Patricia Aulitzky

"Ich bin ein moderner Nomade"

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Patricia Aulitzkys zweite große Leidenschaft neben der Schauspielerei ist das Reisen: "Ich war nach dem Lena-Lorenz-Dreh in Simbabwe und Mosambik. Ich brauche das einfach zum Abschalten."

Österreicherin, Europäerin, Weltbürgerin: Schauspielerin Patricia Aulitzky spielt im Heimatfilm "Lena Lorenz" eine Hebamme im idyllischen Bayern, lässt sich ansonsten aber nicht auf einen Heimatort festnageln.

Ihr Debüt hatte sie im vergangenen Jahr. Jetzt wird die gebürtige Salzburgerin Patricia Aulitzky in vier weiteren Filmen der Hebamme "Lena Lorenz" Leben einhauchen. Die 36-Jährige erkennt in der Rolle durchaus Parallelen zu sich selbst: "Lena ist nicht auf den Mund gefallen, natürlich, tatkräftig, modern, mit Ecken und Kanten, und sie agiert sehr direkt. In vielen Sachen ist sie mir also sehr ähnlich." Trotzdem ist die Weltenbummlerin nicht unbedingt der Charakter, den man in einer Heimatfilmreihe vermutet hätte. Vor Ausstrahlung des ersten neuen Films (Donnerstag, 7. April, 20.15 Uhr) spricht Patricia Aulitzky über ihr Verhältnis zu Heimat, was ihr Vater über ihre Rolle denkt, und was jeder einzelne dazu beitragen kann, um die Welt etwas friedlicher zu machen.

teleschau: Kanada, Südamerika, London: Sie waren in ihrer Jugend viel unterwegs!

Patricia Aulitzky: Ja, das erste Mal war ich mit 16 Jahren in Kanada: Ich habe meiner Mutter gesagt, ich will einen Ferienjob, Geld verdienen, raus aus Europa und dass ich alles mache, außer Babysitten. Dann war ich Horse Wrangler, habe also Pferde betreut, übersetzt und gekocht. Ich reise auch jetzt noch leidenschaftlich gerne und war nach dem "Lena Lorenz"-Dreh in Simbabwe und Mosambik. Ich brauche das einfach zum Abschalten. Ich bin gerne auf der ganzen Welt unterwegs.

teleschau: Fühlen Sie sich trotzdem als Österreicherin?

Aulitzky: Ich bin natürlich Österreicherin, sehe mich aber im Herzen vor allem als Europäer.

teleschau: Sie leben derzeit in Berlin und Wien. Was bedeutet für Sie Heimat?

Aulitzky: Heimat hat viel mehr mit Menschen zu tun, als mit einem bestimmten Ort. Ich verbinde Heimat sehr mit meiner Familie und meinen Freunden. Es ist Heimat, wenn ich zu meiner Familie nach Tirol komme, es ist aber auch Heimat, wenn ich in Berlin in meinen eigenen vier Wänden lebe und meine Möbel und Bücher um mich habe. Ich bin ein moderner Nomade und arbeite daran, dass ich Heimat vor allem in mir selbst finde.

teleschau: Woher kam Ihre Leidenschaft für die Schauspielerei?

Aulitzky: Ich habe schon immer gerne Geschichten erfunden und die nachgespielt. Als Schauspielerin zu arbeiten, füllt mich deshalb vollkommen aus. Ich liebe überhaupt alles, was mit Kunst und Kultur zu tun hat. Das ist Input, von dem ich lebe und von dem später auch die Figuren leben. Ich gehe viel ins Kino, ich liebe Film. Manchmal wünsche ich mir, fünf Tage am Stück krank im Bett zu sein, damit ich mir nur neue Filme anschauen kann, weil es so vieles zu sehen gibt (lacht).

teleschau: Sie spielten bereits in den Kinofilmen "Shoppen" und "Falco - Verdammt wir leben noch!" mit: Wie ist das für Sie, sich im Kino zu sehen?

Aulitzky: Wahnsinnig aufregend, sehr spannend, und ich bin prinzipiell sehr kritisch mit mir selbst, wenn ich mich das erste Mal sehe. Ich muss das dann setzen lassen, denn ich schau mich selber nicht sehr gerne an.

teleschau: Seit 2015 haben Sie eine feste Rolle als "Lena Lorenz" im ZDF: Was war das Schwierigste daran, eine Hebamme zu spielen?

Aulitzky: In manchen Szenen arbeiten wir mit Puppen, und da kommt dann so eine komische Seifenschmiere drum rum mit Blutersatz. Daran hab ich mich ers gewöhnen müssen, obwohl ich sonst nicht so zimperlich bin. Generell ist Hebamme ein Beruf, den ich mir niemals aussuchen würde. Es ist ein Knochenjob, den ich aber total bewundere. Wenn man als Schauspieler einen Fehler macht, dann machen wir halt wieder 'nen Take, und dann ist gut, aber wenn als Hebamme was schiefläuft, dann kann es um Leben und Tod gehen.

teleschau: Was sagt ihr Vater, der von Beruf Gynäkologe ist, zu "Lena Lorenz"?

Aulitzky: In einer Folge atmet ein Kind anfangs nicht richtig, das ist dann relativ dramatisch: Da hat er zum Beispiel gesagt, ach, so zwei Minuten, das ist jetzt doch noch gar nicht so schlimm. Aber Film ist nun mal Fiktion und darf das.

teleschau: Als "Lena Lorenz" fliehen Sie aus der Großstadt Berlin in die ländliche Provinz. Sind Sie Land- oder Stadtkind?

Aulitzky: Ich bin beides. Auf der einen Seite bin ich sehr naturverbunden, das habe ich mit meiner Rolle gemeinsam. Natur ist etwas, wo ich meine Batterien lade und wo ich zur Ruhe komme. Ich liebe aber auch die Stadt - da ist ein Kommen und Gehen, eine Internationalität, eine Liberalität. Ich könnte Stadt nicht ohne Natur, aber ich könnte Natur auch nicht ohne Stadt.

teleschau: Wie viel muss man als Schauspieler investieren?

Aulitzky: Alles, sonst ist man im falschen Beruf. Man muss unter anderem sehr flexibel sein, schließlich ist man als Schauspieler sehr viel unterwegs. Ein Beispiel: Mein Vater hat bald Geburtstag, und ich drehe da voraussichtlich in New York. Von dort kann ich aber nicht einfach zurückfliegen. Das ist schon traurig. Es braucht außerdem manchmal viel Kraft, Freundschaften aufrechtzuerhalten. Beim Drehen ist es oft so, als ob man eine kleine Familie dazugewinnt. Plötzlich ist der Dreh vorbei und alle sind weg. Darum muss man schauen, dass die, die einen permanent im Leben begleiten, auch neben den Dreharbeiten Platz bekommen. Aber das ist es auf jeden Fall wert. Ich würde die Schauspielerei gegen nichts anderes tauschen.

teleschau: Würden Sie nach Hollywood gehen?

Aulitzky: Wenn Hollywood anruft, sag' ich nicht nein. Sollte aber 'ne tolle Geschichte sein. Meine Traumrolle wäre Jeanne d'Arc in Neuauflage mit Martin Scorsese als Regisseur (lacht). Mein Motto ist: "Think big".

teleschau: Lena Lorenz lebt in einer heilen Welt, die Geschichten haben meist ein gutes Ende. Haben Sie ein Rezept für den Weltfrieden?

Aulitzky: Wenn ich das hätte, wäre ich Friedensnobelpreisträger. Aber es gibt kleine Sachen, die jeder tun kann. Ich bin im Zug hierher gefahren, und ein dunkelhäutiger Mann ein paar Reihen vor mir wurde in Rosenheim von Polizisten geholt und aus dem Zug befördert. Was mit ihm passiert ist, weiß ich nicht. Aber da dachte ich mir wieder einmal, ich habe einfach Glück gehabt, dass ich weiß und hier geboren bin. Es hat nichts mit Leistung zu tun, dass wir hier so leben dürfen. Wir haben einen Job, Essen, unsere Häuser werden nicht zerbombt und wir müssen nicht fliehen. Auch für kleine Dinge dankbar sein, das ist ein kleiner Schritt in die richtige Richtung. Dann gibt man auch gerne, wenn man sich bewusst ist, was man alles hat. Das könnte ein bisschen zum Weltfrieden beitragen.

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