„maischberger. die woche“

„Kann verstehen, dass es Aufruhr gibt“: Heftiger Talk-Schlagabtausch um AfD-Gründer Lucke

Ex-AfD-Mann Bernd Lucke klagte bei Sandra Maischberger über die Bedrohung durch linke Aktivisten.
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Ex-AfD-Mann Bernd Lucke klagte bei Sandra Maischberger über die Bedrohung durch linke Aktivisten.

Es ist selten geworden, dass Szenen aus dem deutschen Hochschul-Alltag Stoff für Schlagzeilen bieten.

Doch die von protestierenden Studierenden behinderte Rückkehr von AfD-Gründer Bernd Lucke an die Universität Hamburg hat eine heftige Kontroverse ausgelöst. Zu Gast im ARD-Talk von Sandra Maischberger schilderte Lucke, der nach einem verlorenen Machtkampf gegen den rechten Parteiflügel aus der AfD austrat, seine Sicht der Ereignisse. „Gewalttätige Demonstranten haben die Sicherheitskräfte der Uni überrannt!“, zeigte sich der Wirtschaftsprofessor fassungslos. Security-Mitarbeiter „sind verletzt, sind geschlagen worden!“ Seine Studenten hätten „den Hörsaal zum Glück unverletzt verlassen können“.

Die Hamburger Vorfälle wurden zuletzt parteiübergreifend verurteilt. Behaglich wollte es Gastgeberin Maischerberg Lucke in der Opferrolle aber nicht machen. Zum Streitgespräch hatte sie im Rahmen ihres neuen Talkkonzepts bei „maischberiger. die woche“ den Journalisten Georg Restle („Monitor“) geladen. Der gab Lucke dann auch heftig Contra: „Ich kann verstehen, dass es Aufruhr gibt.“ Lucke habe einer Partei den Weg bereitet, die den Rechtsextremismus in Deutschland hoffähig gemacht hat. Auch warf er dem Parteigründer „unmenschliche Sprache“ vor. Lucke von „Flüchtlingen als Bodensatz“ gesprochen und von einer „entarteten Demokratie“.

„Sie haben den Populismus immer noch gut drauf!“

Bernd Lucke räumte ein, dass er nicht mit derlei Problemen bei seinen Vorlesungen gerechnet hatte, da sein Partei-Austritt bereits viele Jahre zurückliege. Umso mehr sieht der 57-Jährige durch solche Proteste die Meinungsfreiheit in Deutschland gefährdet. Zum Beleg zitierte er eine aktuelle Allensbach-Umfrage: „Zwei Drittel der Bürger sind überzeugt, man müsse heute sehr aufpassen, zu welchen Themen man sich wie äußert.“ Die Leute hätten Angst sich im öffentlichen Raum zu äußern, ist sich Lucke sicher.

Eine heftige Diskussion über Meinungsfreiheit entbrannte, denn Georg Restle, der in der Vergangenheit Morddrohung von Rechtsextremen erhielt, konterte: „Ich glaube, dass wir in der Bundesrepublik noch nie so viel Meinungsfreiheit hatten.“ Er zog als Beispiel die Pegida-Demonstrationen, die Bundestagsdebatten und die Diskussionen in den sozialen Medien heran. „Wer allen Ernstes behauptet, die Meinungsfreiheit sei in Gefahr, weil es so etwas wie eine Meinungsherrschaft gibt, der begreift nicht, in welchem Land wir leben.“ Lucke sah das anders: „Politisch anders Denkende sind befangen, ihre Meinung zu äußern, weil sie gleich eingeordnet werden als der moralische Bösewicht.“ Restle erwiderte: „Sie haben den Populismus immer noch gut drauf!“

Schließlich wollte Maischberger von ihrem Gast wissen, ob er einen neuen Anlauf wagen werde, Vorlesungen an der Uni Hamburg zu halten. „Ich werde morgen wieder dort stehen!“, bekräftigte Lucke. Er habe sogar eine Schnellverbindung gebucht. „Auf Ihre Kosten, damit ich morgen wieder da sein kann.“

Weitere Gäste bei „maischberger. die woche“ waren am späten Mittwochabend im Ersten Moderator Micky Beisenherz, Nikolaus Blome, scheidender Vize-Chefredakteur der „Bild“, der britische Politologe Anthony Glees und die „Süddeutsche Zeitung“-Journalistin Ferdos Forudastan.

teleschau

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