Die Kleinen und die Bösen

Inmitten der Sinnkrise

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Klare Rollenverteilung? Peter Kurth (links) gibt den Proll Hotte, Christoph Maria Herbst den zu lieben Bewährungshelfer Benno.

"Die Kleinen und die Bösen" bereitet seinen Zuschauern vergnügliche Momente in einem verkannten, düsteren Köln. Mittendrin: Peter Kurth und Christoph Maria Herbst. Ihre beiden gegensätzlichen Charaktere, die ihr Leben ändern wollen, liefern sich ein amüsantes Widerspiel.

Offenes Hawaii-Hemd über der Plauze, immer Kippe und Bier griffbereit und um eine kleine Pöbelei nicht verlegen: Horst "Hotte" Mazocha (Peter Kurth) ist ein Vollblut-Proll, wie er im Buche steht - und obendrein kleinkriminell. Der ebenso brave wie desillusionierte Bewährungshelfer Benno (Christoph Maria Herbst) kennt diese Typen aus dem Eff-Eff. Aber Hotte ist ein besonderes Früchtchen. In Markus Sehrs Komödie "Die Kleinen und die Bösen" (2015) treffen die beiden Charakterköpfe mit voller Wucht aufeinander. Nach einem eher überschaubaren Kinoerfolg erscheint die durchaus sehenswerte Komödie nun fürs Heimkino.

Ausgerechnet diesem Hotte muss Benno das Sorgerecht für dessen beiden Kinder zusprechen, um die sich jahrelang die plötzlich verstorbene Oma kümmerte. Eine Ungerechtigkeit sondergleichen für einen wie Benno, der zwar Kinder liebt, aber keine zeugen kann. Nur davon weiß seine Freundin Tanja (Anneke Kim Sarnau) nichts. Der unerfüllte Kinderwunsch überschattet die Beziehung des Paares, für das Sex schon lange kein reines Vergnügen mehr ist.

Hotte versagt anfangs als Erzieher - genau, wie es zu erwarten war. Die Aussicht auf Kindergeld kümmert ihn mehr als das Wohl seines Nachwuchses. Auch der weiß nur wenig mit dem Vater anzufangen. Doch das Blatt wendet sich. Denn zwischen dem Benno und dem Hotte verkehren sich die Rollen: Der Widerling versucht, sein Leben grundlegend zu ändern, um verantwortungsvoll zu werden. Derweil entwickelt sein Bewährungshelfer, getrieben von einer blinden Fürsorgepflicht und genervt von seiner scheiternden Beziehung, ungeahnte kriminelle Energie.

Markus Sehrs "Die Kleinen und die Bösen" lebt von der Komik des Widerspiels seiner beiden gut aufgelegten Protagonisten. Der vielfach mit Preisen dekorierte Christoph Maria Herbst legt seinen frustrierten Beamten Benno inmitten der Sinnkrise gänzlich anders an als beispielsweise seine Paraderolle Bernd Stromberg. Aus der Verdrossenheit seines Seins findet er einen ungeahnten Ausweg, auf dem Herbst sich sogar als liebender Romeo erfolgreich probieren kann.

Leider offenbart "Die Kleinen und die Bösen" aber doch manche Ungereimtheit auf dem Weg zum Ziel. Funktionieren viele Szenen sketchartig für sich, bleibt das große Ganze immer mal wieder auf der Strecke. Letzten Endes liefert der Film oft humorige und meist kurzweilige Unterhaltung, angesiedelt in einem so selten gesehenen, schmutzigen Köln als wunderbare Kulisse für den Ausflug in die Halbwelt.

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