Kommissar Marthaler: Engel des Todes - Mo. 07.03 - ZDF: 20.15 Uhr

Ein Kunstraub wie gemalt

+
Großstadtmelancholiker mit dem Hang, sich in seine Fälle zu verbeißen: Kommissar Robert Marthaler (Matthias Koeberlin) von der Frankfurter Mordkommission 1.

Fall vier für Matthias Koeberlin alias "Kommissar Marthaler": wieder ein spannungsgeladenes, aber inhaltlich dick aufgetragenes Krimivergnügen für Großstadtmelancholiker.

Er bringt in die deutsche TV-Krimilandschaft fraglos eine eigene Farbe ein, dieser Frankfurter Großstadtmelancholiker Robert Marthaler (Matthias Koeberlin). Eine Farbe, düster und schillernd wie die ruhelosen Nächte in der Mainmetropole. Optisch und atmosphärisch sind es allerfeinste Neo-Noir-Stücke, die der Regisseur und Drehbuchautor Lancelot von Naso seit 2013 fürs ZDF nach den Romanen von Jan Seghers adaptiert. Inhaltlich hingegen muss man manches Hühnerauge zudrücken - so auch diesmal, in der Premiere "Engel des Todes": Ein spektakulärer und brutaler Kunstraub führt auf labyrinthischen Wegen zu einem ungelösten Prostituiertenmord von vor 40 Jahren. Ein schauerliches Krimivergnügen für all diejenigen, die nicht alle Ecken mit der gleißenden Funzel der Logik ausleuchten müssen.

Andernfalls könnte allzu leicht ins Auge springen, dass hier vieles ein bisschen dick aufgetragen ist. Schon die actiongeladene Ouvertüre führt den wackeren Kommissar Marthaler an emotionale Abgründe: Den überfallenen Kunsttransport begleitete ausgerechnet seine schwangere Freundin Tereza (Ellenie Salvo González), die mit schweren Schussverletzungen ins Krankenhaus eingeliefert wird. Ihr Überleben und das ihres ungeborenen Kindes sind ungewiss. Marthaler aber mag ihr nicht stumm am Bett die Hand halten. Gegen die Order seines Vorgesetzten (Peter Lerchbaumer) schaltet er sich eigenmächtig in die Fahndung nach den Tätern ein, und die bringt gar Abenteuerliches zutage.

Ein kleinkrimineller Informant haucht Marthaler mit seinem letzten Atemzug das Wort "Rosenherz" zu, ehe er von unbekannter Hand zugerichtet verstirbt. "Rosenherz"? Marthaler hat's schnell ergoogelt: So hieß eine Frankfurter Edelprostiuierte, die vor 40 Jahren erstochen wurde. Der Fall wurde nie aufgeklärt - ihren vielen prominenten Freiern aus Politik und Wirtschaft mag es recht gewesen sein. Nur was hat der Kunstraub in der Gegenwart mit dem Tötungsdelikt von anno dazumal zu tun? Nun: Die Verbindung ist etwas abenteuerlich, aber der Weg zur Lösung des Rätsels ist trefflich in Szene gesetzt.

Erst gegen Ende nimmt die Cop-Folklore Überhand - da sitzen der suspendierte Marthaler und seine loyalen Kollegen von der Mordkommission 1 (Julia Jentsch, Jürgen Tonkel, Tim Seyfi, Claudio Caiolo) klandestin im Keller bei Flaschenbier und Lieferpizza und grübeln, wie sie einen von höchsten Stellen geschützten Großindustriellen doch noch zu fassen kriegen. In dieser Manier tänzelt der jederzeit atemlose 90-Minüter über den Grat zwischen Pulp-Erzählung und perfekt augeleuchtetem Großstadthriller. Wer's spannungsgeladen mag und wer die vielen ländlichen Schmunzelkrimis über hat, tänzelt sicherlich gerne mit.

Name der Sendung Kommissar Marthaler: Engel des Todes
Sendedatum 07.03.2016
Sender ZDF
Sendezeit 20:15:00
Genre Kriminalfilm
Filmbewertung überzeugend
Genre Kriminalfilm
Filmname Kommissar Marthaler: Engel des Todes
Originaltitel
Regisseur Lancelot von Naso
Schauspieler Matthias Koeberlin
Schauspieler Ellenie Salvo González
Schauspieler Peter Lerchbaumer
Entstehungszeitraum 2015
Land D

Das könnte Dich auch interessieren

Kommentare