Zwei gegen die Bank

Hell or High Water

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Die Texas Ranger Marcus (Jeff Bridges, links) und Alberto (Gil Birmingham) jagen die Bankräuber.

„Hell or High Water“ nimmt sich die Brechtsche Frage „Was ist ein Einbruch in eine Bank gegen die Gründung einer Bank?“ vor.

Die Schulden stehen ihnen bis zum Hals, die familieneigene Farm in Texas ist nach dem Tod der Mutter so gut wie futsch, die Banken machen Druck. Die Brüder Toby (Chris Pine) und Tanner (Ben Foster) sehen sich zum letzten Mittel gezwungen: Eine Serie von Banküberfällen soll den Besitz sichern. Mit „Hell or High Water“ (2016, erscheint nun auf DVD, BD und als VoD) hat sich Regisseur David Mackenzie eines der begehrtesten Drehbücher der letzten Zeit geschnappt und ein stylisches, stellenweise zu langwieriges Krimidrama mit Western-Elementen daraus gemacht. Bei vier Oscarnominierungen, darunter für „Bester Film“, reichte es für keinen der begehrten Preise. In Deutschland zog der Film auch lediglich 56.000 Kinozuschauer an.

Während Toby (soeben geschieden) die Verbrechen vor allem aus pragmatischen Motiven begeht, ist sein Bruder Tanner (soeben aus dem Gefängnis entlassen) ein überdrehter notorischer Krimineller, der lieber zu hart aufs Gaspedal drückt und schnell den Finger am Abzug hat. Bald heftet sich den beiden ein Texas Ranger (Jeff Bridges) an die Fersen, der kurz vor der Pensionierung einen letzten Fang wittert.

Das Tempo der ersten Viertelstunde, in der die beiden Brüder entschlossen durch wüstenbraune, menschenleere Hohlgassen texanischer Kleinstädte brettern und gleich mehrere Banken unmittelbar hintereinander ausrauben, weicht bald einer ruhigeren Gangart und endet schließlich im Leerlauf, vertont mit einem unaufdringlichen Soundtrack von Nick Cave und Warren Ellis.

In Übersee hat der Krimi mit Elementen aus Heist-Film, Drama und Western einen kleinen Hype verursacht, wurde als „Indie Hit des Jahres 2016“ gelabelt. Besonders die Rolle von Jeff Bridges, einem der großen Sympathieträger des amerikanischen Gegenwartskinos, sticht hervor - allerdings in ihrer Ambivalenz: Als Texas Ranger Marcus Hamilton wandelt der Altstar an der Grenze zur Parodie.

Zwar lockern seine dahingelallten Nuschelsprüche, mit denen er seinen Partner Alberto (Gil Birmingham) spielerisch wegen seiner indianischen Herkunft aufzieht, und seine Dirty ol' Bastard-Haltung die düstergraue Atmosphäre des Films auf. Sie langweilen aber in ihrer großväterlichen Altbackenheit bald arg. Man kann es schon auch als Kompliment lesen: Noch nie sah Jeff Bridges so alt aus.

teleschau

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