„Tagesthemen“-Moderator

Ingo Zamperoni: „Wir Deutschen machen es uns zu einfach mit Trump“

"Tagesthemen"-Moderator Ingo Zamperoni hat für Donald Trump nicht viel übrig, für undifferenziertes Trump-Bashing aber auch nicht.
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„Tagesthemen“-Moderator Ingo Zamperoni hat für Donald Trump nicht viel übrig, für undifferenziertes Trump-Bashing aber auch nicht.

Es gibt diesseits des Atlantiks nicht viele Medienschaffende, die offen Sympathien für Donald Trump bekunden.

Ingo Zamperoni bildet da keine Ausnahme. Der „Tagesthemen“-Moderator hat den amerikanischen Präsidenten oft und scharf kritisiert, wie er als Gast der „Pierre M. Krause Show“ bestätigte. In der neuen Folge, die exklusiv für den YouTube-Channel der SWR-Sendung produziert wurde, wiegelte Zamperoni jedoch ab, als ihm Gastgeber Pierre M. Krause in den Mund legte, er habe sich am umstrittenen Amtsinhaber regelrecht „abgearbeitet“.

„Ich versuche schon zu sehen, dass wir uns das in Deutschland oft ein bisschen zu leicht machen mit Trump“, bekräftigte der 46 Jahre alte Nachrichtenjournalist im nächtlichen Zwiegespräch vor Tankstellenkulisse. Es gebe zweifellos eine Menge an Trump, „das man anklagen muss und verurteilen muss“, räumte er ein. „Aber wir machen es uns in Deutschland ein bisschen zu einfach, wenn wir sagen: 'Dieser Vollpfosten im Weißen Haus, der sein Land und den Rest der Welt vor die Hunde gehen lässt'!“ Es gebe für republikanische Wähler eben bestimmte Gründe, sich für Trump zu entscheiden.

„Nicht Trump hat das Land gespalten, er ist nur das Symptom dieser Spaltung“

Ingo Zamperoni, der von 2014 bis 2016 Korrespondent im ARD-Studio in Washington war, bezieht diese Erkenntnis auch aus seiner eigenen Familie. Der gebürtige Wiesbadener ist nicht nur mit einer US-Amerikanerin verheiratet, inzwischen hat er eine große Familie in den Staaten. Und die sei in der Präsidentenfrage so gespalten wie das gesamte Land: Ein Teil der Familie sei pro Trump, der andere nicht, erläuterte Zamperoni im Gespräch mit Pierre M. Krause. Sein Schwiegervater etwa sage über Trump: „Ich persönlich finde den furchtbar, aber der soll nicht mein Heiland sein, der soll mein Präsident sein und die Dinge tun, die für richtig erachte.“ In diesem Sinne habe nicht Trump das Land gespalten, glaubt Zamperoni, „sondern das Land ist gespalten, und Trump als Symptom dieser Spaltung hat das nur sehr gut ausgenutzt“.

Über die Bedeutung der anstehenden US-Wahlen am 3. November am Beispiel seiner angeheirateten US-Familie hat Ingo Zamperoni überdies eine Dokumentation gedreht: „Trump, meine amerikanische Familie und ich“ ist am Abend vor der Wahl, am Montag, 2. November, um 20.15 Uhr, im Ersten zu sehen.

teleschau

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