Zweimal zweites Leben - So. 17.04 - ZDF: 20.15 Uhr

Kein Koma-Kitsch

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Unermüdlich versucht Leo (Benno Fürmann), seine Frau Ännie (Heike Makatsch) aus dem Koma ins Leben zurückzuholen.

Heike Makatsch, Jessica Schwarz und Benno Fürmann werden im "ZDF-Herzkino" schicksalhaft in eine Dreierkonstellation verwickelt.

"Hochspannend und nicht mit richtig oder falsch zu beantworten", beschreibt Benno Fürmann die Situation, in der seine Figur Leo Borchert im ZDF-Film "Zweimal zweites Leben" steckt. Zusammen mit Heike Makatsch spielt Fürmann ein Paar, das seit über 20 Jahren gemeinsam glücklich ist. Dann fällt die Frau ins Koma. Als sie erwacht, ist sie eine Andere als vorher und erkennt die eigene Familie nicht wieder. Der verantwortungsbewusste Mann hat sich unterdessen verliebt und sagt: "Ich will auch, dass mein Leben weitergeht." Was nun? Diese - zugegeben nicht ganz neue - Idee liegt dem Film zugrunde, wird aber aufrichtig, frisch und ohne moralische Wertung durchgespielt. Bei aller Herzkinohaftigkeit funktioniert "Zweimal zweites Leben" als Denkanstoß, ob Beziehungsmodelle und Wertvorstellungen nicht manchmal flexibel gehandhabt werden müssen.

Bevor das Unglück in Form eines Reitunfalls hereinbricht, macht eine sehr lange Eingangsszene unbeschwerten Familienglücks beim Campingausflug gleich klar: Das hier steht auf einem über lange Zeit gefestigten Fundament der Liebe und der Lebenslust, die Beziehung von Optimist Leo (Fürmann), der spontanen Ännie (Makatsch) und ihrer zauberhaften Teenie-Tochter Zora (Sofie Eifertinger). Ja, stellenweise wird etwas dick aufgetragen. Zum Beispiel auch, wenn Leo mit seiner komatösen, im Ganzkörperrollstuhl fixierten Frau den Versuch anstellt, eng umschlungen zu tanzen, während Zora dazu U2 aufdreht: "One Love, one life, ...". Oder wenn Leo gemeinsam mit seiner Klinikbekanntschaft Esther (Jessica Schwarz) auf dem Motorrad durch Bilderbuch-Oberbayern braust, freudestrahlend unterm offenen Visier. Doch es geht auch anders zu in diesem mehrschichtigen Drama.

Esther, lebensfrohe Weltenbummlerin und irgendwie nur versehentlich als Restaurantbesitzerin in München hängen geblieben, teilt Leos Schicksal. Ihr Freund Martin liegt ebenfalls im Koma. Die beiden führten eine kürzere, andere Beziehung als das Traumpaar Borchert. Sie weiß mit der Lage nicht umzugehen wie Leo, dem nie die Ideen und die Energie ausgehen, wie er vielleicht in Ännies Bewusstsein vordringen könnte. Doch auch so ein Vorzeige-Ehemann braucht mal Zuspruch, und da beginnt behutsam die Geschichte von Leo und Esther. "Das Leben kann man nicht wiederhaben", findet sie. "Das lebt man jetzt." Leo gibt seinen Gefühlen nach. Und dann wacht Ännie auf.

Es ist tatsächlich beeindruckend, wie Heike Makatsch hier in zwei völlig verschiedene Rollen schlüpft: Ännie vor und Ännie nach dem Koma. Haltung, Mimik, Blick und vor allem Stimme sind völlig verändert. Doch nicht nur der Familie fällt es schwer, in dieser deutlich gezeichneten und desorientierten Frau die geliebte Tochter, Frau und Mutter wieder zu erkennen. Auch Ännie kann zu den Leuten an ihrem Krankenbett keine Verbindung herstellen. Es wird ein langer Weg zurück ins Leben. Leos Annäherungsversuche sind da nicht unbedingt erwünscht.

Weder kann und will Leo Ännie im Stich lassen, noch seine Gefühle für Esther ignorieren. Es ist eine ganz besondere Herausforderung für die Figuren in dieser Geschichte. Um noch einmal den Hauptdarsteller zu zitieren: "Das Leben ist kompliziert."

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