Jeder schweigt für sich allein

Jetzt im Heimkino: Spannendes Beziehungsdrama „The Salesman“

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In „The Salesman“ dekonstruiert der iranische Regisseur Asghar Farhadi mit leisen Tönen und nervenzerfetzender Spannung die Beziehung eines Paares.

Der iranische Regisseur Asghar Farhadi knüpft mit dem intelligenten und spannenden Beziehungsdrama „The Salesman“ an seinen Erfolg „Nader und Simin“ an.

Die Risse an der Wand ihrer Wohnung sind Vorboten dessen, was auf den Teheraner Lehrer Emad (Shahab Hosseini) und seine Frau Rana (Taraneh Alidoosti) zukommen wird. In seinem intensiven Drama „The Salesman“ (2016) lässt der iranische Regisseur Asghar Farhadi („Nader und Simin“, 2011) das Gebäude zwar stehen, die Beziehung von Emad und Rana aber droht zu kollabieren. Farhadi schickt das Paar in eine Hölle aus Schuld, Sühne, verletztem Stolz und befremdlichen Eigenheiten der iranischen Gesellschaft. Der Cannes-Abräumer aus dem Vorjahr (bestes Drehbuch und Hosseini als bester Darsteller) sowie diesjährige Oscargewinner als bester fremdsprachiger Film erscheint nun auf DVD und als Video-on-Demand.

Für Rana und Emad ziehen nach einem Beinahe-Einsturz ihres Apartmenthauses in eine Übergangswohnung, die ihnen ein Freund anbietet. Allerdings hat die Vormieterin dieser Wohnung nicht nur ihre Möbel und persönlichen Sachen dort gelassen, sondern auch ihre Vergangenheit. Sie pflegte offenbar Umgang mit mehreren Männern. Dass sie eine Prostituierte war, wird explizit nicht ausgesprochen. Eines Abends findet Emad seine Frau blutend und schwer traumatisiert im Badezimmer. Der Zuschauer geht unwillkürlich von einer Vergewaltigung Ranas aus. Aufgeklärt wird das aber nie, genauso wenig darüber geredet.

In kunstvoller Beiläufigkeit geht Farhadi mit einer Gesellschaft ins Gericht, die sich in moralischen Fragen harte Urteile erlaubt, aber sprachlos bleibt. Anzeige zu erstatten und die Polizei ermitteln zu lassen, kommt jedenfalls nicht in Frage. Vergewaltigte Frauen sind nicht nur Opfer eines Gewaltverbrechens, sondern auch der Schande, die ihnen aufgezwungen wird. Emad redet mit Rana nicht darüber, was passiert ist, sondern nur darüber, wie er den Täter finden und bestrafen will. Aus dem netten, kumpelhaften Lehrer wird ein düsterer Rächer, der sich weniger um das Befinden seiner Frau kümmert, sondern vielmehr seine persönliche Genugtuung sucht.

Asghar Farhadi schafft es einmal mehr, in einem Beziehungsdrama eine unerträgliche Spannung zu erzeugen. Die ergibt sich ganz allein aus den inneren Konflikten und aus den komplexen Entwicklungen, die seine Figuren durchmachen. Farhadi verschachtelt die Handlung kunstvoll und beobachtet seine Figuren in einer anspruchsvollen Inszenierung aus verschiedenen Perspektiven: Die Kamera findet durch Türen und Fenster immer wieder neue Blickwinkel auf innere Paar-Angelegenheiten und die Welt da draußen. Denn wie Emad und Rana stecken auch Nachbarn und Freunde in einem moralischen Dilemma.

tsch

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