Hartz und herzlich - Die Eisenbahnsiedlung von Duisburg - Sa. 20.02 - RTL II: 20.15 Uhr

Zwischen Armut und Tradition

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Die Eisenbahnsiedlung Duisburg wurde in den Jahren 1913 bis 1915 erbaut und zählt seit 1927 zum Stadtbezirk Rheinhausen.

Was bleibt, wenn die Stahlindustrie einbricht und der Lebensmittelpunkt, in diesem Fall ein Rangierbahnhof, dicht macht? Die zweiteilige RTL II-Dokut "Hartz und herzlich" zeigt es über sechs Stunden hinweg am Beispiel der Eisenbahnsiedlung Duisburg.

Im vergangenen Juni feierte die Eisenbahnsiedlung Duisburg 100-jähriges Bestehen. Es war ein schönes, frohes, buntes Feierspektakel, ein ganzes Wochenende lang. Aber längst ist wieder Alltag eingekehrt in die Arbeitssiedlung am südwestlichen Rand der Ruhrgebietsmetropole. Und der Alltag hier ist überwiegend trist, geprägt von geplatzten Träumen, von Erinnerungen an längst vergangene bessere Zeiten und dem täglichen Kampf ums Überleben. An zwei Samstagen schildert die RTL II-Dokumentation "Hartz und herzlich" jeweils zur besten Sendezeit (zweiter Teil am 27.2., 20.15 Uhr) und über fast sechseinhalb Stunden hinweg, wie die Menschen zwischen Armut und Tradition bestehen.

Damals, als (fast) alles besser war, wurden am Rangierbahnhof Hohenbudberg bis zu 4.500 Güterwagen umgeschlagen. Pro Tag. Das war Mitte der 1950er-Jahre. Der 400 Meter breite und 2.800 Meter lange Güterbahnhof war einer der größten Europas, an der breitesten Stelle lagen 73 Gleise nebeneinander, 75 Dampflokomotiven waren im permanenten Einsatz. Der Bahnhof, 1901 erbaut, war die Energiequelle, das Lebenselixier der Eisenbahnsiedlung Duisburg-Rheinhausen. Schon vor dem Zweiten Weltkrieg arbeiteten 800 Menschen hier. Und die meisten wohnten in der Eisenbahnsiedlung. Die war von 1913 an erbaut worden, 1915 zogen die ersten Familien in die von der Reichsbahn erbauten Häuser ein. Mit dem Bahnhof, mit der Stahlindustrie florierte auch das Leben in der Arbeitersiedlung.

Das ist lange her. Der Niedergang begann in den 80-ern, als die Stahlindustrie einknickte. 1983 schloss das nahegelegene Krupp-Walzwerk, der Anfang von Ende des Rangierbahnhofs. 1986 wurde er zurückgebaut, am 26. September verließ der letzte planmäßige Güterzug den Bahnhof. Damit verdunkelte sich auch die Perspektive für die Eisenbahnsiedlung. Ihr Wahrzeichen, der 35 Meter hohe Doppelwasserturm Hohenbudberg, der 2016 sein 100-jähriges Bestehen feiern kann, mag noch immer stolz und trutzig aufragen, das Selbstbewusstsein der Siedlung und seiner Anwohner ist ins Wanken geraten. Heute leben hier nicht nur Alteingesessene, sondern viele Hartz IV-Empfänger, Menschen am Rande der Armut. Es gibt keine Restaurants mehr, nicht mal einen Lebensmitteldiscounter. Alles dicht gemacht. Nur der "Siedlertreff" von Julian (28), genannt Julz, hat überlebt als letzte Bastion. Hier treffen sich die Menschen und träumen beim Feierabendbier von den alten Zeiten. Oder neuen. Denn die Hoffnung stirbt zuletzt.

Kurz nach dem Siedlungs-Jubiläum zogen die Kameras ein. Für die Sozialdokumentation waren die Kamerateams der UFA Show & Factual GmbH vier Monate lang fast täglich Gast zwischen der "Uerdinger Straße" und "Am Stellwerk" und wurden Teil des Alltags.

Die aufwendige Langzeit-Doku zeigt die Lebensrealität der "Eisenbahnsiedler", Menschen wie dem ehemaligen Bergmann Frank (43), der den Verlust seiner Arbeit bis heute nicht verkraftete. Oder von Marina (52), die krankheitsbedingt nicht mehr arbeiten kann. In der Konsequenz bleibt nicht viel zum Leben, und das eint sie mit ihrer Tochter Nina (31), die sich als Mutter von vier Kindern mit wenig Mitteln durchs bescheidene Leben schlägt.

Es werden viele beklemmende Momente zwischen mehr Bangen als Hoffen dokumentiert. Aber auch Begegnungen voller Herz und Humor, denn die Leute hier mögen nicht viel Kohle im Geldbeutel haben, dafür aber das Herz auf der Zunge - und am rechten Fleck.

Stefan Albrecht, Leiter Docutainment RTL II, bezeichnet den für RTL II in der Tat per se ungewöhnlichen Ansatz als "vollkommen neue Art, relevante Geschichten zu erzählen - konsequent aus der Sicht der Protagonisten". Albrecht: "Über einen Zeitraum von vier Monaten entstand ein ehrliches Bild auf das Leben mit Hartz IV. Wir verlassen unser gewohntes unterhaltsames Erzähltempo, um der Authentizität der Erzählung gerecht zu werden. Mit der Formatierung an zwei Abenden mit jeweils drei Stunden geben wir den Zuschauern die Möglichkeit, sich ganz in diese Welt hineinziehen zu lassen. Wenn die Handlung nicht zugespitzt wird, sondern sich entfalten darf, muss man ihr auch den Raum dazu geben."

Name der Sendung Hartz und herzlich - Die Eisenbahnsiedlung von Duisburg
Sendedatum 20.02.2016
Sender RTL II
Sendezeit 20:15:00
Genre Dokumentation
Genre Dokumentation

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