Bei Netflix statt im Kino

Lolle Holzmann ist zurück: So ist der „Berlin, Berlin“-Film

Lolle ist wieder da: In der Komödie „Berlin, Berlin“ steht die einstige Serienheldin mal wieder zwischen zwei Männern.
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Lolle ist wieder da: In der Komödie „Berlin, Berlin“ steht die einstige Serienheldin mal wieder zwischen zwei Männern.

Vor 15 Jahren lief die letzte Folge der ARD-Serie „Berlin, Berlin“ im Fernsehen. Jetzt ist Lolle Holzmann zurück - in einem Film, der vor allem die Nostalgiekarte spielt.

„Mit 18 hatte ich eine beknackte Frisur und voll den Plan“: Diese Selbsterkenntnis von Lolle Holzmann (Felicitas Woll) steht am Anfang von „Berlin, Berlin“. Der Film, der wegen der Corona-Krise ab 8. Mai bei Netflix statt im Kino zu sehen ist, ist die Fortsetzung der gleichnamigen TV-Serie, deren letzte Folge vor ziemlich genau 15 Jahren in der ARD ausgestrahlt wurde. „Berlin, Berlin“, das war Kult - nicht nur in Deutschland, sondern auch in mehr als einem Dutzend weiteren Ländern, in denen das Format im Fernsehen lief. Im Zentrum stand die Hauptstadt-WG von Lolle, die nach dem Abitur aus der Provinz nach Berlin gezogen war und jetzt mit ihrem Cousin und späteren Liebhaber Sven (Jan Sosniok) sowie der gemeinsamen Freundin Rosalie (Sandra Borgmann) zusammenlebte. Lolle verfolgte den mehr oder minder erfolgreichen Plan, Comiczeichnerin zu werden. Unzählige Gelegenheitsjobs, Krisen und Liebesbeziehungen später, beschlossen sie und Sven am Ende der letzten Staffel dann aber, nach Australien auszuwandern.

Doch Lolle wäre nicht Lolle, wenn sie nicht irgendwann einen Rückzieher gemacht hätte. Wie genau dieser Rückzieher aussah, wird jetzt im Film Stück für Stück gezeigt: Lolle, so erfährt der Zuschauer gleich zu Beginn, hat sich von Sven getrennt und ist nach Berlin zurückgekehrt. Dort besitzt sie eine Produktionsfirma für Animationsfilme und ist in der Zwischenzeit mit ihrem ehemaligen Nachbarn Hart (Matthias Klimsa) zusammengekommen. Nun wollen die beiden heiraten und eine Familie gründen. Doch vor dem Traualtar platzt Sven in die Feier und macht seiner Verflossenen einen Heiratsantrag. Lolle ist total überfordert von der Situation und reagiert, wie man es von ihr erwartet: extrem. Im Auto rast sie durch Berlin und landet schließlich vor Gericht, wo sie zu 40 Sozialstunden an einer Schule verurteilt wird.

Turbulentes Roadmovie

Schon wenig später wird „Berlin, Berlin“ zum turbulenten Roadmovie: Mit ihrer neuen Bekannten Dana (Janina Uhse) wacht Lolle nach einem nächtlichen Drogenrausch plötzlich im Harz auf. Natürlich will sie vor allem nur eines: schnell zurück in die Berliner Zivilisation! Doch das ist leichter gesagt als getan. Auf ihrer Reise nach Hause trifft Lolle auf viele alte Bekannte, die nicht nur für sie, sondern auch für die treuen Serienfans so manche Überraschung bereithalten. Wer hätte etwa gedacht, dass Rosalie 17 Jahre nach ihrem Ausscheiden aus der Serie ihren Traum von der Schauspielerei endgültig an den Nagel gehängt hat?

Überhaupt spielt Nostalgie im Film eine große Rolle: Wie Lolle sind auch ihre vorwiegend weiblichen Fans im Laufe der Jahre gealtert und - zumindest ein Stück weit - erwachsen geworden. Die beiden Drehbuchautoren David Safier, der einst die Serie entwickelt hat, und sein Sohn Ben sowie Regisseurin Franziska Meyer Price („Männerhort“) versuchen diese Entwicklung zu zeigen: Im Verlauf des Films wirft Lolle all jene Fragen auf, die sich vermutlich jede Frau Ende dreißig einmal stellt: Was ist mir wichtiger - Familie oder Karriere? Und möchte ich überhaupt Kinder? Allerdings dürfen Zuschauer keine tiefgründigen Antworten erwarten. „Berlin, Berlin“ ist und bleibt eine Komödie, die in erster Linie unterhalten will.

Nostalgisches Wiedersehen

Unterhaltsam sind auf jeden Fall auch die neuen Figuren, die unter anderem von Armin Rohde und Christian Tramitz gespielt werden. Getreu dem Serienvorbild sorgen sie für einige herrlich skurrile Szenen. Absolutes Highlight ist dabei Tramitz, der einen demotivierten Schulleiter spielt, welcher ernsthaft überlegt, wie viele Finger er für eine Berufsunfähigkeit wohl in den Ventilator stecken muss. Doch auch die „alten Hasen“ machen einen guten Job: Besonders der 40-jährigen Felicitas Woll gelingt es erstaunlich leicht, in ihre alte Paraderolle zurückzufinden, die ihr Anfang der Nullerjahre den Karrieredurchbruch ermöglichte. Neu und dennoch vertraut sind auch die computeranimierten Szenen, mit denen Lolles Drogen-Halluzinationen in Szene gesetzt werden. Sie ersetzen die Comicsequenzen der Serie, in welchen schon damals Lolles Gedanken ausgedrückt wurden. Sobald diese dann jedoch mit der realen Lolle-Welt kombiniert werden, wirkt der Effekt dann aber doch etwas zu viel und sehr gewollt.

Leider bedient „Berlin, Berlin“ immer auch das ein oder andere Klischee, und wirklich spannend ist der Film auch nicht. Ein Serienspecial im Ersten hätte es wohl ebenso getan. Dennoch: Für Fans der Fernsehserie ist der Netflix-Ausflug von Lolle und Co. ein schönes Wiedersehen mit den Helden von damals.

teleschau

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