Von wegen die "schönste Nebensache der Welt": 3sat kümmert sich eine Woche lang um "Sex & Love"

Die Last an der Lust

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In "Lars und die Frauen" verliebt sich der Titel-"Held" (Ryan Gosling, zweiter von rechts) in eine Gummipuppe. Er kümmert sich liebevoll um sie. Innerhalb seiner Familie wirkt das eher befremdlich.

Mit einer Themenwoche widmet 3sat sich von Sonntag, 17. April, bis Samstag, 23. April, den Spielarten von "Sex & Love". Zahlreiche Filme und Dokumentationen zeigen, dass gerade auch eine enttabusierte Sexualität ihre Beschränkungen hat.

Mit dem Beginn der sexuellen Freiheit in den 1960er-Jahren fielen mehr und mehr und für viele endlich die Tabus. Auch mit dem Siegeszug der Pornografie ab den 70er-Jahren und ihrem Höhepunkt jetzt im Internetzeitalter scheint sich die Sexualität endgültig total entblößt zu haben. Viele Spielarten scheinen erlaubt, die Erfüllung jeder Fantasie möglich - und das bereits per Knopfdruck am Computer. Doch führt diese enttabuisierte Freizügigkeit auch immer wieder zu sehr seltsamen Ausschweifungen, etwa wenn sich Männer lieber in lebensechte Puppen verlieben, als sich mit einem tatsächlichen Partner auseinanderzusetzen. In einer Themenwoche mit dem Titel "Sex & Love" beleuchtet 3sat von Sonntag, 17. April, bis Samstag, 23. April, mit zahlreichen Reportagen und Spielfilmen, welche Auswirkungen der mitunter enthemmte Sex auf Partnerschaften und nicht zuletzt auf Jugendliche hat. Und am Ende ist die totale Freiheit dann möglicherweise doch nicht der Weisheit letzter Sch(l)uss.

"Alles kann, nichts muss", ist einer dieser Sprüche, die sehr eindeutig auf eine sexuelle Freizügigkeit hinweisen. In der in den 1990er-Jahren in Europa und in den USA entstandenen Swinger-Szene wird er sehr gerne zitiert. Er soll bedeuten, dass alle sexuellen Spielarten grundsätzlich möglich sind und toleriert werden, aber niemand zu etwas gedrängt oder gar gezwungen wird.

Es mag ja tatsächlich ziemlich nett sein, sich je nach Lust und Laune mit einem Partner frei nach Wahl oder gleich mehreren gleichzeitig vergnügen zu können. Jedem das Seine. Allerdings können manche Vorlieben doch sehr befremdlich anmuten. Beispielsweise wenn ein Sonderling sich lieber mit einer lebensgroßen Silikon-Sexpuppe, die er im Internet bestellt hat, verlobt, als sich mit einer lebenden Partnerin auseinanderzusetzen. Zu sehen ist dieses bizarre Konstrukt in der Oscar-nominierten Tragikomödie "Lars und die Frauen" von Regisseur Craig Gillespie.

3sat startet seine Reihe "Sex & Love" am Sonntag, 17. April, 21.45 Uhr, mit eben diesem Film und einem überzeugenden Ryan Gosling (35) in der Hauptrolle. Dieser Anfang erscheint klug gewählt. Ermöglicht er doch einen unterhaltsamen, wenn auch hintergründigen Einstieg in ein durchaus komplexes Thema. 3sat umschreibt es angemessen verkopft so: "Heute, inmitten der postsexuellen Revolution, schauen wir auf eine überforderte Gesellschaft, die sich den An-und Herausforderungen einer enttabuisierten Sexualität stellen muss."

Nein, diese Umschreibung klingt dann schon nicht mehr nach Spaß an der Freud. Vielmehr zeigt sie schon eine Last an der Lust, die sogar bis zu einer Sucht werden kann. In der Dokumentation "Nur Porno im Kopf" (Montag, 18, April, 22 Uhr) beispielsweise trifft der Journalist Martin Daubney auf junge Männer, die abhängig von Pornografie geworden sind. Eine normale Sexualität können Betroffene erst nach einer langwierigen Therapie erleben. Von einer Beziehung ganz zu schweigen.

Doch auch ohne Suchtverhalten oder Vergleichbarem bleibt der Sex eines der entscheidenden Themen in einer eigentlich funktionierenden Beziehung. Was anfangs noch wunderbar anreizend immer und immer wieder passiert, kann sich allerdings auch verflüchtigen. Es ist beinahe erschreckend: Laut einer Studie der Universität Göttingen ist in 65 Prozent der Partnerschaften mindestens einer von beiden unzufrieden mit der gelebten Sexualität. In der Dokumentation "Schon wieder kein Sex?" aus der renommierten ZDF-"37°"-Reihe kommen am Montag, 18. April, 1.50 Uhr, betroffene Paare zu Wort.

Last Exit Prostitution etwa? In ihrem Film "Deutschland und der schnelle Sex" (Montag, 18. April, 21.30 Uhr) hat sich Autorin Rita Knobel-Ulrich umgesehen auf dem Straßenstrich, in Edelpuffs und vor allem Frauen getroffen, die in die Zwangsprostitution gerutscht sind. Dass weltweit einige Frauen überhaupt keine andere Chance haben, als sich zu prostituieren, um überleben zu können, zeigt das eindringliche Dokudrama "Whores' Glory", ebenfalls am Montag, 23.25 Uhr.

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