Ende des Erfolgsformats

Jetzt ist endgültig Schluss mit dem „Stadl“: ARD setzt auf Showcharakter

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Jörg Pilawa (52) wird auch 2017 gemeinsam mit Francine Jordi die ARD-Show zum Jahreswechsel moderieren.

Letzte Episode des unrühmlichen Endes des „Musikantenstadls“: Mit einer Titeländerung der traditionsreichen Silvestersendung ist das einstige Erfolgsformat von ORF, ARD und SRF endgültig Geschichte.

Jetzt hat die ARD auch den letzten kleinen Rest aus der „Stadl“-Ära getilgt: „Die Silvestershow mit Jörg Pilawa“ heißt die große Live-Sendung zum Jahreswechsel, die vor einem Jahr noch unter dem Label „Silvesterstadl“ (Untertitel in Deutschland: „Die Party des Jahres“) firmierte. Der Begriff „Stadl“ taucht in einer am Dienstag vom BR verbreiteten Mitteilung nicht mehr auf. Die Vorankündigung lässt darauf schließen, dass nun verstärkt der Charakter einer internationalen Musik-Show fokussiert werden soll, um das alte Image vom Schunkel-Event endlich abzuschütteln. Allerdings scheint sich inhaltlich gar nicht so viel zu ändern ...

Die zweite wichtige Neuerung neben dem neuen Titel: Die Sendung wird verlängert. „Die Zuschauerinnen und Zuschauer der TV-Gala dürfen sich in diesem Jahr auf eine 30-minütige Verlängerung freuen“, heißt es seitens des BR: „Die Silvestershow mit Jörg Pilawa“ werde am 31. Dezember live von 20.15 bis 1.00 Uhr im Ersten, ORF 2, und SRF ausgestrahlt. Versprochen wird ein „Hitfeuerwerk“ nebst „Partystimmung pur - zahlreiche musikalische Überraschungen, launige Zuspielungen und Publikumsaktionen inklusive“.

Die Veranstalter gehen in dem per Mail verbreiteten Statement auch auf den Namen der Sendung explizit ein: „Der Sendungstitel unterstreicht nun noch mehr den gewohnten Gala- und Showcharakter der großen Eurovisions-Silvesterparty.“

Und das ist bisher noch über die in der Grazer Stadthalle stattfindende Show zum Jahreswechsel 2017/2018 bekannt: Zum zweiten Mal werden Jörg Pilawa und die Schweizer Schlagersängerin Francine Jordi durch den Abend führen. Zu den bestätigten Gästen gehören „Song-Contest-Legende“ Johnny Logan, das Erfolgsduo Amigos, Schlagerstar Bernhard Brink und Publikumsliebling Marc Pircher. So richtig frisch ist der neue Anstrich also nicht. Die altbackene PR-Formel „Stars, Hits und beste Stimmung sind auch in diesem Jahr wieder garantiert“ passt ganz gut ins suggerierte Bild. Man kennt dann eben doch seine Zielgruppe.

„Francine Jordi und ich machen da weiter, wo wir im vergangenen Jahr aufgehört haben“, verspricht Jörg Pilawa: „Super Stimmung, Live-Musik vom Feinsten und jede Menge Spaß. Eine Riesenfete zum Jahreswechsel.“ Schlagerstar Francine Jordi, die dieses Mal auch wieder gemeinsam mit der Wolfgang Lindner Band musikalisch für Stimmung sorgen wird, betont: „Die Arbeit mit Jörg hat so richtig Spaß gemacht, und ich freue mich schon sehr darauf, zum zweiten Mal gemeinsam mit ihm das Publikum ins neue Jahr zu begleiten. Unsere Zuschauerinnen und Zuschauer dürfen sich wieder all das erwarten, was zu einer Silvesterparty dazu gehört: Hits, spannende Aktionen und jede Menge Spaß.“

Das „Stadl“-Thema gehörte in den Jahren 2015 und 2016 zu den großen Aufregern der TV-Branche. Zur Erinnerung: Die „Stadlshow“, ein auf jung getrimmter Nachfolger des „Musikantenstadls“, scheiterte nach nur einer regulären Sendung und einer Silvester-Ausgabe 2015 mit Karacho. Die 1981 erstmals ausgestrahlte Traditionssendung „Musikantenstadl“ war ja zum Leidwesen der vielen Fans schon seit Sommer 2015 Geschichte, der langjährige Moderator Andy Borg, Nachfolger des legendären Karl Moik, war damals geschasst worden.

Aber wenigstens am „Silvesterstadl“ hielten ARD, ORF und das Schweizer Fernsehen zunächst noch fest - mit einem neuen Moderator, dessen Verpflichtung im vergangenen Jahr für viele Fans ungefähr so überraschend kam, wie, sagen wir, ein Metal-Gitarrenriff bei den Amigos: Erstmals führte Jörg Pilawa durch die Sendung - gemeinsam mit Francine Jordi. Die Sängerin aus der Schweiz war auch bei dem missglückten „Stadlshow“-Versuch dabei, damals noch mit Alexander Mazza. Klingt alles kompliziert? ARD-„Quizonkel“ Pilawa nimmt's leicht: „Silvester ist Silvester ist Silvester und damit Party. Und darauf habe ich riesige Lust“, konstatiert er vor einem Jahr.

Aber der Entertainer und selbsternannte Quizonkel der ARD versteht natürlich sein Geschäft. Mit Jörg Pilawa stimmte plötzlich die Quote wieder. 3,47 Millionen Zuschauer sahen zum Jahreswechsel 2016/2017 im Ersten zwischen 20.15 Uhr und Mitternacht zu - das waren 660.000 mehr also als im Vorjahr, und die ARD hatte am Abend die Nase vorn. Da auch die Kritiken überwiegend positiv ausfielen, war schnell klar, dass es eine Neuauflage geben wird, deren Titel Bände spricht. Mit der „Silvestershow mit Jörg Pilawa“ ist die TV-Marke „Stadl“ endgültig Geschichte.

Wer sich fragt, was eigentlich Andy Borg heute macht: Der 56-Jährige geht weiter seinen Weg. Unter anderem veröffentlichte er in diesem Jahr ein neues Album und gab viele Konzerte, auf Melodie TV etablierte er eine eigene kleine Sendung („Andy Borg bei Freunden“), und im Herbst wird er sich unter seiner guten, alten Dachmarke, aber ohne Fernsehkameras von den treuen Stadl-Fans feiern lassen: Vom 3. bis 5. November ist Andy Borg erstmals Gastgeber beim „Herbststadl“ in Porec/Kroatien. Dort, an der schönen Adria in Istrien, steigt eine Art „Wacken der Volksmusik“ - neben vielen einschlägigen Größen der Schlagerszene ist auch Borgs alter Kumpel Stefan Mross mit von der Partie. Er wird an einem der Abende moderieren.

teleschau

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