„Isi & Ossi“

Liebe geht durch Arm und Reich

Zwischen der Milliardärstochter Isi (Lisa Vicari) und Ossi (Dennis Mojen), der chronisch pleite ist, liegen Welten. In dem ersten deutschen Netflix-Film „Isi & Ossi“ gehen die beiden einen Deal ein.
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Zwischen der Milliardärstochter Isi (Lisa Vicari) und Ossi (Dennis Mojen), der chronisch pleite ist, liegen Welten. In dem ersten deutschen Netflix-Film „Isi & Ossi“ gehen die beiden einen Deal ein.

Der erste deutsche Netflix-Film „Isi & Ossi“ ist zwar überfrachtet mit Klischees, überzeugt aber mit Witz, einer spannenden Figurenentwicklung und einem Ende, das zum Nachdenken anregt.

Wie küsst man jemanden, in den man (noch) nicht verliebt ist? Um ihre gefühlslose Liebe authentisch spielen zu können, müssen Isi (Lisa Vicari) und Ossi (Dennis Mojen) erst mal das „asoziale Küssen“ üben. Danach ist das Rummachen dran. Den einen Fuß da hin, den anderen hier hin - oder ist es doch bequemer, wenn die Beine dort sind? Die erste deutsche Film-Eigenproduktion des Streaminggiganten Netflix bereitet jede Menge Vergnügen - wenn man ein Auge zudrückt: Der pünktlich zum Valentinstag ab 14. Februar verfügbare Film „Isi & Ossi“ ist überfrachtet mit Klischees.

Denn mit Isi und Ossi treffen zwei absolute Extremwelten zusammen. Die etwas überhebliche Isi wuchs in einer wohlbehüteten Familie in Heidelberg auf, ihre Eltern sind Milliardäre, haben einen Keller voller Luxuskarren und wollen für ihre Tochter natürlich nur das Beste - solange das ein BWL-Studium ist. Und natürlich trifft die behütete Milliardärstochter auf einen in jeglicher Hinsicht armen Schlucker: Ossi, der schon als Kind Aggressivität an den Tag gelegt hat, schläft in einem schimmligen Zimmer, hilft seiner hochverschuldeten Mutter in der Tankstelle aus und muss immer ein Auge auf seinen Opa haben, der regelmäßig im Gefängnis landet. Seine aggressiven Momente entlädt der Mannheimer in Jogginghosen beim Boxen. Dazu hat er ein freches Mundwerk. Typische Arm-Reich-Klischees eben.

Doch genau diese Gegensätze bringen den Film in Fahrt. Als sich Isi und Ossi kennenlernen, herrscht großes Chaos, denn beide wollen den jeweils anderen erst mal für Geld und Karriere ausnutzen. Die Wahrheit kommt jedoch schnell ans Licht, und sie beginnen zu verhandeln: Ossi soll Isis Freund spielen, damit ihre Eltern ihr Depot auflösen und sie mit dem Geld eine Kochausbildung in New York beginnen kann. Im Gegenzug finanziert sie seinen Boxkampf, der für ihn zu einem Sprungbrett in die Profiliga werden könnte. Beide lassen sich auf den Deal ein. Doch natürlich folgen damit jede Menge Probleme - und am Ende siegt natürlich die Liebe.

Dem Glück auf der Spur

Auch wenn der Anfang recht überspitzt wirkt, ist der Umgang mit dem Thema Arm-Reich gelungen: Regisseur und Drehbuchautor Oliver Kienle lässt den beiden einzelnen Figuren viel Zeit, sich zu entwickeln. Beide Figuren finden sich in Situationen wieder, die sie so noch nie erlebt haben, und kommen langsam ins Grübeln - über ihr Leben, ihr Umfeld, die Liebe und darüber, womit sie eigentlich glücklich sind.

Was an dem Netflix-Film so Spaß macht, sind die teils recht absurden Situationen, die dem Zuschauer immer wieder ein Grinsen ins Gesicht zaubern, beispielsweise wenn Isi und Ossi das Küssen üben, oder wenn Ossis Trainer Spasti (André Eisermann) in seinem starken Dialekt spricht und von keinem verstanden wird. Für einige Lacher sorgt auch der raue und mit Vulgärwörtern um sich werfende Opa von Ossi (Ernst Stötzner): Dieser hat die letzten 14 Jahre im Gefängnis verbracht, und ist nun felsenfest davon überzeugt, Rapper zu werden. Als er allerdings in die Freiheit entlassen wird, ist er entsetzt: Die Stadt wimmelt nur so vor Ausländern. Eine seltsame Situation für den rüstigen Alten, der ja seit über einem Jahrzehnt nichts mehr von der Außenwelt mitbekommen hat - und auch so manche Entwicklung schlicht verpasst hat. So kann er nicht verstehen, was das Ganze soll mit den Handys und den sozialen Medien.

Außerdem glänzt die Romantic Comedy-Produktion durch ihre Jungschauspieler: Der 27-jährige Dennis Mojen („Traumfabrik“) wird bereits als deutscher Leonardo DiCaprio gefeiert, und auch Lisa Vicari („Dark“), heute 22 Jahre alt, stand bereits in „Hanni & Nanni“ in der Rolle der Suse neben Hannelore Elsner, Heino Ferch und Katharina Thalbach vor der Kamera.

„Isi & Ossi“ ist ein Film, der zum einen deutlich macht, wie sehr einen das Umfeld oberflächlich prägt, in dem man aufwächst. Zum anderen zeigt er aber auch, dass man Klischees sprengen und durchaus aus seinen Gewohnheiten ausbrechen kann und teilweise auch muss, um glücklich zu sein. Denn es kommt nicht nur auf das Geld auf dem Konto an, sondern vor allem auf die Menschen um einen herum.

teleschau

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