Social-Media-Bilanz

Die ARD und ihre Reise ins Digitale

6,6 Milliarden Mal haben im Jahr 2019 Nutzer und Nutzerinnen auf YouTube- und Facebook Videos von offiziellen Accounts der ARD gestreamt.
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6,6 Milliarden Mal haben im Jahr 2019 Nutzer und Nutzerinnen auf YouTube- und Facebook Videos von offiziellen Accounts der ARD gestreamt.

Die ARD legt eine Art Social-Media-Bilanz vor und will zeigen: Sie ist in der digitalen Welt angekommen.

Es sind Zeiten, in denen es im Netz um Qualität geht. Um eine seriöse Berichterstattung rund um das Virus ohne Panikmache und Klickbringer-Journalismus. Dass die ARD ausgerechnet jetzt in eine Art Quantitäts-Jubel verfällt, ist freilich eher Zufall. Überraschend waren die Zahlen der Social-Media-Bilanz der ARD, der ersten ihrer Art, dabei durchaus. „6,6 Milliarden Mal haben im Jahr 2019 Nutzer und Nutzerinnen alleine auf YouTube- und Facebook Videos von offiziellen Accounts der ARD gestreamt“, heißt es in einer offiziellen Verlautbarung. Und weiter: „Mehr als 22 Millionen Facebook- und 10,4 Millionen YouTube-Abos verbinden Menschen mit ARD-Angeboten.“

Millionen. Milliarden gar. Die ARD, dem eigenen Bekunden nach ja schon noch auf dem Weg ins Digitale und längst nicht am Ziel, will zeigen, wie gut sie sich mittlerweile jenseits des linearen Fernsehens etabliert hat. Auch, daraus macht Birand Bingül, Leiter der ARD-Kommunikation, keinen Hehl, um allgemeinen Vorurteilen entgegenzutreten. „Wir wollten faktisch zeigen, wie stark wir im Social Web sind. Das Publikum sucht und findet uns - egal wo.“ Auffällig auch: die hohen Interaktionswerte. Rund 306 Millionen Mal wurde in Form, von Kommentaren, Shares oder Likes bei Facebook, Twitter, YouTube und Instagram mit Inhalten der ARD interagiert. Alleine mit den Inhalten der „Tagesschau“ lag man im Januar 2020 im Social-Media-Ranking von Storyclash nach einem Plus von 25 Prozent wieder auf Rang eins vor „Bild“, Sky, RTL und dem ZDF.

Dass sich daraus, nicht nur in aufgeregten Corona-Zeiten, eine besondere Verantwortung ableitet, weiß man bei der derzeit vom WDR geführten ARD sehr wohl. „Es gilt, kühlen Kopf zu bewahren und journalistische Qualität abzuliefern“, sagt Bingül. „Klicktreibergeschichten“ überlasse man anderen. Die hohen Zugriffszahlen bei der „Tagesschau“, aber auch bei „Sportschau“ und regionalen Inhalten seien indes ein Beleg dafür, dass quantitative Ziele auch mit Qualität zu erreichen seien.

„Krawall und Hate Speech gibt es genug im Netz“

Zu tun hat es die ARD nicht erst seit diesem Jahr mit dem großen Wettbewerber namens Empörungsjournalismus. „Wir wollen zeigen, dass es auch anders geht“, formuliert Bingül. „Krawall und Hate Speech gibt es genug im Netz.“ Wobei auch die ARD immer wieder damit konfrontiert ist. Die „orchestrierte Beschimpfung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks“ sei auf einem neuen Niveau angekommen.

Werden Grenzen überschritten, schließe sich denn auch kein Dialog an. Mit sachlicher Kritik hingegen, so lautet das Credo, habe man sich als öffentlich-rechtlicher Rundfunk sehr wohl auseinanderzusetzen. Übrigens auch außerhalb der Geschäftszeiten. Dass ein dialogisches Netz eine Herausforderung ist, womöglich auch ein personalaufwendiges und kostenintensives, steht außer Frage.

Eines der wichtigsten Ziele bleibt dabei das Erreichen eines jungen Publikums, das sich vom linearen Fernsehen weitgehend verabschiedet hat. Dennoch besagt eine bereits 2018 anfertigte Akzeptanzstudie, dass das Vertrauen in die Inhalte der ARD bei den 14- bis 24-Jährigen bei 87 Prozent liegt. Fast jeder Fünfte in dem gleichen Altersegment nutzt täglich ARD-Inhalte entweder bei Facebook oder YouTube. Noch jüngere Zuschauer verfolgen das Kinderprogramm. Der aktuellen Social-Media-Studie zufolge folgen 600.000 Abonnenten auf YouTube dem KiKA, 314.000 dem „SWR Kindernetz“. Beim YouTube-Dachmarken-Account des WDR befinden sich Videos der „Sendung mit der Maus“ in Sachen Abrufzahlen auf den vorderen Rängen.

Anders als beim Fernsehen lassen die aktuellen neuen Zahlen aus den sozialen Medien jedoch keinerlei Rückschlüsse auf die User zu. Wer also die Inhalte der ARD nutzt, jüngere oder ältere Menschen, Männer oder Frauen, Städter und Bewohner vom Land, darüber ist nichts bekannt. Derweil werden die Ergebnisse, so Bingül, innerhalb der Senderverbunds als „Ansporn“ verstanden. „Wir sind auf einer Reise mit der ARD: Vielleicht nicht ganz so disruptiv oder schnell wie andere, aber kontinuierlich.“

teleschau

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