Neue Staffel: Amazon-Serie „Bosch“

Immer mit der Ruhe: „Bosch“ macht das schon!

Harry Bosch (Titus Welliver) mag Los Angeles - vor allem bei Nacht.
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Harry Bosch (Titus Welliver) mag Los Angeles - vor allem bei Nacht.

Selbst ein drohender nuklearer Terroranschlag nimmt dem faszinierendsten Cop, den Los Angeles je gesehen hat, nicht die Gelassenheit: Amazons Copserie „Bosch“ bleibt auch in der sechsten Staffel erfrischend anachronistisch.

Stoisch macht „Bosch“ auch in der sechsten Staffel einen Schritt nach dem anderen. Wo andere Serien hyperventilieren, erst recht, wenn es um die Gefahr eines Terroranschlags geht, bleibt die Eigenproduktion von Amazon ganz entspannt. Sie kann sich auf sich selbst verlassen - und auf Hieronymus „Harry“ Bosch (Titus Welliver). Der melancholische Cop ermittelt ab 17. April in zehn Folgen gewohnt schweigsam, aber mit dem ihm eigenen Gespür für die richtigen Fragen zur richtigen Zeit.

Bei einer guten Serie geht es immer um Effizienz. Zierrat ist unnötig, Wenn man eine Geschichte geradlinig erzählt, wenn man Wert darauf legt, die Persönlichkeit eines (Anti-)Helden zu ergründen - so unergründbar sie im Fall des L.A.-Detectives Bosch, über den der Schriftsteller Michael Connelly mehr als 20 Romane geschrieben hat, auch ist. „Bosch“ hatte es fünf Staffeln lang gar nicht nötig, Informationen zurückzuhalten oder das Erzähltempo willkürlich zu variieren, um künstlich Spannung zu erzeugen. In der sechsten ist das nicht anders.

Ein Cop, den es nicht geben kann

Dabei muss Bosch, nachdem er zuletzt knapp einen Undercover-Einsatz im Drogenmillieu überlebte, nicht nur in einem neuen komplexen Mordfall ermitteln, sondern hat auch das FBI am Hacken. Das Opfer hatte radioaktives Material gestohlen, um seine Frau aus der Gewalt von Gangstern zu befreien. Bei 32 vermissten Caesium-Kapseln werden auch die übergeordneten Behörden nervös - und sorgen für mehr Chaos, als dem mürrischen Titelhelden lieb ist.

Der hat nämlich auch noch ein paar andere Dinge zu erledigen, Liegengebliebenes quasi seiner Vergangenheit. Das Gute ist, dass die Noir-Cop-Serie auch dabei ruhig bleibt - Bosch macht das schon, also bekommt der Mann alle Zeit der Welt. Das lässt wiederum Raum, ihn in einer konsequent entschleunigten Mischung aus Kriminalfällen, Milieustudie und Figurenzeichnung zu beobachten.

Man kann nicht anders, als sich zu freuen, dass es ihn noch gibt: diesen Cop, den es eigentlich nicht mehr geben kann im modernen Serienzeitalter. „Bosch“ ist für immer faszinierend, auch wenn dem Vernehmen nach, die bereits bestellte siebte Staffel die letzte sein wird.

teleschau

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