Öfter mal einen Baum anschreien

Hans-Joachim Heist im Interview

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Gernot Hassknecht, bekannt aus der „Heute Show“ des ZDF, erhebt das Sich-Aufregen zur Kunstform.

Jeder kennt ihn als die personifizierte Wut: Hans-Joachim Heist, der Mann, der „Gernot Hassknecht“ aus der „heute-show“ verkörpert, ist am Freitagabend in einem ARD-Film zu sehen - als Vogelliebhaber mit charakterlichen Auffälligkeiten ...

Kann den Schimpfen Sünde sein? - Wie reinigend ein ordentlicher Wutausbruch sein kann, zumindest wenn der Furor die Richtigen trifft, das wissen die Fans von „Gernot Hassknecht“ aus der ZDF-„heute-show“ jedenfalls schon lange. Wer von Hans-Joachim Heist, den Kabarettisten und Schauspieler hinter der Kunstfigur, gar nicht genug bekommen kann, darf sich am heutigen Freitag, 6. September, gleich doppelt von ihm anschreien lassen. Vor der „heute-show“ (23.15 Uhr, ZDF) ist er bereits zur besten Sendezeit im ARD-Film „Verliebt auf Island“ (20.15 Uhr, Das Erste) mit von der Partie: Heist spielt einen Naturliebhaber, der auf Island Vögel beobachten will, und nebenbei selbstredend einen Choleriker, dessen geplagte Frau nach 50 Ehejahren die Nase endgültig voll hat. Im Interview spricht der 70-Jährige über sein ganz persönliches Verhältnis zur Wut und die Notwendigkeit einer gepflegten Schimpftirade.

nordbuzz: Sie spielen erneut eine Rolle als Choleriker. Werden Ihnen vorwiegend solche Rollen angeboten?

Hans-Joachim Heist: Nein, darüber bin ich auch sehr froh. Aber Sie haben Recht, als Schauspieler wird man ganz schnell in eine Schublade gesteckt, aus der man nur schwer wieder rauskommt.

nordbuzz: Sind Choleriker die ehrlicheren Menschen?

Heist: Das kann man so nicht sagen. Ich bin ja privat kein Choleriker, aber die meisten Choleriker, die ich kenne, rasten auch mal schnell wegen Nichtigkeiten aus. Aber das hat dann eigentlich nicht immer was mit Ehrlichkeit zu tun.

nordbuzz: Für was würden Sie privat ausrasten?

Heist: Ich ertrage Ungerechtigkeit überhaupt nicht, da raste ich regelmäßig aus. Auch bei persönlichen Beleidigungen, wie sie mittlerweile in den sozialen Netzwerken üblich sind, muss ich mich sehr zusammenreißen, um nicht auszurasten.

nordbuzz: Würden Sie sagen, dass die meisten Menschen in ihrem Alltag viel zu reserviert sind? Sollte nicht jeder mindestens einmal am Tag seinen Gegenüber anschreien?

Heist: Ich will's mal so sagen: Man sollte nicht immer alles in sich hineinfressen, sondern den Frust und Ärger über Missstände auch mal lautstark rauslassen. Wer immer alles runterschluckt ohne zu murren, wird eines Tages platzen. Kleiner Tipp: öfter mal in den Wald oder in einen Park gehen und die Bäume anschreien. Mache ich selber ab und zu. Da fühlt man sich anschließend wunderbar entspannt.

nordbuzz: Wie sind Sie persönlich? Eher ein Ruhepol?

Heist: In meiner Familie bin ich eigentlich der Ruhepol, denn privat bin ich eher der Heinz-Erhardt-Typ mit Schalk im Nacken.

nordbuzz: In welchen Situationen sind Sie zahm wie ein Lamm?

Heist: a.) Bei einem guten Essen mit einem köstlichen Wein. b.) Wenn ich ganz entspannt einem Sonnenuntergang zusehen kann. c.) Wenn Kinder unbeschwert und fröhlich rumtollen.

teleschau

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