VOX stellt die Stars der dritten Staffel der Musikshow "Sing meinen Song" vor (ab 12.04., dienstags, 20.15 Uhr)

Kuscheln mit Kante

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"Staffel der Gegensätze": Am 12. April startet "Sing meinen Song - Das Tauschkonzert". Dabei sind so unterschiedliche Protagonisten wie Chanson-Popperin Annett Louisan und der Kölsche Altrocker Wolfgang Niedecken von BAP.

Am Dienstag, 12. April (20.15 Uhr, VOX) geht Deutschlands ungewöhnlichste Musikshow in ihre dritte Runde. Am Dienstag stellte Gastgeber Xavier Naidoo in Berlin die Teilnehmer vor.

Auch an der Größe des PR-Events kann man ablesen, wie sich dieses Format entwickelt hat: Vor zwei Jahren, als "Sing meinen Song - Das Tauschkonzert" zum ersten Mal im Fernsehen lief, stellte VOX seine neue Musikshow noch im Rahmen einer allgemeinen Programm-Pressekonferenz des Senders vor. Im vergangenen Jahr, nach bärenstarken Einschaltquoten und viel guter Presse für Staffel eins, holte man das Ensemble der zweiten Staffel in einem kleinen Berliner Club gemeinsam auf die Bühne. Und 2016? Mietete man eine alte Industriehalle samt Original-Show-Band in Berlin-Kreuzberg an, um die Protagonisten der dritten Staffel in Form eines Mini-Konzertes zu präsentieren: Nena, Samy Deluxe, The BossHoss, Wolfgang Niedecken, Annett Louisan und der Schweizer Funk-Musiker Seven brechen Ende Februar gen Südafrika auf, um sich dort gemeinsam mit Gastgeber Xavier Naidoo ihre Songs vorzuspielen. Jeden Dienstag steht ein anderer Musiker der Runde im Mittelpunkt. Die übrigen sechs Künstler müssen jeweils einen Song von ihm oder ihr an diesem Abend covern. Die Spielregeln der tiefenentspannten Erfolgs-Show blieben gleich. Nur die Auswahl des Personals könnte für einen neuen Trend sorgen: Die Gegensätze zwischen den Musikern scheinen größer denn je.

Als "Staffel der Gegensätze" kündigte VOX-Chefredakteur Kai Sturm am Dienstag seine neue Musikerrunde an. Und tatsächlich: Mit Wolfgang Niedecken von BAP hat man nicht nur einen Mann dabei, dessen in Kölner Mundart getextete Lyrik die übrigen Teilnehmer vor eine gewisse Transfer-Aufgabe stellt, sondern man holte sich auch einen sperrigen Charakter ins Haus. Jemanden, den man in einer solchen Show nicht erwarten würde: Niedecken ist altmodisch, überaus politisch und wertkonservativ links. Sicherlich nicht der klassische TV-Darling des Privatfernsehens. Ähnlich verhält es sich mit dem Rapper Samy Deluxe. Der erfahrene Hamburger Freestyle-Meister bringt schon während der Vorstellung des Ensembles eine gewisse Skepsis mit in die Runde. Eine Idee von: Na, was ihr hier im Fernsehen machen wollt, ich weiß ja nicht, ob das so nach meinem Geschmack ist.

Es spricht für die Klasse des Formats "Sing meinen Song", dass man Künstler wie Niedecken oder Samy Deluxe einlädt. Ebenso klar ist jedoch, dass man jene Einladung kaum ablehnen kann. Dazu ist Deutschlands musikalischste Fernsehshow einfach zu gewinnbringend für die teilnehmenden Musiker. In einer Juniwoche des vergangenen Jahres, daran erinnerte Kai Sturm noch einmal auf seiner Berliner Bühne, belegten erstmals in der Geschichte der deutschen Charts nur deutschsprachige Künstler die ersten zehn Ränge der Verkaufscharts. Fünf davon waren Teilnehmer der aktuellen "Sing meinen Song"-Staffel.

Nachvollziehbar wird dies, wenn man weiß, dass bis zu 2,58 Millionen Zuschauern pro Abend die "Tauschkonzerte" verfolgt haben. Für einen kleineren Sender wie VOX sind das überragende Werte. In Spitzenzeiten erreichte man bis zu 13,1 Prozent in der Zielgruppe der 14- bis 59-jährigen Zuschauer. Künstler wie Die Prinzen, Hartmut Engler von PUR oder Yvonne Catterfeld starteten über "Sing meinen Song" ein musikalisches Comeback oder wurden wie Daniel Wirtz oder Gregor Meyle in Staffel eins durch das Format überhaupt erst vom Mainstream-Publikum entdeckt.

"Eigentlich wollte ich in diesem Jahr nur bekannte Leute mitnehmen", gibt Xavier Naidoo zu und erzählt ein bisschen davon, dass er oft Anrufe von mehr oder minder lose mit ihm bekannten Musikern erhält, die nach ein bisschen Höflichkeits-Smalltalk irgendwann darauf zu sprechen kommen, dass sie gerne bei "Sing meinen Song" mitmachen würden. Man kann sich vorstellen, das dem von Teilen der Presse gern dämonisierten, aber im persönlichen Umgang liebevoll-kumpelhaften Naidoo diese Aufgabe des "Gatekeepers" eines TV-Erfolgs-Mekkas für Musiker durchaus schwerfällt.

Trotzdem sprang neben den "Rebellen" Niedecken und Samy Deluxe sowie erfahrenen TV-Personalities wie Nena, The BossHoss und der bei der Vorstellungsrunde noch etwas steif wirkenden Chanson-Pop-Sängerin Annett Louisan doch noch ein Platz für einen Newcomer heraus: Den Schweizer R'n'B-Musiker Seven lernte Xavier Naidoo während eines Söhne Mannheims-Konzert in Luzern kennen, wo der Lokalmatador die Bühne als Gast betrat. "Der Typ tanzt und singt wie Prince", schwärmte Naidoo bereits damals. Als musikalische Farbe aber auch Persönlichkeit könnte Seven, ein schlagfertiger, authentisch wirkender 37-Jähriger, durchaus funktionieren.

"Sing meinen Song" ist ohnehin mehr als eine TV-Show mit oft erstaunlich guter, live gespielter Musik. Seinen Mainstream-Erfolg verdankt das Format dem von den Kameras bisher immer erstaunlich gut eingefangenen, beseelten Gruppengefühl der Teilnehmer. Der Fernsehzuschauer ist ganz nah dabei, wenn Freundschaften entstehen, mehr oder minder bekannte Musiker die Anwesenheit der Kamera vergessen und liebevoll über Musik und ihr Leben erzählen. Soviel Authentizität bei gleichzeitigem Wohlfühl-Flair findet man selten auf der Mattscheibe - weshalb das Gesamtkunstwerk "Sing meinen Song" auch ein solch einzigartiges Unterhaltungsprodukt ist.

Ob die dritte Staffel ebenso gut funktionieren wird wie die zweite - bislang beste - Runde mit Christina Stürmer, Andreas Bourani, Yvonne Catterfeld, den Prinzen, Hartmut Engler und Daniel Wirtz? Man weiß es nicht. Und das ist auch das schöne an dieser Show, die mit jeder Neuauflage ein soziales Experiment bleibt. Anders geht es nun mal nicht in einer Show ohne "gescriptete" Gespräche und sonstige Vorgaben, wer sich dort wie zu verhalten habe. Im Prinzip muss sich jeder Teilnehmer der Reisegruppe in Südafrika, wo die Show im Garten einer malerischen Lodge mit Meerblick aufgezeichnet wird, erst finden.

Auf der Berliner Bühne konnte man bereits beobachten, dass Niedecken und Samy Deluxe eventuell die Position grimmiger Humoristen besetzen könnten, dass Nena wie immer buddhistisch entspannt bleibt ("Ich gehe mit großer Demut an jede neue Aufgabe heran"), während The BossHoss weiterhin ein bisschen aufpassen müssen, dass ihr eigentlicher Charakter hinter dem Rollenbild der tätowierten Countryrocker nicht verschwindet. Pures Rollenspiel, und sei es auch ein wichtiger Teil von Pop, funktioniert in diesem Format nicht.

In den ersten beiden Staffeln war "Sing meinen Song" stets größer als die Summe seiner einzelnen Teile respektive Teilnehmer. Es spricht viel dafür, dass man auch in diesem Jahr wieder Spaß mit dem VOX-Format haben wird.

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