The Stanford Prison Experiment

Machtspiel hinter Gittern

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Zunächst mal werden die Häftlinge in Kleider gesteckt. Dr. Zimbardo möchte sie, um die Bedingungen etwas zu verschärfen, "femininisieren".

Was passiert, wenn man ein paar Studenten in die Rollen von Gefangenen und Wärtern steckt und sie dann alleine lässt? Von diesem Versuch, der in den 70-ern hohe Wellen schlug, erzählt "The Stanford Prison Experiment".

Der Psychologieprofessor Dr. Philip Zimbardo startete 1971 an der Stanford University einen aufsehenerregenden Versuch: Eine Handvoll Studenten, aufgeteilt in Gefangene und Wärter, sollten den Alltag in einem Gefängnis simulieren. Der Versuch eskalierte spektakulär, die Ereignisse dienten später unter anderem als Vorlage für Oliver Hirschbiegels elektrisierenden Thriller "Das Experiment" (2001). Viele werden sich noch an Moritz Bleibtreu erinnern, der als Häftling den Aufstand wagte. Mit "The Stanford Prison Experiment" (2015), nach Premiere auf dem Sundance Filmfestival nun fürs Heimkino erhältlich, gibt es inzwischen eine weitere Adaption der erschütternden Geschichte.

In beinahe jedem Menschen, und wirkt er nach außen noch so kultiviert und nett, schlummert ein Monster - so etwa könnten die Erkenntnisse aus Dr. Zimbardos ambitioniertem Experiment auf den Punkt gebracht werden. Und einmal losgelassen, ist dieses Monster kaum wieder zu bändigen.

"The Stanford Prison Experiment" bleibt, etwas anders als Hirschbiegels eingedeutschte Version, faktisch sehr nah dran an den wahren Begebenheiten von 1971. Philip Zimbardo selbst beriet das Team um Regisseur Kyle Patrick Alvarez während der Drehvorbereitungen, was diesen Thriller umso interessanter macht.

Der im Vergleich "bessere" Film ist die inzwischen zweite US-Variante (2010 gab es zum selben Thema bereits einen Streifen mit Adrien Brody) deshalb aber nicht. Was etwa die Atmosphäre angeht, reicht Alvarez' Inszenierung zu keinem Zeitpunkt an "Das Experiment" heran. Er entschied sich für einen eher nüchternen Zugang, zeigt dabei aber auf ebenso erschreckende Weise wie Hirschbiegel, was Macht mit Menschen anstellen kann. In diesem Fall führt sie letztlich dazu, dass ein Experiment, das ursprünglich zwei Wochen dauern soll, schon nach sechs Tagen abgebrochen werden muss ...

Erhältlich auf DVD, Blu-ray Disc und als Video-on-Demand.

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