„Ich wollte eigentlich Großtierveterinärin werden“

Judith Hoersch im Interview

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Judith Hoersch ist seit der 15. Episode mit dem Titel „Ein neuer Anfang“ als „Lena Lorenz“ in der gleichnamigen Heimatreihe zu sehen. „Eine Figur über eine lange Zeit zu erzählen ist spannend, weil man mit ihr wächst“, findet die 38-Jährige.

Judith Hoersch ist seit der 15. Episode die neue „Lena Lorenz“ in der gleichnamigen Heimatfilmreihe. Im Interview erzählt sie von ihrer neuen Rolle - und erklärt, wie es ist, beim Drehen schwanger zu sein.

„Lena Lorenz“ bekommt ein neues Gesicht: Judith Hoersch hat am Donnerstag, 5. September, 20.15 Uhr, in der 15. Episode der gleichnamigen ZDF-Heimatreihe mit dem Titel „Ein neuer Anfang“ ihren ersten Auftritt als Hebamme Lena, die sie nach dem Ausstieg von Patricia Aulitzky nun verkörpert. Jeweils donnerstags zur Primetime werden nun vier neue Folgen der erfolgreichen Bergromanze mit Eva Mattes, Jens Atzorn und Liane Forestieri ausgestrahlt. Judith Hoersch, die momentan selbst schwanger ist, arbeitet nicht nur als Schauspielerin, sondern auch als Sängerin, Sprecherin und Autorin - und steckt voller Energie und Tatendrang.

nordbuzz: Auf Ihrer Webseite steht der Satz: „Etwas durchgeknallt ist ganz nah an wundervoll“. Inwiefern sind Sie durchgeknallt?

Judith Hoersch: (lacht) Gute Frage. Ich glaube, was viele Menschen immer stutzig macht, ist, dass ich sehr breit aufgestellt bin. Ich arbeite allem voran als Schauspielerin, aber ich habe auch eine Gesangsausbildung, ein Album aufgenommen, ein zweites ist in der Mache, und ein Buch geschrieben. Ich bin immer in Bewegung und habe einige kreative Ausdrucksmöglichkeiten. Für mich gibt es keine Grenzen, die setzt man sich nur selbst.

nordbuzz: Ab der fünften Staffel sind Sie in der Rolle der „Lena Lorenz“ in der gleichnamigen ZDF-Heimatreihe zu sehen. Warum haben Sie sich für dieses Format entschieden?

Hoersch: Ich habe immer viele unterschiedliche Rollen und Genres gespielt. Nun wollte ich mich mal länger in einer Figur etablieren und ankommen und nicht immer von einer Rolle zur nächsten springen. Das bringt auch eine gewisse Unruhe ins Leben. Eine Figur über eine lange Zeit zu erzählen, ist spannend, weil man mit ihr wächst. Und Lena ist schon sehr anders als Judith. Es gibt zwar sehr viele Überschneidungspunkte, aber sie hat trotzdem ganz andere Wünsche und Träume im Leben. Außerdem ist es schön, länger mit einem Ensemble zusammenzuarbeiten. Man wächst als Familie zusammen.

nordbuzz: Das Team rund um Eva Mattes, Jens Atzorn und Liane Forestieri besteht schon seit 2015. Wie war es für Sie, als Neue da einzusteigen?

Hoersch: Einfacher, als ich es mir vorgestellt hatte. Die Kollegen waren sehr offen und interessiert, wie es nun weitergeht. Vielleicht hatten die einen oder anderen Bedenken, das haben sie mich aber nicht spüren lassen. Natürlich steht man am Anfang auf der Beobachtungsliste und wird unbewusst abgecheckt, das ist exakt dasselbe, wie wenn man in eine neue Firma kommt. Aber es fühlte sich sehr schnell sehr gut an.

Schwanger bei den Dreharbeiten

nordbuzz: Wie reagierten die Fans auf Ihren Einstieg?

Hoersch: Ich glaube, es ist besser, man verfolgt so etwas nicht zu sehr. Der Mensch ist doch ein Gewohnheitstier und will erst mal keine Veränderung. Patricia Aulitzky hat die Figur bekannt gemacht und war das Herzstück der Reihe. Ich denke, es gibt wenige, die begeistert sind, wenn plötzlich jemand Neues kommt. Aber ich glaube, dass man sich relativ schnell an das neue Gesicht gewöhnt, wenn man die Filme sieht. Deswegen sehe ich das eigentlich ganz locker.

nordbuzz: Sie sprechen als Lena Lorenz auch ein bisschen Dialekt. War das schwer?

Hoersch: Am Anfang war es vor allem eine Suche, wie viel Dialekt gut ist. Wir haben auch Zuschauer aus Lübeck, Hamburg oder Bremen, die manche Sätze vielleicht nicht richtig verstehen. Die Kunst war, das richtige Maß zu finden. Es ist immer leicht, einen Dialekt phonetisch zu lernen, aber diesen dann richtig zu dosieren, ist etwas schwieriger.

nordbuzz: „Lena Lorenz“ ist eine Hebamme. Haben Sie selbst schon eine Geburt miterlebt?

Hoersch: Tatsächlich ja. Wir haben am Set immer eine Fachkraft, die uns bei Geburten oder Untersuchungen zeigt, wie die Handgriffe gehen oder uns erklärt, wann man was tut oder sagt. Und sie ist Hebamme in einem Krankenhaus in Süddeutschland, in dem ich für meine Vorbereitung ein Minipraktikum machen und bei einer Geburt dabei sein durfte. Das war großartig.

nordbuzz: Nun sind Sie selbst schwanger ...

Hoersch: Stimmt, ja. Wenn ich so runtergucke ... (lacht)

nordbuzz: Können Sie aus der Serie etwas mitnehmen für Ihre eigene Schwangerschaft?

Hoersch: So direkt kann man das nicht sagen, ich bin ja keine Hebamme, sondern Schauspielerin. Ich habe vielleicht ein bisschen mehr Wissen als jemand, der sein erstes Kind bekommt und noch nie damit zu tun hatte. Ich habe sehr viel Fachliteratur gelesen, mich informiert, weil es mich sehr interessiert. Aber wenn ich in der Geburt liege, bringt mich das auch nicht wirklich weiter. Da muss jeder alleine durch.

nordbuzz: Wie ist es, beim Drehen schwanger zu sein?

Hoersch: Es klappt wirklich hervorragend, da habe ich wirklich Glück. Drehen ist vielleicht ein bisschen anstrengender als ein Bürojob, in dem man auch mal die Füße hochlegen kann. Beim Drehen, gerade als Hauptrolle, wird man die ganze Zeit beschallt - auch wenn es draußen 40 Grad hat. Das ist eine Herausforderung. Aber ich bin total fit, abgesehen davon, dass ich abends müder bin als normal. Es sind auch alle am Set total süß, ich werde da gut überwacht. Wenn die Mittagspause mal verschoben wird, kommt sofort jemand und fragt: „Schaffst du das noch bis um eins oder sollen wir dir ein Brot machen?“ Aber ich muss sagen, wenn wir abgedreht sind, bin ich auch froh, nach Hause zu fahren und einfach nur schwanger sein zu dürfen.

Schauspielerfahrungen in den USA und Großbritannien

nordbuzz: Ihre Schwangerschaft wurde in die Serie eingebaut ...

Hoersch: Genau. Ja. Die Filme, die wir jetzt drehen, sind allerdings erst im nächsten Jahr zu sehen. Natürlich konnte ich schnell rechnen, als ich gemerkt hatte, dass ich schwanger bin, und musste es sofort ansprechen. Man weiß nie, wie damit umgegangen wird. Dass die Schwangerschaft aber eingebaut wird, war nicht ganz abwegig, denn Lena hat ein gewisses Alter, einen festen Partner und einen geäußerten Kinderwunsch, das weiß auch der Zuschauer. Aber natürlich war es mit einem großen Aufwand verbunden. Es gibt viele, die sagen, das wäre ihnen zu riskant. Denn wenn ich als Hauptfigur ausfalle, dann steht der Laden.

nordbuzz: Die Serie wird vor der traumhaften Kulisse des Berchtesgadener Landes gedreht. Sie selbst leben in Berlin und kommen aus Köln. Könnten Sie es sich vorstellen, mal in den Süden zu ziehen?

Hoersch: Ich gehe zwar wahnsinnig gerne in die Berge und wandern, aber ich finde die Mischung am Besten. Ich bin 17 Jahre lang Reiterin gewesen, war also immer in der Natur, aber wenn ich nur in den Bergen leben würde, würde mir etwas fehlen. Ich brauche auch die Großstadt, das ginge auf Dauer nicht gut.

nordbuzz: Sie haben auch schon in Amerika und Großbritannien gearbeitet. Was haben Sie aus dieser Erfahrung mitgenommen?

Hoersch: In Amerika hatte ich ein Stipendium. Das hat sehr viel Spaß gemacht, denn die Amerikaner gehen mit dem Beruf ganz anders um als wir. Sie sind verspielter und leichter. Ich weiß nicht, wie es heute ist, aber früher war es bei uns an der Schauspielschule so, dass Theater die Kunst ist und Film eher die niedere Kunst. Die Menschen in Amerika haben einen anderen Kulturhintergrund und waren schon einen Kilometer weiter und viel breiter aufgestellt als wir. Die fragen nicht so viel nach. Wenn du einem Amerikaner sagst: „Spiele einen Hund“, dann geht er auf vier Füßen und bellt. Wenn du das einem Deutschen sagst, fragt er erst mal: „Warum?“ Wenn man ihm dann erklärt hat, warum er den Hund spielen soll, dann macht er das auch, aber er braucht einen anderen Motor. Ich habe in Amerika noch mal viel Kamerahandwerk und einen anderen Zugang zur Rollenarbeit gelernt.

nordbuzz: Und in Großbritannien?

Hoersch: England ist meine Ecke. Ich liebe England, den Humor, London, und ich leide beim Thema Brexit vor mich hin. Ich habe eine britische Agentur und habe da auch schon richtig schöne Filme gedreht. Ich hoffe, dass das in Zukunft mit Kind auch ab und an machbar ist. Ich mag die Art, wie die Engländer miteinander umgehen, und auch die Drehbücher sind toll. Das ist für mich ein ganz wichtiger Punkt, den ich auch nicht verlieren will.

Die Anfänge als Schauspielerin und Sängerin

nordbuzz: Ihre Eltern üben beide künstlerische Berufe aus. Wussten Sie schon immer, dass Sie auch als Künstlerin arbeiten wollen?

Hoersch: Nein, überhaupt nicht. Ich wollte eigentlich Großtierveterinärin werden, mit Schwerpunkt Pferderücken. Aber ich war auf einem musischen Gymnasium, von dem tatsächlich viele Schauspieler herkommen, und das hat dieses Feld wieder geöffnet. Meine Eltern haben mich immer sehr autark in der Hinsicht behandelt. Sie haben gesagt: „Lass dir Zeit. Du gehst deinen Weg.“ Da bin ich mit großem Vertrauen erzogen worden.

nordbuzz: Wie sind Sie dann zur Schauspielerei gekommen?

Hoersch: Am Anfang habe ich viel gespielt, getanzt und gesungen. Da wäre Musical naheliegend, aber ich bin überhaupt kein Musical-Fan. Das finde ich total kitschig und schrecklich. Dann habe ich während der Schule gemodelt und damit ganz gutes Geld verdient und habe nebenher Workshops, Wochenendseminare oder Theaterkurse als Schauspielerin gemacht. Dann stellte sich irgendwann heraus, dass das mein Ding ist.

nordbuzz: Ihr Vater war Musikjournalist, und Sie haben bereits 2013 ein eigenes Album veröffentlicht. Was bedeutet Ihnen die Musik?

Hoersch: Ich schreibe und mache sehr gerne Musik, und stehe wahnsinnig gerne auf der Bühne. Was ich in Zukunft allerdings nicht mehr haben möchte, ist dieses Denken, ich müsse in die Charts und bei einem großen Label sein. Das war 2012 noch anders, da hatte ich tatsächlich die Fantasie, mehr in die Pop-Richtung zu gehen. Ich arbeite mit einem Berliner Musiker, Karl Neukauf, der ein ganz toller Chansonist ist. Ich schreibe die Texte, und er hat eine Idee zur Musik, und das basteln wir dann zusammen. Ich würde sehr gerne mit den Songs live auftreten. Ich sehe mich allerdings nicht in der Pop-Richtung. Meine Musik ist eher textlastig und für ein Publikum, das sitzt und gerne zuhört.

Der Beruf und die Freizeit

nordbuzz: Sie sind Schauspielerin, Sängerin, Autorin und Sprecherin - wie bekommen Sie das alles unter einen Hut?

Hoersch: Wie es wird, wenn ich Mutter werde, weiß ich noch nicht. Aber momentan geht es ganz gut. Man macht auch nie alles zeitgleich. Ich habe Glück, denn ich habe generell sehr viel Energie, ich kann sehr lange sehr hart und viel arbeiten und habe großen Spaß daran. Ich habe auch kein Problem damit, im Kopf schnell umzuswitchen. Allerdings arbeite ich viel konzentrierter und weniger gehetzt als noch mit Anfang 20. Da stand ich unter dem Druck, alles auf einmal machen zu wollen. Heute mache ich alles nacheinander. Daran merke ich, dass ich älter geworden bin.

nordbuzz: Wie viel Zeit bleibt denn noch für die Hobbys?

Hoersch: Für mich ist das nicht getrennt, mein Job ist mein Hobby. Das ist so als Künstler, für mich ist alles miteinander verbunden. Allerdings gehe ich gerne in die Berge und wandern, mache viel Sport, Yoga und meditiere gerne. Ansonsten reisen wir sehr viel. Mein Freund und ich sind begeisterte Reisende und besuchen gerne neue Länder. Wir haben eine große Weltneugier.

nordbuzz: Sie unterstützen auch die Hilfsorganisation CARE ...

Hoersch: Eine ganz tolle Hilfsorganisation. CARE hat mich sehr angesprochen, weil die sehr Mutter-Kind-fixiert sind. Außerdem stellen sie immer Leute ein, die vor Ort für CARE arbeiten. Wenn man in Haiti ist, sind auch Haitianer mit im Team, das ist ein sehr guter Ansatz. Man kennt das CARE-Paket aus der Kriegszeit, aber was sie auszeichnet, ist, dass sehr wenig Geld in die Werbung und in die Außenwahrnehmung fließt. Damals, bei dem Erdbeben auf Haiti, haben wir ein großes Projekt gemacht. Das Unglück hat mich sehr erschüttert, weil ich der Karibik unheimlich nahe stehe, da ich als Kind dort eine lange Zeit war. Wir haben dann ein Hörbuch erstellt, das hieß: „Künstler lesen für Haiti“. Von dem Erlös hat CARE wieder Schulen aufgebaut.

teleschau

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