Viola Priesemann in den „Tagesthemen“

Max-Planck-Expertin erklärt mit Hausbrand-Vergleich Strategie-Fehler der Politik

Die Physikerin Viola Priesemann stellte sich in den "Tagesthemen" den Fragen von Moderatorin Caren Miosga.
+
Die Physikerin Viola Priesemann stellte sich in den „Tagesthemen“ den Fragen von Moderatorin Caren Miosga.

Mit erneut verschärften Maßnahmen erhofft sich die Bundesregierung, nach zuletzt besorgniserregenden Zahlen die Kontrolle über die Ausbreitung des Coronavirus zurückzugewinnen.

In einer Live-Schalte in den „Tagesthemen“ erläuterte die Physikerin Viola Priesemann vom Max-Planck-Institut nun ihre Einschätzung der neuen Regeln. „Wir sind dem Ziel zumindest ein großes Stück näher gekommen“, urteilte die Expertin. Dennoch sei eine Vision für das langfristige Leben mit dem Virus unabdingbar: „Wir haben die Möglichkeit, bei hohen Fallzahlen uns irgendwie durchzuhangeln oder wir haben jetzt die große Chance, die Fallzahlen ganz konsequent zu senken.“

Bei allem, was in der Wissenschaft derzeit kontrovers diskutiert werde, sei es längst „unstrittig“, dass niedrige Fallzahlen - deutlich unter der Inzidenz von 50 Neuinfizierten pro 100.000 Einwohner - das Beste seien für Gesundheit, Gesellschaft und Wirtschaft. „Das kann man relativ einfach verstehen.“

„Weihnachten ist eine große Gefahr, aber auch eine große Chance“

Von Moderatorin Caren Miosga auf den zu befürchtenden Anstieg der Fallzahlen nach Weihnachten angesprochen, entgegnete Priesemann: „Das Gute an der Pandemie ist, es es keine Naturkatastrophe. Es ist etwas, das wir mit unserem Verhalten in der Hand haben.“ Sie könne nicht vorhersehen, wie die Menschen die Regeln auslegen werden. Die Physikerin: „Weihnachten ist eine große Gefahr, dass die Fallzahlen wieder hochgehen. Es ist aber auch eine ganz große Chance, um die Fallzahlen wieder herunterzubringen.“

Das könne unter anderem dank des Aufrufs zum Home-Office und den Schulschließungen gelingen - auch wenn die Physikerin betonte: „Ich würde total gerne eine klare Vorhersage machen, es hängt aber nach wie vor vom Verhalten jedes Einzelnen ab.“ Generell gelte, eine Eindämmung der Pandemie ist bei niedrigen Werten viel einfacher.

Viola Priesemann: „Im Herbst ist diese Chance verpasst worden“

Ob die Auswirkungen des harten Lockdowns bei der anvisierten Neubewertung der Lage durch die Politik am 5. Januar bereits spürbar seien, zweifelte die Expertin derweil an: „Wir haben zwei Probleme: Das eine ist, wir sehen die Wirkung immer erst mit einer gewissen Verzögerung. Das zweite ist: Über Weihnachten und Neujahr wird das Testen sicherlich etwas unzuverlässiger sein.“ Langfristig könnten laut Priesemann gesonderte Anpassungen bei Bundesländern mit Positivtrends getätigt werden.

„Wir wissen vom letzten Sommer, dass wir die Fallzahlen langfristig niedrig halten können und mit lokalen Maßnahmen gegensteuern“, erinnerte Priesmann. Aber: „Im Herbst ist diese Chance verpasst worden. Es wird für die Zukunft extrem wichtig sein, dass man bei 35 oder spätestens bei 50 ganz konsequent gegensteuert.“ Das verhalte sich ähnlich wie beim Hausbrand, so die Wissenschaftlerin: „Da wartet man auch nicht, bis man die Feuerwehr ruft. Je früher man löscht, desto einfacher ist es, das Feuer zu löschen.“

teleschau

Das könnte Dich auch interessieren

Kommentare