ARD-Talk

„Hart aber fair“: Landrat wendet sich mit „Bettelbrief“ an China

Stephan Pusch (links auf dem Monitor), Landrat im von Corona besonders gebeutelten Landkreis Heinsberg, berichtete bei „Hart aber fair“ unter anderem dem Virologen Hendrik Streeck von seinem Brief an den chinesischen Staat.
+
Stephan Pusch (links auf dem Monitor), Landrat im von Corona besonders gebeutelten Landkreis Heinsberg, berichtete bei „Hart aber fair“ unter anderem dem Virologen Hendrik Streeck von seinem Brief an den chinesischen Staat.

„Vor ein paar Wochen hätte ich auch gesagt: 'Du bist bekloppt'“, gestand Stephan Pusch, Landrat im nordrhein-westfälischen Landkreis Heinsberg, am Montag bei „Hart aber fair“.

Seit Karneval hat Heinsberg Tausende Covid-19-Infizierte zu beklagen, 21 Menschen verloren ihr Leben. Pusch, per Monitor zum Thema „Es ist ernst - wie viel Freiheit lässt uns Corona noch?“ zugeschaltet, hatte sich schon länger über mangelnde Unterstützung durch den NRW-Landesvater Armin Laschet beklagt. In einem offenen Brief wandte er sich schließlich an China und bat den chinesischen Partei- und Staatschef Xi Jinping um Schutzkleidung für die Krankenhäuser seines Landkreises. Laut Pusch meldete sich bereits der Generalkonsul aus Düsseldorf, der den Kontakt herstellen soll.

Moderator Frank Plasberg nannte das Schreiben einen „Bettelbrief“. Der erschöpfte Landrat wollte sich nicht an dem Wort aufhängen. Stattdessen machte er klar, in den vier Wochen seit dem Ausbruch nicht einmal das Gefühl gehabt zu haben, eine Woche konkrete Planungen vornehmen zu können. „Sie können sich als Laie nicht vorstellen, wie viele Kittel und Masken Sie brauchen am Tag“, stellte Pusch klar. In seiner Verzweiflung hätte er schon dubiose Geschäftemacher mit vermeintlichen Onkeln in China kontaktiert. Da wende er sich doch lieber gleich an die chinesische Regierung.

Krise als Chance

„Das ist im Moment die Achillesferse unseres Gesundheitssystems“, sagte Pusch über die mangelnde medizinische Versorgung in Deutschland. Die Krise sei aber auch als Chance zu verstehen, „darüber nachzudenken, was wir selber produzieren können“.

Mit der Krankenschwester Stefanie Büll und dem Virologen Hendrik Streeck waren bei „Hart aber fair“ weitere interessante Stimmen zum Thema zu hören. Die Politik wurde durch Sabine Bätzing-Lichtenthäler (SPD), der Ministerin für Soziales, Arbeit, Gesundheit und Demografie des Landes Rheinland-Pfalz, Heinrich Bedford-Strohm, Vorsitzender des Rates der EKD sowie Landesbischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern, und den ARD-Rechtsexperten Frank Bräutigam vertreten.

Eingeleitet wurde die Sendung mit einer ausführlichen Reportage über das Abschiednehmen in Corona-Zeiten. So berichteten unter anderem ein Obdachloser sowie ein Bestatter über die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf ihre Arbeit und ihren Alltag.

teleschau

Das könnte Dich auch interessieren

Kommentare