Fremde im Kinderzimmer

John Cho

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Schauspieler John Cho macht sich in „Searching“ als besorgter Vater auf die Suche nach seiner verschwundenen Tochter.

Als Mr. Sulu auf der USS Enterprise kennen ihn die „Star Trek“-Fans, nun stellt sich John Cho einer neuen Herausforderung und sucht im ungewöhnlichen Thriller „Searching“ online nach seiner verschwundenen Tochter.

John Cho ist vielen im Gedächtnis als (sehr junger) Harold aus „American Pie“ sowie in der „Harold und Kumar“-Reihe und natürlich als Mr. Sulu aus den „Star Trek“-Filmen. Nun übernahm der 46-Jährige die Rolle eines alleinerziehenden Vaters einer 16-Jährigen, von der er glaubte, sie gut zu kennen. Doch das Internet belehrt ihn eines Besseren. Wir sprachen mit dem Schauspieler über die ungewöhnlichen Dreharbeiten, das Phänomen, ständig digital präsent zu sein sowie alte und neue Ängste als Eltern im Online-Zeitalter.

nordbuzz: Was war Ihr erster Gedanke, als Sie vom Konzept des Films gehört haben?

John Cho: Mein erster Gedanke war „Nein, danke!“ (lacht)

nordbuzz: Wieso das?

Cho: Ok, mein allererster Gedanke war, dass mir die Geschichte und das Skript gut gefallen. Der Inhalt hat mich sehr fasziniert. Was mich aber dann etwas abschreckte, war die Tatsache, dass der Film quasi komplett in der Einstellung Schuss-Gegenschuss gedreht wurde. Diese filmische Erfahrung war neu für mich, und sie ist es mit Sicherheit auch für den Zuschauer. Davor hatte ich ein wenig Angst.

nordbuzz: Was hat Sie dann schlussendlich überzeugt?

Cho: Regisseur Aneesh Chaganty kam noch einmal auf mich zu und ist mit mir das Skript durchgegangen. Am Ende des Meetings hatte er mich vom Konzept überzeugt. Er gab mir das Gefühl, dass solch ein Kinoerlebnis viel mehr bietet als ein klassischer Thriller.

nordbuzz: War denn die Vorbereitung für Sie anders als für einen „normalen“ Film?

Cho: Unsere Tage am Set waren anders. Es gab quasi nur eine Einstellung von mir und ich habe nicht zu einer realen Person gesprochen. Zumindest die meiste Zeit. Das war ganz schön seltsam.

nordbuzz: Der Film warnt vor den Folgen, die es hat, dauerhaft online zu sein. Teilen Sie den kritischen Ansatz?

Cho: Es ist schwierig. Ich denke, es gibt zwei Betrachtungsweisen: Auf der einen Seite gibt es Menschen, die ihr ganzes Leben online offenlegen und jegliche, noch so privaten Details mit allen teilen. Andererseits habe ich das Gefühl, dass die Menschen online viel gemeiner zueinander sind. Diese Anonymität steht konträr dazu, alles teilen zu wollen. Da prallen einfach Welten aufeinander, und niemand weiß, was das bei so manchem anrichten kann. Die Frage ist auch, ob man im Internet aufrichtiger ist oder nicht. Ich denke da beispielsweise an all die optimierten Fotos in den sozialen Netzwerken und gleichzeitig an die vielen Trolle, die ihre vermeintliche Meinung in die Welt posaunen.

nordbuzz: Macht Ihnen das auch Angst? Sie haben ja selbst zwei Kinder, die in dieser Welt aufwachsen.

Cho: Ich bin auf jeden Fall beunruhigt. Der Film beweist ja, dass sich die Ängste von Eltern über die letzten Jahre gewandelt haben. Früher, wobei das natürlich immer noch aktuell ist, ging es darum, dass sie heil über die Straße kommen, nicht mit Fremden mitgehen und solche Sachen. Mittlerweile haben alle Fremden Zugang zu unseren Kindern direkt in ihren Zimmern. Eben durch das Internet. Diese Vorstellung ist für mich sehr schwer ertragbar.

nordbuzz: Ihr Sohn ist mittlerweile zehn Jahre alt. Wie gehen er und Sie mit dem Internet um?

Cho: Es ist faszinierend, wie online-affin er bereits ist und wie sehr ich doch hinterherhinke. Ich versuche dennoch, ihm ein Gefühl von Sicherheit zu geben. Sicherheit im Umgang mit dem Internet. Bei Fragen bin ich für ihn da und versuche auch so gut es geht mitzuhalten. Im Grunde genommen hat sich diesbezüglich nicht so viel verändert. Solange ich meinen Kindern Sicherheit gebe und mit ihnen über all die Dinge spreche, die auf sie einprasseln, habe ich die Hoffnung, dass sie mir genug vertrauen und erzählen, wenn sie etwas bedrückt oder sie sogar in einer Gefahrensituation sind.

nordbuzz: Ist es aus Ihrer Sicht richtig, sich wie Ihre Filmfigur in die Accounts des eigenen Kindes einzuloggen, um an Informationen über das Verschwinden zu kommen?

Cho: Als Elternteil wäre das für mich persönlich völlig in Ordnung. Das ist natürlich nur meine Meinung, denn ich bin mir sicher, meine Kinder sehen das anders. Aber so lange sie unter meinem Dach leben, ist es ja quasi auch mein Computer (lacht). Das ist natürlich nicht ganz ernst gemeint. Aber ich würde alles tun, um eines meiner Kinder in so einem Extremfall wieder nach Hause holen zu können.

nordbuzz: Gibt es für Sie bei „Searching“ eine tiefere Botschaft, von der Sie hoffen, dass der Zuschauer sie mit nach Hause nimmt?

Cho: Für mich persönlich ist die Botschaft, dass es tatsächlich schwer ist, Kinder großzuziehen. Diese ständigen Gefahren, die nicht nur draußen lauern, sondern eben auch direkt in unseren Wohnzimmern, sind manchmal schwer auszuhalten. Für David ist es besonders schwierig, denn er erfährt, dass seine Tochter nicht nur körperlich abwesend ist, sondern schon durch den Tod der Mutter langsam aber sicher die zwischenmenschliche Verbindung zwischen den beiden verloren gegangen ist. Auch wenn das auf den ersten Blick für ihn gar nicht so offensichtlich war.

nordbuzz: Und was wäre die Message für das jüngere, internetaffine Publikum?

Cho: Ich denke, dass „Searching“ zwei Seiten beleuchtet: zum einen, dass Margot gerade durch das Preisgeben in den sozialen Netzwerken in gewisse Schwierigkeiten gerät, und zum anderen, dass das Internet David bei der Suche hilft. Vielleicht sollten sich junge Menschen darüber Gedanken machen, was sie teilen, und die ältere Generation sollte das Internet nicht nur verteufeln.

teleschau

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