Am Pfingstmontag

Mammut-Doku „24h Bayern“: Ein Tag im Freistaat

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Im niederbayerischen Landau ist diese Schweinemastanlage einer der Schauplätze von „24h Bayern“.

In München präsentiert der Bayerische Rundfunk sein Dokumentarprojekt im XXL-Format: „24h Bayern“ zeigt einen Tag lang das Leben im Freistaat.

Schloss Neuschwanstein darf natürlich nicht fehlen. Es geht schließlich um Bayern, und was stünde wohl mehr für den Freistaat als das Schloss des Märchenkönigs, Ludwig II.? Also folgt der Zuschauer der chinesischen Reiseleiterin Frau Shan und ihrer Touristengruppe durchs bayerische Voralpenland bis nach Füssen. Mitleid müsse man mit diesen Bayern haben, erklärt Frau Shan den Besuchern aus Fernost. Schließlich gäbe es hierzulande ständig nur Fleisch und Kartoffeln zu essen. Aber immerhin, mit einem Klischee räumt die patente Frau Shan dann doch auf: Das mit den Lederhosen und dem Seppelhut, das stimme nun doch nicht so ganz. Dass Bayern mehr ist als das allseits beliebte Klischee, das will auch die Mammutdoku „24h Bayern“ beweisen, die das BR-Fernsehen am Pfingstmontag, 5. Juni, ab 6.00 Uhr morgens zeigt.

Einen ganzen Tag hat das BR-Fernsehen dafür freigeräumt. 24 Stunden lang geht es also nur um Bayern, bis 6.00 Uhr morgens am Folgetag. Wohl dem, der am nächsten Morgen nicht in die Arbeit muss! Vor rund einem Jahr, am 3. Juni 2016, schwärmten 104 Kamerateams im Freistaat aus, um rund 80 Protagonisten 24 Stunden lang zu begleiten. In Echtzeit zeigt „24h Bayern“ nun die Höhepunkte eines ganz gewöhnlichen Freitags im Freistaat. Er habe nach dem Projekt „Bayern jetzt mal richtig begriffen“, erzählt Mit-Produzent Franz Xaver Gernstl bei der Vorstellung des fertigen 24-Stunden-Films in München. Aus dem Mund Gernstls will das etwas bedeuten. Schließlich ist der Dokumentarfilmer seit rund drei Jahrzehnten mit der Kamera in Bayern unterwegs.

Eine „Riesenanstrengung“ sei die Vorbereitung auf die XXL-Doku gewesen, erzählt BR-Intendant Ulrich Wilhelm. Das Resultat sei nun eine „echte Abbildung dessen, was in Bayern stattfindet“. Für Andreas Bönte, den Programmchef des BR, ist „24h Bayern“ vor allem eines: eine Möglichkeit, das „Leben in Bayern in seiner Vielfalt zu zeigen und zu konservieren“. Noch in hundert Jahren, so glaubt er, werde man die Dokumentation schauen, um zu sehen, wie es war, das Leben in Bayern im Jahr 2016.

Der Presse wurden vorab zwei dreißigminütige Ausschnitte aus der Mammut-Dokumentation gezeigt. Neben der lustigen Frau Shan aus China haben da ein Sternekoch und ein Polizeibeamter einen Auftritt, eine Amazon-Mitarbeiterin und eine Bierbrauerin, ein Obdachloser und ein Werksarbeiter bei Audi. Eine der berührendsten Szenen gibt es um kurz vor halb neun am Abend zu sehen. Da erzählt eine an ALS erkrankte Frau, die in einem Hospiz auf den Tod wartet, von ihrem Wunsch, endlich sterben zu dürfen. In der nächsten Szene befindet man sich auf einer Münchner Geburtsstation. Gedanklich aber ist der Zuschauer da noch immer irgendwo auf einer bayerischen Landstraße, wo ein Schleierfahnder einen Lastwagen anhält, der einen Kleinlaster geladen hat, in dem wiederum ein Auto versteckt ist. Es ist diese Parallelität von großen und kleinen Ereignissen, die „24h Bayern“ faszinierend macht.

Große deutsche Regisseure standen für „24h Bayern“ hinter den Kameras, wie Doris Dörrie, Andres Veiel, Marcus H. Rosenmüller und Franz Xaver Bogner, aber auch viele junge Filmemacher. „Bayern kann exotischer sein als Japan“, gab sich Dörrie noch vor einem Jahr überzeugt. Nun folgte sie einen Tag lang Schwester Clara Maria im unterfränkischen Kloster Rödelmaier.

Bei der Auswahl der Protagonisten sei man „langsam tastend über neun Monate“ vorgegangen, erklärt Volker Heise, Erfinder des 24-Stunden-Formats, das er schon in Berlin und Jerusalem verwirklicht hatte. So habe man versucht, in allen sieben bayerischen Regierungsbezirken gleichberechtigt zu filmen, außerdem sei auf die richtige Mischung aus Männern und Frauen, Alt und Jung sowie Arm und Reich geachtet worden.

Man wolle „das Bayern der Anderen“ zeigen, erklärt „24h“-Erfinder Heise. „Jeder denkt, die eigene Welt sei der Maßstab für andere“, sagt er. Ein schöner Gedanke in der heutigen Zeit, in der so mancher in seiner eigenen Nachrichtenblase lebt.

Zur Einstimmung auf „24h Bayern“ zeigt das BR-Fernsehen bereits am Montag, 29. Mai, 21.00 Uhr, mit der Dokumentation „Wir sind Bayern“ eine Hintergrundreportage über die Entstehung des Projekts. Begleitet wird das Event auch im Internet: Die Seite 24hbayern.de stellt die Protagonisten mit Interviews und weiterführenden Geschichten näher vor.

tsch

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