken Chemie. Da betrachtet man Musikstile, Sprachen, Alter und Geschlecht der Künstler, vor allem aber ihre Persönlichkeit.

nordbuzz: Was war am schwierigsten?

Michael Patrick Kelly: Auf Deutsch zu singen war schwer, das hatte ich vorher nur sehr selten gemacht. Zum Beispiel singe ich einen Song aus den Tiefen des Repertoires von Moses Pelham, den früher mal Xavier Naidoo interpretierte. Soul auf Deutsch ist schon hart für mich. Die Sprache hat so viele Konsonanten, das Englische ist viel weicher. Xavier kann das Deutsche fließen lassen wie kein Zweiter.

nordbuzz: Im Trailer zur Show sieht man Dich weinen. Weißt Du noch, was Dir in diesem Moment so nahe ging?

Michael Patrick Kelly: Das war bei meinem Song „Shake Away“ in der Interpretation von Gentleman. Der Song handelt von meinem Aufbruch in ein neues Leben. Wenn die anderen Musiker einer nach dem anderen deine Lieder spielen, passiert etwas, das man sich als Außenstehender schwer vorstellen kann. Diese Stücke sind nicht nur Hits, sie repräsentieren eine bestimmte Phase deines Lebens. Wenn das so geballt kommt, überwältigt es dich einfach. Stefanie von Silbermond hat mich mit meiner Jugend versöhnt, einfach nur, weil sie „An Angel“ gesungen hat. Ich war 15, als ich den Song schrieb.

nordbuzz: Welcher Deiner Kollegen bei „Sing meinen Song“ hast Dich am meisten überrascht? Gab es jemanden, der ganz anders war, als Du dachtest?

Michael Patrick Kelly: Lena Meyer-Landrut hat mich wirklich überrascht. Ich war verblüfft, was sie als Künstlerin drauf hat. Es gab Momente, da erinnerte sie mich stimmlich fast an Kate Bush. Was ich auch schön fand, war, wie sensibel The BossHoss durch die Show geführt haben. Man tut den beiden Unrecht, wenn man sie nur auf das Cowboy-Klischee reduziert. Mit Alec kann man sich gut über Metal und Grunge unterhalten. Diese Musik war die große Leidenschaft meiner Teenie-Zeit (lacht).

nordbuzz: Durftest Du das damals öffentlich erzählen?

Michael Patrick Kelly: In der Familie war ich eher der Sanfte mit den Balladen. Dabei habe ich auch viele Rocksongs geschrieben, aber die kamen selten auf die Platten. Das ist der Unterschied zwischen damals und heute. Heute entscheide ich alles selbst, damals war ich Teil einer kollektiven Identität.

tsch

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