Erst der Tigerenten Club, dann die Oscars

Janina Fautz im Porträt

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Janina Fautz (24) ist mittlerweile eine der renommiertesten und besten Schauspielerinnen Deutschlands.

Ihren Namen liest man immer häufiger: Die 24-Jährige Janina Fautz ist schon seit Jahren in Kino und TV zu sehen - zudem in hoher Frequenz. Ein Ende ist (glücklicherweise) nicht in Sicht. Was ist ihr Erfolgsrezept?

Kinderstars haftet oftmals ein schlechter Ruf an. Manche kommen mit der medialen Aufmerksamkeit nicht klar, stürzen ab oder verschwinden in der Versenkung. Andere hängen ihren Beruf früher oder später ganz bewusst an den Nagel und widmen sich einem Job abseits des öffentlichen Interesses. Ganz anders verlief jedoch die Karriere von Janina Fautz. Die gebürtige Mannheimerin fasste bereits im zarten Alter von acht Jahren den Entschluss, Schauspielerin zu werden. Ihre Eltern finanzierten der Kleinen einen Kinderschauspielkurs in den Bavaria Filmstudios in München. Dadurch wurde eine Agentur auf das Nachwuchstalent aufmerksam. Joseph Vilsmaier besetzt sie daraufhin in seinem Märchenfilm „Der Weihnachtsbrei“ (2005). Es sollte ihr erster Schritt in eine größere Welt werden.

Mittlerweile ist Janina Fautz zu einer jungen Frau herangereift. Sie wurde zur UNICEF-Juniorbotschafterin ernannt und hat bereits in rund 50 Film- und Fernsehproduktionen mitgewirkt, und auch in der neuen Miniserie „Prost Mortem“ (ab 9. Oktober bei 13th Street) liefert sie eine starke Leistung. - Dabei ist sie gerade mal 24 Jahre alt. Erste größere Aufmerksamkeit als Schauspielerin erlangte sie durch ihr Mitwirken an Teil vier und fünf der „Die Wilden Kerle“-Filmreihe von Joachim Masannek (2007 und 2008). Über die Schauspiel-Jobs in ihrer Kindheit sagt sie heute: „Ich hatte großes Glück, dass bei den meisten Dreharbeiten immer viele Gleichaltrige dabei waren. Dann hatte das Ganze immer etwas von einem großen Abenteuer, einem großen Spiel, das wir gerade alle gemeinsam spielen.“ Diese Leichtigkeit hat sie sich glücklicherweise bewahrt.

Danach war Janina Fautz in Michael Hanekes preisgekröntem Meisterwerk „Das weiße Band - Eine deutsche Kindergeschichte“ (2009) zu sehen, im Anschluss übernahm sie eine der Hauptrollen im KiKA-Serien-Hit „Allein gegen die Zeit“ (2010 bis 2012). Zudem sorgt sie immer wieder mit Episodenrollen im „Tatort“ für Furore. Unvergessen ist ihr Auftritt als vermeintliche Tochter von Kommissar Thiel (Axel Prahl) im Münsteraner „Tatort: Fangschuss“. Mehr als 14,5 Millionen Zuschauer sahen sie im Fall von 2017 als rotzfreche Leila mit blau gefärbten Haaren.

Vom Kinder- zum Shootingstar

Die Karriere von Fautz geht weiterhin steil bergauf. 2018 war sie in insgesamt elf verschiedenen Produktionen für Kino und TV zu sehen: Unter anderem in den Kinofilmen „Meine teuflisch gute Freundin“ und „Safari - Match Me If You Can“ sowie im Freiburger „Tatort: Sonnenwende“. Fautz als Star der Stunde und eines der größten deutschen Talente zu bezeichnen, grenzt fast schon an Untertreibung. Abgehoben ist sie trotz allem nicht. Was vielleicht daran liegt, dass ihre Liebe zur Schauspielerei nichts mit Ruhm und Anerkennung zu tun hat. Sie brennt ganz einfach für ihren Beruf - und zwar schon von Kindesbeinen an. „Ich hab mit acht Jahren mit der Schauspielerei angefangen. Wenn ich das Gefühl gehabt hätte, dass ich dafür irgendetwas opfere oder auf irgendetwas verzichten muss, dann hätte ich es nicht weitergemacht“, erklärt die Darstellerin heute. „Als Kind hast du grundlegend keinerlei oder nur sehr wenig Motivation, irgendetwas zu tun, wenn es dir keinen Spaß macht.“

Neben der Schauspielerei gab es im Laufe ihrer Karriere noch einen kurzen Ausflug ins Journalistische: Von 2006 bis 2009 stand Janina Fautz als Junior-Reporterin für den Tigerenten Club vor der Kamera. Ebenfalls eher ungewöhnlich für eine junge Schauspielerin: Ihre schulische Laufbahn hat die Pfälzerin im Gegensatz zu vielen gleichaltrigen Kolleginnen und Kollegen nie wirklich vernachlässigt. Gedreht habe sie oft in der schulfreien Zeit, wie sie rückblickend erklärt. „Mir hat das Schauspielern immer wahnsinnig viel Spaß gemacht. Ansonsten hätte ich damit aufgehört, andere Dinge gemacht oder lieber Sommerferien gehabt“, so Fautz. Ihr Abitur machte sie dann 2014.

Auf dem Teppich geblieben

Diese Bodenständigkeit zeichnet sie aus. Skandale und Abstürze muss man bei ihr nicht befürchten. Die Etikette „Kinderstar“ hat sie schon seit Jahren abgelegt, heute ist sie eine der gefragtesten Schauspielerinnen Deutschlands. In Interviews gibt Fautz aber nicht die Unnahbare. Stattdessen wirkt sie geerdet, sympathisch, locker - und stets souverän. Sie nimmt sich selbst nicht so wichtig, trotz all ihrer Meriten. Man bedenke: Janina Fautz steckte mitten in der Pubertät, als sie in einem mit der Goldenen Palme und dem Golden Globe prämierten Kinofilm mitgewirkt hatte. Oscarnominiert war „Das weiße Band“ obendrein auch noch. Da könnte man durchaus mal überheblich werden. Doch das ist sie keineswegs. Ihre derzeitige schauspielerische Omnipräsenz ist vielleicht genau diesem Umstand geschuldet.

Ab Mittwoch, 9. Oktober, 21.00 Uhr, ist das 1,58 Meter große Energiebündel in der schwarzhumorigen Krimiserie „Prost Mortem - Die letzte Runde“ bei 13th Street zu sehen. Dort spielt sie eine Heavy-Metal-hörende und kiffende Barkeeperin, die mit ihrer misanthropischen Null-Bock-Attitüde für die besten Szenen der vierteiligen Miniserie verantwortlich zeichnet. Auch diesmal könnte sie also mit einer Rebellen-Rolle wieder für Aufsehen sorgen, wie schon vor zwei Jahren im „Tatort“ - nur diesmal mit grün gefärbten Haaren.

teleschau

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