ZDF-Talkshow „Markus Lanz“

„Jeder Fünfte macht falsche Angaben“: Medizinerin erklärt Problem mit der Kontaktnachverfolgung

Dr. Ute Teichert stellte in der jüngsten Ausgabe der ZDF-Talkshow "Markus Lanz" die schwierige Lage der Gesundheitsämter dar und kritisierte die zunehmende Verbreitung von falschen Kontaktangaben in Restaurants, bei Grenzkontrollen oder in Flugzeugen.
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Dr. Ute Teichert stellte in der jüngsten Ausgabe der ZDF-Talkshow „Markus Lanz“ die schwierige Lage der Gesundheitsämter dar und kritisierte die zunehmende Verbreitung von falschen Kontaktangaben in Restaurants, bei Grenzkontrollen oder in Flugzeugen.

Die Corona-Pandemie zeigt viele Schwachstellen im deutschen Gesundheitswesen auf - beispielsweise, dass die Gesundheitsämter seit Jahren unterbesetzt sind.

Dies sei bereits vor der Pandemie ein Problem gewesen, betonte Medizinerin Dr. Ute Teichert in der jüngsten Ausgabe der ZDF-Talkshow „Markus Lanz“. Teichert ist die Vorsitzende des Berufsverbands der Ärzte des öffentlichen Gesundheitsdienstes und vertritt die Interessen der rund 3.000 Ärzte und Ärztinnen in den Gesundheitsämtern. Bei Lanz machte sie am Dienstagabend deutlich, vor welchen Schwierigkeiten die Gesundheitsämter trotz der Unterstützung durch die Bundeswehr aktuell stehen.

Dass die Kontaktketten seit einigen Wochen nicht mehr vollständig nachverfolgt werden können, liege an mehreren Faktoren, berichtete die 58-Jährige. „Unter Umständen, dass die Leute sich nicht mehr erinnern können, mit wem sie Kontakt hatten, oder sich vielleicht auch nicht erinnern wollen.“ Letzteres nehme immer mehr zu, erklärte Teichert. Auf Nachfrage des Moderators Markus Lanz erläuterte sie, dass inzwischen jeder wisse, was es bedeute, wenn man einen Kontakt angebe: „Man muss unter Umständen in Quarantäne. Und die Leute wollen oder müssen das vermeiden.“ Das führe zu verfälschten Angaben, es gebe sogar eine Bewegung, die heimlich Partys feiere. Hier war Autor Olaf Sundermeyer, der ebenfalls bei Lanz zu Gast war, ein: Auch die Querdenker-Bewegung rufe dazu auf, die Rückverfolgung zu sabotieren, so der 47-Jährige.

„Jeder muss selber bei sich anfangen“

Die Zahl der Menschen, die in Restaurants Namen wie „Bibi Blocksberg“ oder „Benjamin Blümchen“ angeben, mehren sich: Inzwischen habe man bei Grenzkontrollen festgestellt, dass „jeder Fünfte falsche Angaben“ mache, erklärte Teichert. Die Richtigkeit der Angaben bei der Einreise würde nun überprüft. „Da können Sie sich mal überlegen, wie hoch die Dunkelziffer im Restaurant ist“, gab die Medizinerin zu bedenken. Auch im Flugzeug säßen schon mal ein „Superman“ oder ein „Donald Trump“ unter den Passagieren. „Das kann ja wohl nicht wahr sein“, resümierte Teichert. „Da fehlt es am Bewusstsein, oder es ist bewusste Sabotage.“

Am Ende stellte Moderator Markus Lanz die „Killerfrage“: „Wie sieht Weihnachten aus?“ Die Medizinerin wollte sich nicht festlegen, machte aber deutlich: „Ich würde mir wünschen, dass wir wegkommen von dem Schuldverteilen.“ Jeder sage, er sei nicht der Infektionsherd. Sowohl bei Restaurants als auch bei Schulen werde hin und her diskutiert, ob der Ort eine Infektionsgefahr darstelle oder nicht. „Ich glaube, wir müssen von dieser Idee wegkommen“, betonte Teichert. „Es geht darum, die Kontakte zu reduzieren.“ Das Virus verbreite sich von Mensch zu Mensch. „Also muss ich das vermeiden“, erklärte sie. „Jeder muss selber bei sich anfangen.“ Pandemie-Bewältigung schaffe man nur, wenn man gemeinsam an einem Strang ziehe. „Wir können die Schuld nicht immer an andere abgeben.“

teleschau

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