Können diese Augen lügen?

Mein Blind Date mit dem Leben

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Heimlich holt Sali (Kostja Ullmann) die Lupe raus, um etwas auf der Flasche zu erkennen.

„Mein Blind Date mit dem Leben“ erzählt die auf Tatsachen beruhende Erfolgsgeschichte eines fast blinden Hotellehrlings als flottes Feelgood-Movie.

Er schaut den Menschen beim Sprechen aufmerksam in die Augen, und keiner ahnt dabei, dass dieser Blick eine Lüge ist. Eine lebenswichtige Notlüge für Saliya Kahawatte. Ein Held im wahren Leben - und auch im Film „Mein Blind Date mit dem Leben“ (2016) von Marc Rothemund. Als Jugendlicher verlor Saliya 95 Prozent seines Sehvermögens. Trotz seiner Fast-Blindheit wollte er sich nicht damit abfinden, den Traum von einer Ausbildung zum Hotelfachmann zu begraben. Seine Bewerbung hatte jedoch erst Erfolg, als er seine Behinderung verschwieg. Wie ein Mensch ein eigentlich unmögliches Ziel erreichen kann, davon erzählt der Film, der über 750.000 Kinozuschauer in Deutschland anlockte und nun auf DVD, BD und als Video-on-Demand erscheint.

Wie soll jemand, der die Welt als verschwommenen grauen Fleck aus Licht und Schatten wahrnimmt - die Kamera führt diese Perspektive den Zuschauern immer wieder vor Augen -, sein Abitur und anschließend eine Ausbildung in einem Nobelhotel hinbekommen? Saliyas (Kostja Ullmann) ausgezeichnetes Gedächtnis lässt schon den Lehrer in der Schule stutzen. Dazu erarbeitet er sich mit viel Fleiß seine Umgebung, zählt Stufen, horcht in die Räume hinein und den Klang der Gegenstände ab. Wie sauber ein Glas ist, lässt sich an einem „Bing“ mit dem Finger erkennen - wenn man wie er akustische Signale deuten kann. Um all das zu lernen, benötigt Saliya Hilfe.

Im Film wurde ihm ein Freund ins Drehbuch geschrieben, Typ: notorischer Münchner Partygänger (Jacob Matschenz) mit guten Beziehungen, der seine letzte Chance nutzen muss, bevor der Gastronomen-Papa den Geldhahn zudreht. Er wird Salis Buddy bei der Ausbildung im Bayerischen Hof und ist für die flotten Sprüche zuständig. „Bist Du so eine Art indischer Rain Man?“, fragt er den Deutsch-Singhalesen. Auch Wortspiele mit dem Begriff „blind“ im Zusammenhang mit Saliya werden hier zur Gänze für Lacher ausgeschöpft - ist eben „Feelgood“.

Der Film lässt Salis tägliche Herausforderungen sehr mühelos aussehen. Nur für Slapstickgags kommt es zu Ungeschicklichkeiten und kleineren Unfällen. Formelhaft steuert der Film samt aufgezwungener Romanze recht schnell auf ein unkompliziertes Happy End zu. Humorvoll erklärt er aber auch, welche Hürden Blinde im Alltag zu nehmen haben und warum eine körperliche Behinderung keine „Traumbehinderung“ ist. Grenzen sind schließlich dazu da, eingerissen zu werden - mit allen Sinnen, die einem zur Verfügung stehen.

tsch

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