Jetzt auf Blu-ray

Für fünf Golden Globes & sechs Oscars nominiert: „Manchester by the Sea“

+
Der Schmerz sitzt tief: Randi (Michelle Williams) und Lee (Casey Affleck) können nicht mehr zueinander finden.

Ausnahme-Regisseur Kenneth Lonergan inszenierte ein außergewöhnliches Drama um Trauma und Schuld mit einem brillanten Casey Affleck in der Hauptrolle.

Augen auf bei Kenneth Lonergan! Seitdem er für das Drehbuch seines Erstlings „You Can Count on Me“ (2000) eine Oscar-Nominierung erhielt, galt der Filmemacher, der mit Scorsese das Drehbuch zu „Gangs of New York“ (2002) schrieb, unter Cineasten als Geheimtipp. Sein neuestes, nunmehr drittes Regie-Werk „Manchester by the Sea“ (2016) offenbart das bemerkenswerte Potential des New Yorkers. Das präzise inszenierte Drama war für fünf Golden Globes sowie sechs Oscars nominiert. Casey Affleck („Die Ermordung des Jesse James durch den Feigling Robert Ford“) wurde jeweils als bester Hauptdarsteller ausgezeichnet. Im Kino sahen den Film hierzulande knapp 300.000 Besucher, nun erscheint er auf DVD, Blu-ray Disc und als Video-on-Demand.

Lee Chandler (Affleck) arbeitet als Hausmeister in Boston. Sein Leben ist vor allem Routine und Gleichförmigkeit, hin und wieder besäuft er sich in der nächsten Bar. Als Lee die Nachricht erhält, dass sein Bruder Joe (Kyle Chandler) gestorben ist, muss er sein selbst gewähltes Schneckenhaus verlassen und zurück in seinen Heimatort Manchester-by-the-Sea. Lee soll sich um seinen 16-jährigen Neffen Patrick (Lucas Hedges) kümmern, der sich in seiner Sturm-und-Drang-Phase befindet. Aber die Rückkehr an den Ort seiner Vergangenheit reißt bei Lee tiefe, alte Wunden auf. Erst recht, als er seiner Ex-Frau Randi (Michelle Williams) begegnet ...

Regisseur Lonergan, der auch das Drehbuch schrieb und dafür ebenfalls einen Oscar erhielt, lässt den Zuschauer lange darüber im Unklaren, was eigentlich passiert ist. Zunächst gilt sein Fokus seiner traumatisierten Hauptfigur. Was Lee zu dem gemacht hat, was er ist - das Drama seines Lebens, ausgelöst durch die Unaufmerksamkeit eines Augenblicks -, das erfährt man erst allmählich. Dadurch gelingt es dem Regisseur, über den ganzen Film Spannung und Anspannung zu halten.

Die Inszenierung dieser dramatischen, zutiefst menschlichen Geschichte erfolgt dabei nicht nur elliptisch, sondern mit einer dezidierten Beobachtungsgabe, die dokumentarisch anmutet. Auch wird hier niemals der moralische Zeigefinger erhoben oder mit dem Zaunpfahl gewunken, um die Aufmerksamkeit und das Verständnis des Zuschauers einzufordern. Im Gegenteil: „Manchester by the Sea“ ist ein leiser Film, der eine ergreifende Geschichte mit authentischen Figuren erzählt und peu à peu seine volle Wucht entfaltet.

tsch

Das könnte Dich auch interessieren

Kommentare