Die gefährlichste Band der Welt

Jetzt auf DVD: „Gimme Danger“ – Jim Jarmusch erzählt vom Iggy-Pop-Mythos „The Stooges“

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Überlebenskünstler Iggy Pop, der am 21. April 70. Geburtstag feierte, erzählt seinem Freund Jim Jarmusch die Geschichte der Stooges.

Im April dieses Jahres feierte Punk-Ikone Iggy Pop ihren 70. Geburtstag. Jim Jarmusch schenkte dem Freund einen starken Dokumentarfilm über die Geschichte seiner einflussreichen, aber erfolglosen Band The Stooges.

Viele Bands in der mittlerweile über 60 Jahre währenden Rock-Geschichte gaben sich provokant, man lebte und arbeitete „gegen das Establishment“. Niemals zuvor und schon gar nicht danach gab es jedoch so etwas wie The Stooges. In ihrer ersten Inkarnation spielten sie zwischen 1967 und 1974 drei erfolglose Alben ein, die für die spätere Musikkultur allerdings ungeheuer einflussreich waren. Anlässlich des 70. Geburtstages seines Freundes Iggy Pop hat Regisseur und Musik-Fan Jim Jarmusch die Geschichte der Band in „Gimme Danger“ (2016, nun erhältlich auf DVD, BD und als VOD) festgehalten.

Dass Iggy Pop, dieser ledrige, dünne Typ aus Ann Arbor, Michigan, überhaupt mal 70 Jahre alt werden würde ... nicht allzu viel sprach dafür. Bereits Mitte, Ende der 60-er rutschte er in die unterste Schublade des Rock'n'Roll-Lifestyle ab. Gemeinsam mit den Brüdern Ron und Scott Asheton (Gitarre, Schlagzeug) sowie Bassist Dave Alexander hatte er ein von Blues und experimenteller Musik beeinflusstes Krach-Ensemble namens The Stooges gegründet.

Die Tage verschlief man im Drogennebel, um abends einem verstörten Publikum die wohl heftigste Musik ihrer Zeit um die Ohren zu hauen. Das wenige Geld teilten „die Kommunisten“ (O-Ton Iggy Pop) unter sich auf.

Als The Stooges lakonische Punkrock-Hymnen wie „I Wanna Be Your Dog“ und „No Fun“ einspielten, träumte der Rest der Pop-Welt noch von Flower Power. Dass weite Teile der damaligen Gegenkultur in Marketing-Meetings der großen Plattenfirmen erdacht wurden, ist eine der vielen klugen Erkenntnisse über das Musikgeschäft jener Tage, die Jim Jarmusch in seiner spannenden Band-Biografie herausarbeitet.

„Gimme Danger“ ist so ökonomisch und präzise wie ein schneidendes Gitarrenriff von Ron Asheton. In schnellen Schnitten und hoher erzählerischer Dichte wird nebenbei eine stimmungsvolle Geschichte der USA jener Jahre erzählt, als das Business offen schmutzig und Rock noch gefährlich war.

Jim Jarmusch zaubert aus dieser spannenden Lebensreise mit wenigen Gipfeln und vielen Tälern einen klassischen Musik-Dokumentarfilm, der in seiner technischen und erzählerischen Finesse beweist: Künstlerisch ist mit der 64-jährigen Ikone des amerikanischen Independent-Films weiterhin zu rechnen.

teleschau

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