Geplante Tracing-App

„Kommunikatives Desaster“: Digitalstrategen kritisieren „Chaos um die Corona-Apps“

„Chaos“, „kommunikatives Dsaster“: Bundesgesundheitsminister Jens Spahn spürt Gegenwind bei seiner geplanten Corona-App.
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„Chaos“, „kommunikatives Dsaster“: Bundesgesundheitsminister Jens Spahn spürt Gegenwind bei seiner geplanten Corona-App.

Eigentlich sollte die sogenannte „Corona-App“ Mitte April an den Start gehen und wichtige Daten der Teilnehmer ermitteln, um im Ansteckungsfall Bewegungsmuster der Betroffenen und deren Kontakte - und mögliche Ansteckungsherde - ausfindig zu machen.

Daraus wird erst einmal nichts: Die App ist auf unbestimmte Zeit verschoben.

Warum das so ist, beleuchtet am späten Mittwochabend (22.45 Uhr) das Doku-Format „ZDFzoom“. Der Titel der Sendung, „Das Chaos um die Corona-Apps“, scheint Programm. Denn Digitalexperten, so stellen die Reporter Tim Gorbauch und Stefan Ebling fest, attestieren den Entwicklern der App und deren Auftraggeber - der Bundesregierung - „mangelnde Transparenz und ein kommunikatives Desaster“.

Das Reporterteam lässt Forscher und Datenexperten zu Wort kommen. Henning Tillmann, Diplom-Informatiker und Vorsitzender des Think-Tanks D64 - Zentrum für digitalen Fortschritt ,sagt etwa: „Seit Wochen wird über die App gesprochen, als wäre sie das Allheilmittel. Das war mir aus technischer Sicht völlig unklar, wie man solche Versprechungen machen kann. Das war oder ist mit einer App erstmal nicht möglich.“

Ohne Apple und Google geht nichts

Andere kritisieren, dass die deutsche App zunächst zentral angelegt werden sollte. Dabei sei lange schon klar gewesen: Ohne die Hilfe von Google und Apple kann die App nicht funktionieren. Die beiden Tech-Konzerne unterstützen aber ausschließlich eine dezentrale Speicherung. Immerhin: Die digitalen Big Player sendeten jüngst Signale zur Unterstützungsbereitschaft.

Auch über der Frage, ob die Nutzung der App freiwillig oder gesetzlich verpflichtend sein soll, herrscht Uneinigkeit. Der Deutsche Landkreistag fordert eine App-Pflicht, die der Bundesdatenschutzbeauftragter Ulrich Kelber eher kritisch sieht: „Ich glaube, man kriegt bessere Daten, wenn es freiwillig ist.“ Es sei schwierig, diesen Zwang durchzuführen und noch schwieriger, ihn zu überprüfen: „Ist es eine Ordnungswidrigkeit, wenn ich das letzte Update des Betriebssystems nicht eingespielt habe? Wenn ich das Handy auf dem Schreibtisch im Büro liegen lasse oder wenn ich zur Toilette gehe? Und wie will der Polizist auf der Straße das überprüfen?“

teleschau

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