Der Kreislauf des Lebens

Meditativer Animationsfilm „Die rote Schildkröte“ kommt ins Heimkino

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Eine rote Riesenschildkröte hindert den Mann immer wieder daran, auf seinem mühsam selbst gezimmerten Floß, die Insel zu verlassen.

Die ungewöhnliche Zusammenarbeit von Isao Takahata aus dem Hause Ghibli mit dem Niederländer Michael Dudok de Wit beschert Cineasten einen tief berührenden Animationsfilm.

Der Zuschauer taucht ein in einen sichtlich von Hand gezeichneten schrecklichen Sturm auf hoher See. Ein Mann mit Knopfaugen kämpft um sein Leben. Er schafft es mit Müh' und Not bis zu einer einsamen Insel, erkundet sie und fällt recht bald in eine gefährliche Felsspalte, aus der er nur durch einen sehr engen Gang schwimmend wieder entkommen kann. Bereits zu Beginn zieht der eigenwillige Sog, der vom meditativen Animationsfilm „Die rote Schildkröte“ (2016) von Michael Dudok de Wit ausgeht, den Zuschauer tief in die Geschichte hinein. Das Ringen des namenlosen Mannes mit seinem Schicksal wird rasch zum Kampf des Betrachters - nun auch vom Heimkino aus.

Dem Mann gelingt es zunächst, sich aus seiner existenzbedrohenden Misere zu befreien. Der Gestrandete stärkt sich mit ein paar Früchten und macht sich - von ein paar vorwitzigen Einsiedler-Krabben beobachtet - daran, mit Bambusstäben ein Floß zu bauen, um die recht einfache, einsame Insel baldmöglichst wieder verlassen zu können.

Erleichtert sticht der Zuschauer mit ihm in See, doch nur wenige 100 Meter vor der Insel wird sein hölzernes Gefährt von einem unbekannten Wesen zerstört. Sisyphosgleich baut er ein zweites und ein drittes Mal ein Floß, das jedoch gleichermaßen torpediert wird. Es stellt sich heraus, dass eine riesenhafte, rote Schildkröte ihn daran hindern will, die Insel zu verlassen.

Kurz darauf wandelt sich die deprimierende Robinsonade in eine Geschichte reich an magischem Realismus, in der der Mann auf wundersame Weise eine Frau findet und sich entscheidet, sein Leben auf der Insel zu verbringen. Fortan wird viel mit wenig Mitteln erzählt, und immer, wenn die simple Geschichte sich etwas in die Länge zu ziehen droht, passiert etwas, das die Stabilität des Alltags des Adam-und-Eva-gleichen Paares durchrüttelt: Die Geburt ihres Sohnes, sein Heranwachsen, ihr eigenes Älterwerden und natürlich auch der Tod, ebenso wie unvorhersehbare Katastrophen, gehören nun mal zum Kreislauf des Lebens. In der Tierwelt kommt noch das Motiv des Fressen-und-Gefressenwerdens hinzu, wohingegen der Mensch darauf angewiesen ist, zu lieben und wiedergeliebt zu werden.

Gerade durch seine Wortlosigkeit gelingt es dem bezaubernd reduziert gezeichneten Film, an archaische Gefühle des Zuschauers anzuknüpfen. Die sehr einfühlsame Musik des Franzosen Laurent Perez Del Mar und die stets präsenten Naturgeräusche tragen dazu einen großen Teil bei. Man fragt sich nach dem Film verstärkt: Was macht das Leben und einen guten Animationsfilm eigentlich aus?

Erhältlich auf DVD, BD und als VoD.

teleschau - der mediendienst GmbH

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