„Die Story im Ersten: Corona-Chroniken“

Kollektives Tagebuch der Pandemie: „Wie Krankenpflege in einem Kriegslazarett“

In Zeiten von Corona ist das Mailänder Ambulanz-Team für den italienischen Sanitäter Andrea (links) wie eine zweite Familie.
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In Zeiten von Corona ist das Mailänder Ambulanz-Team für den italienischen Sanitäter Andrea (links) wie eine zweite Familie.

Ohne Zweifel, Corona hat das Leben sehr vieler Menschen verändert. Und das weltweit. Einen global umspannenden Überblick liefern die „Corona-Chroniken“. Unterschiedlich Betroffene aus verschiedenen Ländern geben Einblicke in ihr Schicksal während der Krise. Gefilmt haben sie mit ihren Handykameras.

Seit dem März 2020 ist die Welt eine andere geworden. Die Corona-Pandemie hat das Leben praktisch zu einem Stillstand gebracht. Und zwar weltweit. Doch welche Bilder werden im Gedächtnis bleiben? Das fragt die Autorin und Regisseurin Elke Sasse („#Myescape“) mit ihrem Dokumentarfilm „Corona-Chroniken“. Nach seiner Weltpremiere beim DOK.fest München, das erstmals online stattfand, und einer Erstausstrahlung bei ARTE im Mai ist der Beitrag am Montag, 8. Juni, 22.45 Uhr, auch im Rahmen von „Die Story im Ersten“ zu sehen.

Im Zeitraum von Mitte März bis Mitte April haben unterschiedlich Betroffene in verschiedenen Ländern ihr Leben und ihre Erfahrungen mit der Pandemie aufgezeichnet. Mit ihren Handykameras schreiben sie so ein globales Videotagebuch während der Hochphase von Corona, Covid-19 sowie Verzweiflung und auch Tod.

Wie in einem Kriegslazarett

Die spanische Krankenschwester Nerea beispielsweise steht vor der Intensivstation eines Krankenhauses in Barcelona. Ihr attraktives Gesicht ist kaum zu erkennen. Es ist verdeckt mit gleich zwei übereinanderliegenden Masken. Dieser doppelte Schutz soll eine mögliche Ansteckung des Pflegepersonals verhindern. Doch Nerea vertraut der vermeintlichen Sicherheit längst nicht mehr.

„Wir wurden vorgewarnt, es würde wie Krankenpflege in einem Kriegslazarett sein“, sagt Nerea in ihre Handykamera. Dabei bleibt sie erstaunlich sachlich - und wirkt deshalb so erschütternd. „Dauernd sterben uns die Menschen weg. Sie sterben unter Bedingungen, die mir unmenschlich erscheinen“, fasst sie zusammen. Sie sei Krankenschwester geworden, um Menschen zu heilen, so Nerea weiter.

Die Krankenschwester in Barcelona hat während der Hochphase der Pandemie sehr harte Einblicke erlebt. Anders ein junger Mann aus China, der in Berlin eigentlich als Dozent gearbeitet hat. Er hat Deutschland mit einem der letzten Flüge in Richtung seines Heimatlandes verlassen. Zurück in seiner Wohnung in Peking atmet er durch. Er meint jedenfalls: „Ich gehe zurück nach Peking, weil die Fallzahlen in Deutschland steigen. In China ist die Situation unter Kontrolle.“

Globale Bedrohung

Durch ihre ganz unterschiedlichen Alltagserfahrungen erzählen Menschen wie Nerea aber auch ein Fahrradkurier in New York, ein afghanisches Mädchen im Flüchtlingscamp Moria auf der griechischen Insel Lesbos oder ein indischer Bauarbeiter aus ihrem Leben - insgesamt ein berührendes Stück Zeitgeschichte. Wie Corona rund um den Erdball wirklich wirkt, bleibt dabei eher subjektiv. „Die Regierung sagt, dass das Virus tötet“, meint etwa der indische Bauarbeiter. Seine Verzweiflung ist für ihn ungleich bedrohlicher, da er mit der Zwangseinstellung seiner Arbeit keine Rupie mehr verdient. Er fügt an: „Aber in Wirklichkeit sterben wir an Hunger!“

teleschau

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