Seine WM findet in Südkorea statt

Marc Weide im Interview zu WDR-Morningshow „Live nach neun“

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Marc Weide hat derzeit viel zu tun: Als TV-Moderator und Zauberkünstler hetzt er von Termin zu Termin - und verliert doch nie den Spaß an der Arbeit.

Ein Hauch von Magie fürs morgendliche TV: Marc Weide ist Deutscher Vizemeister im Zaubern und seit neuestem auch Moderator im Magazin „Live nach neun“.

David Copperfield ist an allem schuld. Hätte der berühmte Illusionist den damals elfjährigen Marc Weide nicht nachhaltig mit seiner Bühnenperformance beeindruckt, dann wäre der Berufsweg des heute 27-Jährigen wohl etwas anders verlaufen. So stand der Entschluss aber schnell fest: Zauberkünstler wollte Marc Weide werden. Und Zauberkünstler ist er geworden. Die vermeintlichen Flausen konnte im niemand austreiben. Bei den Deutschen Meisterschaften der Zauberkunst belegte Weide den zweiten Platz - aktuell freut er sich auf die WM. Nicht auf die Fußball-WM wohlgemerkt, sondern auf die Zauber-WM im südkoreanischen Busan vom 9. bis 14. Juli. Doch parallel zur Vorbereitung auf seinen bisherigen Karrierehöhepunkt gastiert Weide auf den Bühnen der Bundesrepublik mit seinem Solo-Programm. Und seit kurzem ist er eines der Gesichter der WDR-Morningshow „Live nach neun“, die von Montag bis Freitag immer um 9.05 Uhr im Ersten zu sehen ist. Das alles unter einen (Zauber-)Hut zu bekommen, ist gar nicht so einfach...

nordbuzz: Wie hat sich Ihr Leben verändert, seitdem Sie neben der Zauberkarriere nun auch noch als TV-Moderator tätig sind?

Marc Weide: Ich habe viel weniger Zeit als vorher und muss richtig früh aufstehen! Als Moderator vor der Kamera zu stehen, ist natürlich eine ganz neue Erfahrung, aber beides hilft sich gegenseitig. Ich merke auf der Bühne, dass ich auch mal Parts machen kann, bei denen ich nur spreche, ohne zu zaubern. Und im Studio merke ich, dass es ein Riesenvorteil ist, dass ich einer der wenigen bin, die aus einem anderen Bereich kommen. Ich bin der freche Zauberer und darf mir auch mal einen lustigen Spruch erlauben.

nordbuzz: Wie kann man sich einen ganz normalen Arbeitstag bei Ihnen vorstellen?

Weide: Ich stehe zwischen 5 und 5.30 Uhr auf, was für Künstler echt eine sehr unchristliche Uhrzeit ist. Dann fahre ich zum WDR-Studio, komme in die Maske, gehe in die Garderobe und zu Besprechungen. Wenn man verkabelt ist und im Studio sitzt, hat man nur noch eine halbe Stunde bis zum Showbeginn. Wir haben keinen Teleprompter, von dem wir ablesen, es gibt viel freestyle. Danach gibt's noch mal eine Besprechung und die Vorbereitung auf den nächsten Tag. Gegen 14, 15 Uhr bin ich meistens erst raus, und dann fahre ich oft noch zu Zauberauftritten oder bereite mich auf die Zauber-WM vor.

nordbuzz: Gibt's auch heikle oder schwierige Situationen?

Weide: Schwierig wird's, wenn es mal krasse Übergänge gibt: hier eine Geschichte über lachende Kinder, dann ein Bericht über jemanden, der an Parkinson erkrankt ist. Ich bin es als Entertainer eher gewohnt, fröhliche Themen anzuschneiden und die Menschen zum Lachen zu bringen. Das ist dann im Studio jedesmal eine Herausforderung. Aktuell können wir viel ausprobieren und schauen, wo uns das Format hinführt. Wir sind auf einem guten Weg.

nordbuzz: Warum die großen Altersunterschiede in den Teams?

Weide: Die Intention des WDR ist, dass wir mit diesem Generationending alle Altersgruppen erreichen wollen. Es schauen in der ARD hauptsächlich ältere Menschen zu. Und dieser „Generationenkonflikt“ gibt uns dann Vorteile: Ich mache mal fix einen Post auf Instagram. Und meine Kollegin Birgit Lechtermann reagiert dann in etwa so: „Was ist denn Instagram?“ Damit steht sie stellvertretend für die älteren Zuschauer, die sich auch fragen, was der junge Mann da faselt. Und die Zuschauer meiner Generation denken sich: „Wie, sie kennt kein Instagram?“ Laut Quote erreichen wir tatsächlich viele junge Leute. Das hatte in der Form niemand kommen sehen.

nordbuzz: Ist die Fußball-WM eher Fluch oder Segen für das Format?

Weide: Die Fußball-WM ist sehr dankbar. Und dass Birgit und ich keine Fußballexperten sind, macht alles sehr menschlich. Begeistern können wir uns ja trotzdem dafür. Und neben der Fußball-WM steht für mich die Zauber-WM an. Das ist der Punkt, der mir gerade Sorgen bereitet. Bis zum Beginn am 9. Juli ist es nämlich nicht mehr lange hin. Mal sehen, vielleicht werden wir das auch in „Live nach neun“ begleiten.

nordbuzz: Wie kann man sich eine Zauber-WM konkret vorstellen? Wie läuft das ab?

Weide: Ich war noch nie selbst auf einer Zauber-WM. Ich kann also nur davon berichten, wie es bei den Deutschen Meisterschaften abläuft. Dort sitzt eine Jury von sechs Leuten vor dir am Pult, fast so wie beim Supertalent. Dahinter sind dann 1.000 Leute im Publikum - primär Zauberer und deren Angehörige. Bei der WM werden es wohl ungefähr doppelt so viele sein. Ich weiß nicht, wie viele Zauberer im Wettbewerb antreten, aber es werden bestimmt so um die 200 Leute sein. Man hat immer genau zehn Minuten Zeit zum Performen. Überzieht man, ist man automatisch disqualifiziert. Das nehmen die auch ernst!

nordbuzz: Wie wird gewertet?

Weide: Nach verschiedenen Kriterien: Präsentation, Technik, Musik, Umgang mit dem Publikum, Sauberkeit der Aussprache - ganz viele kleine Facetten, die miteinbezogen werden. Man steht auf dieser riesigen Bühne und muss innerhalb von zehn Minuten überzeugen - da ist der Druck enorm. Vor allem, weil nur eine Handvoll deutscher Zauberer in Busan mit dabei sind.

nordbuzz: Was ist der Fachbegriff für Ihre Form der Zauberei?

Weide: Mein Genre nennt sich Parlour Magic, zu Deutsch: Salonmagie. Das ist eine Sparte, die interaktiv ist. Es gibt andere Sparten wie Manipulation, da steht man eigentlich nur auf der Bühne und lässt Karten und Bälle verschwinden - salopp formuliert. Solche Zauberer reden nicht und zaubern nur zur Musik. Bei mir ist es so, dass man jemanden aus dem Publikum nach oben holt und sehr interaktiv und kommunikativ den Trick gestaltet. Und man zaubert weder mit kleinen Münzen, noch mit großen Kisten. Salonmagie liegt irgendwo dazwischen. Das ist für mich die perfekte Sparte, denn ich zaubere gerne mit Alltagsgegenständen - ohne Falltür, ohne Spiegel.

nordbuzz: Wie wird man Zauberer?

Weide: Am Anfang muss man sich natürlich die Grundtechniken aneignen. Die lernt man aus Büchern. Man muss verstehen, wie man ein Kartenspiel hält oder wie man eine Münze in den Fingern verschwinden lässt. Ich musste mir die Basics aus sämtlichen Bereichen erarbeiten. Tricks mit Seilen, Tüchern, Münzen, Karten. Man guckt mal in die Sparte Gedankenlesen hinein, mal in die Kinderzauberei - Magie ist ein breites Themenfeld. Ich traf mich mit anderen Zauberern, die mich unter ihre Fittiche nahmen. Ein Zauberer aus der Nachbarschaft hat mich anfangs sehr unterstützt und mir alles gezeigt. So'n bisschen wie bei „Karate Kid“, richtig Mister Miyagi-mäßig! (lacht)

nordbuzz: Wann fingen Sie an, sich eigene Sachen auszudenken?

Weide: Als ich wusste, worum es geht, habe ich eigene kreative Impulse miteingebracht. Ich habe versucht, existierende Prinzipien zu überdenken. Ihnen einen neuen Twist zu geben. Wenn man Kunststücke lernt oder kauft, dann werden die seit 300 Jahren genau so vorgeführt. Klassiker wie die zersägte Jungfrau, der Hase aus dem Zylinder. Das hat jeder schon tausendmal gesehen. Wie kann man all das modern aufpeppen? Daran habe ich unglaublichen Spaß. Etwas zu entwickeln, das die Leute noch nie gesehen haben oder zumindest noch nicht in dieser Form. Das verschaffte mir dann auch den Titel des Deutschen Vizemeisters, weil ich eine Nummer erfunden hatte, über die selbst die Zauberwelt staunte.

nordbuzz: Kann man von der Zauberei leben?

Weide: Ja, kann man! (lacht) Als ich 16 Jahre alt war, musste ich zur Agentur für Arbeit, um denen zu erklären, was ich gerne hauptberuflich machen möchte. Als ich erzählte, dass ich Zauberer werden will, haben die mich angeguckt wie ein Auto. Da kam auch die Frage: Kann man davon leben? Auf der Bühne sage ich immer: Warum fragen so viele Leute, ob man von der Zauberei leben kann? Es gibt Leute, die verkaufen Gurken auf der Kirmes. Warum fragt da keiner nach? (lacht) Ich mache viele Auftritte im Gala- und Firmenbereich, Sommerfeste, Jubiläen, Weihnachtsfeiern. Ich bin mit meinem Soloprogramm „Hilfe, ich werde erwachsen“ auf Tour. Man macht Fernsehauftritte, wird hier und da zu privaten Anlässe wie Hochzeiten engagiert. Es gibt immer viel zu tun.

nordbuzz: Wie sieht Ihre Karriereplanung aus?

Weide: Ich tue mich immer schwer damit, Zukunftsprognosen zu erstellen.

nordbuzz: Sie sind ja auch kein Wahrsager...

Weide: Stimmt! (lacht) Das Fernsehen ist eine tolle Plattform, mit der man sehr viele Menschen erreicht. Ich liebe es aber auch, auf der Bühne zu stehen. Ich brauche die Nähe zu meinem Publikum. Das möchte ich auch in der Zukunft nicht missen. Nehme ich beispielsweise den Ring eines Zuschauers und verkette ihn mit dem eines anderen, dann ist das ein sehr emotionaler Moment, weil ich plötzlich etwas Persönliches bei meinen Tricks benutze. Ich liebe es, so mit dem Publikum zu interagieren. Die Mischung aus beidem ist die Zukunft: Im Fernsehen sollte man darauf aufmerksam machen, dass man im Theater spielt. Damit die Leute, die Lust haben, das live zu erleben, auch dorthin kommen.

nordbuzz: Wie wichtig ist der Faktor Improvisation?

Weide: Überlebenswichtig. Ich bin ein Fan von spontanen Aktionen und Improvisationen. Natürlich wird alles vorab geplant. Wie der Trick ablaufen soll und so weiter. Ich habe auch ein Skript, an dem ich mich orientiere. Aber ich liebe es auch mal, einen Seitenweg zu gehen. Schön ist auch, wenn ein Zuschauer etwas hineinruft, dann passieren witzige Situationen. Ich hatte dazu auch mal ein Video auf YouTube hochgeladen mit dem Titel „Zuschauer macht, was er will“.

nordbuzz: Was ist da genau passiert?

Weide: Da bin ich im Wettbewerb angetreten und der Zuschauer, den ich auf die Bühne gerufen habe, machte nur das, was er wollte. Er sollte sich eigentlich nur eine Seite aus einem Buch merken. Und dann hat er durch meine Requisiten gewühlt, gefragt, was dies und jenes ist. (lacht) Das war gar nicht böse gemeint, ihn hat das einfach nur wahnsinnig interessiert. Dann steht man da im Wettbewerb vor der Jury, mit 300 Leuten im Publikum, und du hast einen neben dir, der deine ganze Nummer sabotiert - unbezahlbar! Am Ende hatte ich den Wettbewerb sogar gewonnen. Die Jury fand, dass es erst durch ihn einzigartig geworden ist. Improvisation und Spontaneität sind alles!

nordbuzz: Sie sind mittendrin in der Tour „Hilfe ich werde erwachsen!“. Ist das nicht eine berufliche Doppelbelastung parallel zur Moderation in der ARD?

Weide: Ja, das stimmt. Es ist sehr zeitaufwendig. Man fährt vom Studio direkt zu den Auftritten und muss auf dem Weg dorthin oft noch Sachen vorbereiten. Es ist definitiv eine zeitliche Belastung. Aber ich arbeite gerne und gerne auch viel. Ich bin ja noch jung. Solange ich nachts fünf Stunden schlafen kann, schaffe ich alles! (lacht)

nordbuzz: Was tut man, wenn man mal einen Durchhänger hat? Das Publikum ist bei so etwas unbarmherzig...

Weide: Das darf einem niemand anmerken. Diese Emotion muss man komplett zu Hause lassen. Das eine ist privat, das andere beruflich. Es gibt immer mal einen Tag oder einen Moment, an dem man schlecht drauf ist. Da muss man einfach durch, denn das gehört zum Business dazu.

nordbuzz: Kann jeder das Zaubern erlernen?

Weide: Sicher, jeder kann Zauberer werden. Die Frage ist nur, wie sehr man gewillt ist, das Ganze wirklich durchzuziehen. Beim Einstieg ist die Zauberei recht dankbar, weil man schnell Erfolgserlebnisse hat. Das motiviert. Aber sehr vielen Leuten fehlt das Durchhaltevermögen. Zauberei ist nämlich mit viel Arbeit verbunden. Man muss so viele Nuancen beachten. Bis ein Trick da ist, wo man ihn haben will, dauert es ewig. Ich habe drei Jahre gebraucht, um einen meiner aktuellen Tricks zu perfektionieren. Und dann hat man einen. Um eine ganze Show auf die Beine zu stellen, braucht man aber mindestens zehn!

nordbuzz: Zaubern Sie auch im Privaten?

Weide: Ja, es führt kein Weg daran vorbei. Wenn man irgendwo eingeladen ist und jemand findet heraus, dass man Zauberer ist, muss man natürlich abliefern. Mein Segen und Fluch zugleich ist der Umstand, dass ich keine besonderen Gegenstände für meine Tricks brauche. Zur Not kann ich auch mit einem Kronkorken zaubern, mit einem Strohhalm oder einem Kieselstein! (lacht) Aber mein enger Freundeskreis kann das langsam nicht mehr sehen. Die wollen nur ganz entspannt ein Bier trinken!

teleschau

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