Wider das Schweinesystem

Die letzte Sau: Auf DVD und als VoD

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Der Huaba auf großer Fahrt: In „Die letzte Sau“ zieht ein Kleinbauer gegen Industrie und Wirtschaft zu Felde.

Der Turm stürzt ein: In der furchtbar ehrlichen Komödie von Aron Lehmann setzt sich ein Kleinbauer gegen das Großkapital zur Wehr.

„Scheißdreck, Kruzifix“ - der Huaba lebt leider nicht mehr in den Zeiten, in denen man als kleiner Bauer zwar ohne Luxus, dafür aber sorgenfrei sein Dasein fristen konnte. Statt des vermeintlich romantischen Landlebens kriegt der Huaba (Golo Euler) zu spüren, wie es dem Kleinbauern heutzutage ergeht. Und weil noch ein paar persönliche Ungeschicklichkeiten und Unglücke hinzukommen, flucht er fast nur, der Huaba. Als schließlich sein längst überholter Hof von einem Meteor getroffen wird, wandelt er all seinen Groll in Taten um. Er zieht los - gemeinsam mit der titelgebenden „letzten Sau“ (2016) - und erhebt auf DVD und als VoD die Mistgabel gegen das Großkapital.

Filmemacher Aron Lehmann mag das Absurde. Und wenn er die gefeierte Charakterdarstellerin Rosalie Thomass im schönsten bairisch-schwäbischen Dialekt scharfsinnig und doch feixend über die Absurdität einer Kastration von kleinen Ferkeln „für ein Paar Wienerle“ philosophieren lässt, dann teilt man diese Vorliebe nur zu gerne. „Die letzte Sau“ hat einige dieser irrwitzigen Momente - der Meteoriteneinschlag ist ein solcher. Und so wunderlich und verschrobenen die Gestalten, die der Huaba auf seiner Reise trifft, auch wirken mögen: Sie sprechen alle die Wahrheit!

Der Dorfmetzger Willi (Heinz-Josef Braun) etwa, der sich vom Industriebauern und -schlachter der Gemeinde zum Aufgeben gedrängt fühlt, und Imker Meier (Thorsten Merten), der am Bienensterben verzweifelt. Massentierhaltung, Industrieschlachtung, Herbizide - Stichwörter ihres Ruins. Dazu noch Kramer (Bernd Stegemann), der sich gegen die Pfändung seines Hauses wehrt. Sie fühlen sich von diesem Schweinesystem bis zum Äußersten getrieben. Die Verzweiflung treibt sie an ihre Grenzen - Metzger Willi überschreitet sie gar. Und der Huaba entschließt sich, einen Feldzug gegen die Großkopferten anzutreten.

Begleitet von unanfechtbaren Rio-Reiser- und Ton-Steine-Scherben-Liedern, vorgetragen von den Darstellern, liefert Aron Lehmann ein Statement, dem fast jeder etwas abgewinnen kann. Ein kleines bisschen Revolution in Zeiten der völligen Verblendung, in Zeiten, in denen wieder auf die Kleinsten eingedroschen und die Ursache aller (persönlichen) Probleme bei den Schwächsten gesucht wird. „Die Welt ist ein scheißdunkler Ort, deswegen müssen wir Leuchtfeuer anzünden“, erklärt Imker Meier dem Huaba, bevor er mit einer Fackel auf die Frankfurter Skyline zustürmt. Aron Lehmann ist ein beachtliches Leuchtfeuer gelungen.

tsch

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