Von wegen Kunst

Keanu Reeves für zuhause: „John Wick: Kapitel 2“ auf DVD, Blu-Ray und Co.

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Keanu Reeves gibt als John Wick einen Killer wider Willen, der gepresst spricht, steif geht und alles bereut, was er tun muss.

Ballern genügt nicht. „John Wick: Kapitel 2“ will einen ästhetischen Rahmen. Aber einzig überzeugender Aktivposten des Action-Franchises bleibt Keanu Reeves.

„John Wick: Kapitel 2“ (2017) setzt zunächst beim ersten Teil (2014) an. Dort schlitterte Wick (Keanu Reeves) in eine Auseinandersetzung mit der russischen Mafia. Nun beendet er die Fehde, wobei sein geschätzter 1969-er Ford Mustang, weil als Waffe eingesetzt, zum Schrotthaufen wird. Hatte Wick im ersten Film mühselig sein Waffenarsenal ausgebuddelt, mauert er es nun im Keller seiner Bauhaus-Villa wieder ein. Doch Frieden beim Spielen mit seinem Hund und in trauernder Erinnerung an seine verstorbene Frau findet er nicht. Die 800.000 Deutschen, die den Film auf der großen Leinwand sahen, dürften auch nichts anderes erwartet haben. Nun erscheint der Film fürs Heimkino.

An einen verpflichtenden Blutschwur appellierend, möchte Mafioso Santino D'Antonio (Riccardo Scamarcio) den Ruheständler unbedingt für einen weiteren Job engagieren. Das Opfer: die Schwester des Gangsters. Wick lehnt zunächst ab. Doch als sein Glas-und-Beton-Zuhause später in Schutt und Asche liegt, willigt er zerknirscht ein. In Rom nimmt die Erledigung des Auftrags einen ungewöhnlichen Verlauf, hat jedoch das gewünschte Resultat. Aber Wick wird zum Gejagten: Santino setzt sieben Millionen Dollar auf seinen Kopf aus - angeblich, um seine Schwester zu rächen. Alle Auftragsmörder der Welt sind brennend interessiert.

Das Sequel ist um eine ästhetische Umgebung bemüht und schindet sich mit literarischen Klimmzügen - siehe auch der prätentiöse Untertitel „Kapitel 2“. Doch Chad Stahelskis stupide Blutzoll-Inszenierung vermag dem Film keinerlei Glanz zu verleihen. Symptomatisch ist der gelangweilte Abstand der Kamera (Dan Laustsen) zu den Geschehnissen, es sei denn, Wick ringt mit Cassian (Common) oder der stummen Santino-Handlangerin Ares (Ruby Rose).

Der Showdown in einer Spiegelkabinett-Kunstinstallation namens „Reflections of the Soul“ markiert den Tiefpunkt: Unendliche Widerspiegelung desselben, in steter Metzel-Selbstüberbietung, aber ohne Seele. Keanu Reeves allein kann sie dem Film nicht einhauchen. So gut gibt er den Killer wider Willen, der gepresst spricht, steif geht und alles bereut, dass ihm dringend bessere Engagements zu wünschen sind.

Erhältlich als DVD, BD, BD UHD und als VoD.

tsch

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