Neue Sky-Serie „Zoey's Extraordinary Playlist“

Karaoke der Gefühle: Ist „Zoey's Extraordinary Playlist“ der Hit?

Begabt, nicht auf den Mund gefallen und ein bisschen nerdig: Zoey (Jane Levy) ist die perfekte Protagonistin für eine Serie, die nicht weit vom Silicon Valley spielt.
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Begabt, nicht auf den Mund gefallen und ein bisschen nerdig: Zoey (Jane Levy) ist die perfekte Protagonistin für eine Serie, die nicht weit vom Silicon Valley spielt.

Die neue Sky-Serie „Zoey's Extraordinary Playlist“ will die Welt durch Musik ein bisschen besser machen - das ist heiter und ziemlich naiv.

Das Gute für alle, die sich „Zoey's Extraordinary Playlist“ ansehen, ist: Es wird ziemlich viel gesungen und getanzt. Das Schlechte für die Titelfigur ist: Es wird ziemlich viel gesungen und getanzt ... Die Musik macht den Ton in der neuen Sky-Serie (ab 19. April), aber eben nur für Zoey (Jane Levy). Sie ist die einzige, die all die Gassenhauer von den Beatles, von Cindy Lauper, Salt'n'Pepa, Tears for Fears hört und teilweise opulente Musical-Choreografien in den Straßen, Büros und Appartements von San Francisco sieht.

Was daran besonders ist? Die Songs, die oft ziemlich unvermittelt in Zoeys Gehörgänge rauschen, drücken aus, was die Menschen fühlen, die sie singen. Schuld daran ist ein kleines Erdbeben während einer Computertomografie, das dafür sorgt, dass die komplette Spotify-Bibliothek im Kopf der forschen IT-Entwicklerin abgespeichert ist.

Weil die Gefühle ihrer Mitmenschen offenbar auf einer Wellenlänge mit den Songs sind, hört Zoey nun fremde Menschen singen, wenn sie einsam sind, traurig oder arrogant. Was für Zoey zunächst befremdlich ist, findet ihre patente Nachbarin ganz normal: Schließlich sind „Songs der Ausdruck unserer tiefsten Gefühle“. Ein Satz, der genauso einfältig ist, wie er sich anhört.

Gassenhauer zum mitfühlen

Zoey gewöhnt sich dann recht schnell an ihre neuen Superkräfte und wird für das Publikum zur Emotions-DJane. Dass sie vor allem Gassenhauer auflegt, ist ein perfekter Zug: Man kann mitsingen und dadurch mitfühlen - das ist quasi Gefühlskaraoke für Jedermann.

Ansonsten aber dudelt die harmoniebedürftige Serie von Austin Winsberg ziemlich seicht vor sich hin. Zoey entdeckt ihre Fähigkeiten, Zoey setzt ihre Fähigkeiten ein, die Welt wird durch Musik ein bisschen besser. Außerdem verliebt sie sich unglücklich, wird selbst unglücklich geliebt und kann dank ihrer musikalischen Antennen Kontakt zu ihrem Vater aufnehmen, der aufgrund einer seltenen Nervenkrankheit eigentlich nur noch apathisch auf der Couch sitzt.

„Zoey's Extraordinary Playlist“ ist weniger modern, als das schicke Hipster-Umfeld in San Francisco vorgaukelt. Zoey ist zwar eine von zwei Chefinnen (die andere wird von Alt-„Gilmore Girl“ Lauren Graham gespielt) in ihrer IT-Firma, woran der eine oder andere Kollege durchaus zu knabbern hat. Probleme jedoch - sei es die moderne Arbeitswelt der Millennials, sei es toxische Männlichkeit, seien es unheilbare Krankheiten - lösen sich schnell in Wohlgefallen auf und geraten in Vergessenheit. Das haben sie übrigens mit den meisten Drei-Minuten-Songs aus der „Heavy Rotation“ vieler Radiosender gemeinsam.

teleschau

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