Die Hebamme 2 - Di. 16.02 - SAT.1: 20.15 Uhr

Endlich Medizinerin!

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Die junge Hebamme Gesa (Josefine Preuß) erweist sich in Wien als begabte Schülerin und Assistentin eines berühmten Professors (Bernhard Schir).

Die junge Hebamme Gesa (Josefine Preuß) macht sich in der Fortsetzung des ersten Teils (2014) auf nach Wien, um dort die erste Medizinstudentin zu werden.

Dass das Eventmovie "Die Hebamme" mit Josefine Preuß im März 2014 die für den Senderdurchschnitt erstaunliche Quote von 5,3 Millionen Zuschauern aufzuweisen hatte und mit 2,64 Millionen (22,8 Prozent) vor allem bei den jüngeren Zuschauern erfolgreich war, zog fast unweigerlich die Idee nach sich, eine Fortsetzung folgen zu lassen. Dabei ist der Titel ein wenig gemogelt, denn das neue "TV-Event" (Produktion Oliver Berben) lässt die junge Hebamme Gesa, die einst aus ihrem Dorf in die Universiätsstadt Marburg zog, um "Hebamme wie meine Mutter" zu werden, aufsteigen zur Medizinerin. Selbstvertrauen und Wissbegier ebnen den Weg geradezu unweigerlich - da kann noch so viel männliche Skepsis im Wege stehen.

Den Umstieg mag manch einer eher schade finden, verdienen doch Hebammen, die derzeit mit großen Demos auf ihre schlechte Situation aufmerksam machen, jederzeit unsere ganze Aufmerksamkeit. Im Film finden sie allerdings seit ein paar Jahren viel Interesse, öffentlich-rechtlich wie im werbebezahlten TV, immer im historischen Gewand. Der neue SAT.1-Film etwa spielt zu Beginn des 19. Jahrhunderts, als nicht nur die Medizin, sondern auch das gesamte Frauenbild noch ein weitgehend mittelalterliches war. "Hebamme 2" bleibt dabei allerdings nicht beim guten alten Zweikampf zwischen dem männlichen chirurgischen und dem weiblich naturheilkundlichen Heilprinzip, man lässt nun eine junge Frau das eisern verteidigte männliche medizinische Terrain erobern.

Das ist anfänglich in eine etwas umständliche Geschichte mit allerlei Verwandtschaftsbeziehungen gepackt, bleibt aber immerhin nachvollziehbar: Eine Cousine der jungen Hebamme Gesa ist schwer an Schwindsucht (heute Tuberkulose) erkrankt und will bei der, wie sich herausstellt, inzwischen verstorbenen Mutter Hilfe suchen. Gesa greift stellvertretend helfend ein: Sie bringt Luisa, die Cousine (Genija Rykova), ans Wiener Universitätskrankenhaus, wo die ärztliche Kunst ein schon ein Stück weiter ist als andernorts. Dort ist, wie es der Zufall will, Luisas Vater als Professor tätig. Leider hat er die einst mit einem Poeten durchgebrannte Luisa und deren Kind hartherzig verstoßen.

Wie nun Gesa gewissermaßen aus heiterem Himmel in die Wiener Studentenrunde samt ihrem gestreng dozierenden Professor fällt, um ihn zur Heilung der Cousine zu bewegen, ist ein schönes Husarenstück - man spürt gleich die Sympathie, die sich zwischen dem Gelehrten (Bernhard Schir) und seiner - man ahnt es - angehenden Schülerin entspinnt. Schon macht sie Vorschläge, wie man Luisas Lunge retten könne (indem man den Brustkorb durchbohrt!), wenig später ist sie bei einem Kaiserschnitt dabei. Es dauert nicht lange, bis sie eine nach Wien mitgereiste Freundin retten muss. Da fließt viel Blut beim mutig angesetzten Messer, glücklicherweise guckt die Kamera schnell gnädig weg.

"Zur Vorbereitung habe ich viele Schweinebäuche zusammengenäht!" berichtet die im Film stets engelsgleiche Josefine Preuß. Und das ist es: Sie hält den Film zusammen, sie gibt dem (Heb-) Ammenmärchen ein glaubhaftes Gesicht, halb frommes Gretchen, halb eine Jeanne d'Arc der neuen Medizin. Da kann dann noch viel passieren - Fehlgeburt im Freudenhaus, ein Serienmörder, der Herzen von lebenden Objekten raubt, oder gar die Faszination eines Opiumrausches. Wahsinn und der Traum von der rettenden Transplantation, Horror und Science-fiction, liegen da nahe beieinander. Wer allerdings mag der Mörder sein, der als Kapuzenmann durch Wiens Krankenhäuser schleicht und in der unterirdischen Kanalisation die verwesten Leichen hortet?

Man hätte gern auf diesen zweiten Erzählstarng verzichtet, zumal ahnbar wird, dass es für die Taten des Unholds keine wirklich plausible Erklärung geben würde. Die Regie (Hannu Salonen), die ohnehin alle Hände voll zu tun hat bei der Fülle des Materials (Originaldrehbuch: Thorsten Wettcke, Silja Clemens) rettet sich da in ein schräges B-Picture, das den Zuschauer zuletzt mit vielerlei Verdachtsmomenten schwindlig spielt. Nur so viel noch: Ein "Narrenturm" mit gequälten Geistern steht gleich nebenan.

Am Ende freut man sich, dass es doch Überlebende gibt, auch dass man all die Operationen und Nähereien an lebenden und toten Körpern so gut überstanden hat. Viel zum dann doch noch guten Gefühl trägt die besonnene Orchestrierung des Schweizer Komponisten Marcel Barsotti ("Das Wunder von Bern", "Die Päpstin") bei. Sie ersetzt zuweilen unpathetisch, was dem Film an Umwelt und Wiener Atmospäre fehlt - bis hin zum unweigerlichen Happyend: Erste Studentin der Medizin in Wien! Und als Belohnung ein Verlobungsring.

Um 22.45 Uhr zeigt SAT.1 die Dokumentation "Die wahre Hebamme" über ein historisches Vorbild der "Hebamme", Justine Siegemund. Sie schaffte es, sich fundiertes medizinisches Wissen anzueignen und dokumentierte sämtliche ihrer Geburtshilfefälle schriftlich - im 17. Jahrhundert, als Frauen der Zugang zur Medizin nicht gestattet war.

Name der Sendung Die Hebamme 2
Sendedatum 16.02.2016
Sender SAT.1
Sendezeit 20:15:00
Genre Drama
Filmbewertung überzeugend
Genre Drama
Filmname Die Hebamme 2
Originaltitel
Regisseur Hannu Salonen
Schauspieler Josefine Preuß
Schauspieler Alicia von Rittberg
Schauspieler Genija Rykova
Entstehungszeitraum 2016
Land D

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