Es kommt darauf an, sie zu verändern

„Der junge Karl Marx“: Vielschichtiges Biopic kommt ins Heimkino

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„Der junge Karl Marx“ erzählt von den frühen Jahren des großen Philosophen und Ökonomen.

„Der junge Karl Marx“ erinnert in einem überraschend debattenreichen und vielschichtigen Biopic daran, dass die Befreiung des Menschen aus der Knechtschaft das Wichtigste überhaupt ist.

An ihn traute man sich bislang kaum heran: Während diverse Hitlers oder Churchills in vielfältiger Erscheinung durch Filme stolzierten, war mit Karl Marx eine der bedeutendsten und widersprüchlichsten Persönlichkeiten der Geschichte bislang seltener Leinwandgast. Mögen die Theorien des gebürtigen Trierers von Eisenstein bis Godard die Meisterwerke der Kinogeschichte geprägt haben - über das Leben des „Kapital“-Autors erfuhr man bislang im fiktionalen Bewegtbild wenig. Das ändert sich nun mit dem Biopic „Der junge Karl Marx“ (2017, nun erhältlich auf DVD, Blu-ray Disc und als Video-on-Demand). Regisseur Raoul Peck erzählt von den frühen Jahren des deutschen Ökonomie-Genies und Aufklärers, dessen Schriften über das Wesen des Kapitalismus historisch weitreichende Folgen haben sollten. Mit einem herausragenden August Diehl als Marx gelingt ein überraschend theorie- und debattenlastiges Porträt eines von sich selbst überzeugten jungen Mannes, der die Welt revolutionieren wollte.

Mit sanften Erkundungen von Psyche und Beziehungen hält sich das diskursreiche Biopic kaum auf. Einerseits, weil dieser Marx sogleich derart eloquent und süffisant daherkommt, wie es seine bisweilen amüsant-ironischen Veröffentlichungen versprechen, und wie es nur einer wie der wunderbare August Diehl zu spielen imstande ist. Anderseits natürlich, weil auf dem Weg zur Emanzipation von den untragbaren Verhältnissen keine Zeit verloren gehen darf. Schließlich befinden wir uns im Jahr 1844, inmitten der beginnenden Industriellen Revolution, die den Menschen aus seinen traditionellen Zusammenhängen herausreißt und als geknechteten Lohnarbeiter unter brutaler Kapitalisten-Ägide wieder ausspuckt.

Die beeindruckende Präsenz eines klugen Mannes, der - nicht unarrogant - schon mit Mitte 20 das Scheitern der bürgerlichen Gesellschaft prophezeien wollte, trifft der „Der junge Karl Marx“ überraschend vielschichtig auf den Punkt. Mit dem Wissen um das, was da noch kommen sollte - „Das Kapital“, die Sowjetunion, Stalin und der unterdrückerische Staatssozialismus ebenso wie Kolonialismus, Großkapital und Globalisierung -, birgt der Film für den Zuschauer eine ebenso bedrückende Aktualität wie die Schriften seiner Hauptfigur.

teleschau

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