Bissig, bissiger, Jane Austen

„Love & Friendship“: Lohnt sich der Kostümstreifen fürs Heimkino  

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Im Gegensatz zu anderen Jane-Austen-Romanen wurde „Lady Susan“ noch nie für die Leinwand adaptiert. Whit Stillman („Last Days of Disco“) hat das mit „Love & Friendship“ nachgeholt.

So hat man Jane Austen noch nie gesehen. Und Kate Beckinsale auch nicht. Besten Dank, Whit Stillman!

Man vergisst es allzu leicht, wenn man sie im hautengen Lack-und-Leder-Outfit Werwölfe niedermetzeln sieht. Doch bevor Kate Beckinsale Hauptdarstellerin der „Underworld“-Reihe wurde, casteten Regisseure sie wahnsinnig gern für Literaturverfilmungen. Sie spielte in der Shakespeare-Verfilmung „Viel Lärm um nichts“ (1993), ein Jahr später neben Christian Bale in „Hamlet - Der Prinz von Jütland“, außerdem in der britischen TV-Verfilmung von Jane Austens „Emma“ (1996). Whit Stillman jedenfalls erinnerte sich daran, welch gute Figur die Britin in klassischen Kostümen machte, und engagierte sie für seine Jane-Austen-Verfilmung „Love & Friendship“ (2016), die nun auf DVD, Blu-ray Disc und als Video-on-Demand erscheint.

Es ist die ungewöhnlichste aller Jane-Austen-Heldinnen, die Kate Beckinsale im Film spielen darf. Ungewöhnlich vor allem, weil die gerissene Witwe Lady Susan Vernon keine Heldin im eigentlichen Sinne ist. Nachdem sie das Haus ihres verheirateten Liebhabers fluchtartig verlassen musste, quartiert sich Lady Susan irgendwann um 1800 bei Charles Vernon (Justin Edwards), dem Bruder ihres verstorbenen Mannes, und dessen Familie ein.

Bei Hausherrin Catherine (Emma Greenwell) schrillen sofort die Alarmglocken: Genau wie befürchtet verfällt ihr jüngerer, reicher Bruder Reginald (Xavier Samuel) sofort dem Charme dieser völlig unmöglichen Frau, die nebenbei auch noch eine gute Partie für ihre leidgeprüfte Tochter Frederica (Morfydd Clark) sucht.

So sehr man Lady Vernon für ihr boshaftes, intrigantes Tun auch verachten möchte, kommt man als Zuschauer nicht umhin, die überaus selbstbewusste Witwe zu bewundern. Kate Beckinsale jedenfalls genießt es sichtlich, diese starke, vielschichtige Rolle zu spielen. Doch eigentlich ist es Whit Stillmans brillantes Drehbuch, das „Love & Friendship“ aus einem Meer an Jane-Austen-Verfilmungen hervorstechen lässt.

Während sich andere Filmemacher in ihren Adaptionen von „Stolz und Vorurteil“ oder „Emma“ vorwiegend auf das konzentrierten, was Jane Austen in ihren Geschichten beschrieb, war Stillman auch wichtig zu vermitteln, wie sie es beschrieb: bissig und pointiert. Mit seiner rasanten, höchst unterhaltsamen Inszenierung lässt er das Publikum Jane Austen völlig neu entdecken - und Kate Beckinsale gleich mit. Lohnt sich.

tsch

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