Weglachen ist sein Rezept

Herbert Feuerstein: Portrait zum 80. Geburtstag

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„Ich wüsste nicht, was es an mir zu feiern gibt!“ Herbert Feuerstein bekam kurz vor seinem 80. Geburtstag anlässlich der Ausstellung „50 Jahre Deutsches MAD“ den „Peng!“-Comicpreis" für sein Lebenswerk.

Seine Late-Night-Show „Schmidteinander“, von 1990 bis 1994 mit Harald Schmidt beim WDR, samt ihren Parodien, Live-Schaltungen und Sketchen, ist legendär. Am 15. Juni feiert der jung gebliebene Autor, Entertainer und Comedian Herbert Feuerstein in Erftstadt bei Köln seinen 80. Geburtstag.

„Ich wüsste nicht, was es an mir zu feiern gibt!“ - Der Satz gilt an den runden Geburtstagen des Komikers, Autors und Journalisten Herbert Feuerstein, 1937 geboren in Zell am See, aufgewachsen in Salzburg, in schöner Regelmäßigkeit. Allerdings: Wenn die anderen ihn oder sein Werk unbedingt feiern wollen, erträgt er auch das ganz gern. Diesmal nahm der 50. Geburtstag „seines“ Satire-Magazins „MAD“ Ende Mai das Feiern vorweg. Feuerstein, der am 15. Juni sein 80. Lebensjahr vollendet, war 20 Jahre lang dessen Chefredakteur. Es ist, wie er sagt, „sein Lebenswerk“. Der „Peng!“-Comicpreis, den er nun deshalb erhielt, dürfte neben anderen wie Grimme-Preis und Bambi stehen. Mit der Late-Night-Show „Schmidteinander“ wurde er in den 90er-Jahren an der Seite von Harald Schmidt berühmt. Die Show lief 50-mal, erst bein WDR, dann im Ersten. Bauchfernsehen vom Feinsten - einfallsreich, frisch, innovativ.

Feuerstein, der Ideengeber und Hauptautor der Sendung ließ sich als Harald Schmidts Side-Kick vom Meister auf der Studiobühne vor Publikum verprügeln, machte tiefstenfalls die Kanonenkugel, höchstenfalls den „Superstein“ in Strumpfhosen, musste Hauptstädte raten, trug auf Schmidts Kommano Statistiken vor. Im Sketchen waren sie zusammen großartig, auch als Siegfried und Roy. Feuerstein verstand sich, wie er sagte, als „Teil des Publikums“, nicht so sehr als Protagonist. Ein Understatement nach Plan.

Das alles half nicht darüber hinweg, dass ein Teil der Presse die improvisiert wirkende Sendung als „Abendunterhaltung für Verwahrloste“ zu verunglimpfen wagte. Im Ersten hielt man dann nur noch ein Jahr lang, bis zum Dezember 1994, durch. Feuerstein, der sich selbst nicht unbedingt dem Massenmedium Fernsehen „zugehörig“ fühlte, machte später noch die Zwölf-Stunden-Sendung „Feuersteins Nacht“, hatte Gastauftritte in der „Wochenshow“ und war Team-Mitglied in der Nauauflage der Rateshow „Was bin ich?“ bei kabel eins. Lieber war ihm das Theater. 70-mal gab er den Frosch in der Fledermaus, spielte den Teufel im Berliner „Jedermann“ und Gott in Brecht / Weills „Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny“.

Alles begann mit einem Rauswurf am Salzburger Mozarteum

In Vergessenheit geriet der nunmehr 80-Jährige (was man kaum glauben kann) aber auch beim Fernsehpublikum nie. Die Gastauftritte, Geburtstagssendungen und Homestorys, wie zuletzt „Krause kommt“, mit Pierre M. Krause, sorgen für andauernde Präsenz. Feuerstein betreibt dabei ein geniales Mimikry. Er bleibt sich immer gleich und erzählt alte Geschichten wie neu. Ein ewiges Kind, dass sich über seine „MAD“-Heftchen noch immer diebisch freuen kann. Der „ewig Elfjährige“ kann dann etwa von einer Ausgabe schwelgen, die äußerlich aussah wie ein Schulbuch: „Damit konnten die Schüler ihre Lehrer täuschen. Das war toll.“

Man kann aber auch wieder einmal der so genannten „Watschen-Affäre“ lauschen. Alles begann nämlich mit einem Rauswurf am Salzburger Mozarteum, wo er Musik studierte und als Kritiker Mitschüler grenzwertig verriss. Als ihn die daraufhin ohrfeigten und er sich beim Direktor beschwerte, wurde ihm von diesem der Abgang nahegelegt. Er wurde weltmännisch, zog nach Wien, später nach New York. Inzwischen sind mehrere Bücher über sein Leben geschrieben, das er stets aufs Neue als immerwährenden Kampf gegen das Dunkle beschreibt. „Hinter mir steht immer der Sensenmann. Ich weiß nicht, ob man ihn sieht“, so sagt er.

Sein Rezept dagegen heißt „Weglachen!“ Einfach weglachen, den Trump und das ganze Elend dieser Welt. Und ein bisschen auch verdrängen. Die Eltern seien beide arge Nazis gewesen. Als der Vater, vormals Fahrdienstleiter bei der Eisenbahn in Zell am See, eine Aussprache über seine Nazi-Vergangenheit suchte, ging er dem aus dem Weg. Er wollte sich „einfach nicht anhören, dass Hitler früher auch Autobahnen gebaut hat und letzten Endes gut im Herzen war“.

tsch

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