Maue Quoten: WM-Verdruss beim deutschen TV-Publikum

+
Auch wenn man nur eine Hand sieht: Das darauf prangende Tattoo „H-O-P-E“ (Hoffnung) identifiziert, welcher Franzose hier den gewonnenen Pokal in die Höhe reckt: Superstar Antoine Griezmann. Die deutschen TV-Zuschauer quittierten das frühe Aus ihrer Nationalelf allerdings mit verhältnismäßig schwachen TV-Quoten.

21,32 Millionen deutsche TV-Zuschauer sahen den gestrigen WM-Triumph der Equipe Tricolore aus Frankreich über das kroatische Team rund um Kapitän Luka Modric.

Eine enorme Reichweite - ein Grund zu ungetrübter Freude ist sie für das ZDF jedoch nur bedingt. Die Final-Quote liegt 2018 auf dem niedrigsten Stand seit dem WM-Endspiel 1994, das Brasilien gegen Italien für sich entschied.

Augenscheinlich führte das historische Vorrundenaus der deutschen Nationalelf für einen heftigen Euphorie-Dämpfer. Garantierten die drei Gruppenspiele der Löw-Truppe noch starke Zahlen von jeweils weit mehr als 25 Millionen Zuschauern, ebbte das Interesse beim deutschen TV-Publikum im Anschluss merklich ab. Im Vergleich dazu sorgte der letzte große Turnierauftritt der Nationalelf vor vier Jahren für berauschende Quoten. Das 7:1 gegen Brasilien im Halbfinale lockte 32,57 Millionen Fans vor die Geräte, im Finale konnte dieser Rekord sogar gebrochen werden: 34,65 Millionen Menschen sahen hierzulande den Sieg gegen Argentinien im ehrwürdigen Maracana von Rio de Janeiro - die stärkste Reichweite, die je im deutschen Fernsehen erzielt wurde. Und das obwohl die Zuschauer in den Kneipen und auf den Fanmeilen in dieser Statistik keinen Niederschlag finden.

Bei der ARD zeigt man sich allerdings sehr zufrieden mit den Marktanteilen bei der WM-Berichterstattung. Wohl auch weil die Moderationsteams aus Kostengründen aus Baden-Baden berichteten. SWR-Sportchef Harald Dietz zieht ein positives Fazit: „Dank einer überragenden ARD-Teamleistung und perfektem Doppelpassspiel mit dem ZDF“ habe man „gemeinsam ein Stück Fernsehgeschichte geschrieben. Technisch und organisatorisch ist die erstmalige Abwicklung eines Großereignisses komplett aus Deutschland beim SWR perfekt gelungen und ein Quantensprung.“

Auch Volker Herres, Programmdirektor Das Erste, zeigte sich überrascht über das weiterhin hohe, wenngleich nicht rekordverdächtige allgemeine Zuschauerinteresse: „Obwohl die deutsche Nationalmannschaft leider so früh ausgeschieden ist, haben immer noch viele Millionen alle Spiele der K.O.-Runde in der ARD verfolgt. Im Schnitt sahen im Ersten knapp 9 Millionen Zuschauer alle Spiele ohne deutsche Beteiligung.“ Weiter führt er an: „Marktanteile von weit mehr als 50 Prozent bei WM-Spielen ohne Deutschland - das sind beeindruckende Zahlen, die ich so nicht erwartet hätte!“

teleschau

Das könnte Dich auch interessieren

Kommentare